Der bisherige Chirurgie-Chefarzt Norbert Runkel aus Villingen-Schwenningen hat nach der einvernehmlichen Beendigung seines Arbeitsverhältnisses am Schwarzwald-Baar Klinikum nun eine adäquate Anschlussbeschäftigung gefunden: Er ist seit Juli neuer Chefarzt am Exzellenzzentrum für Adipositaschirurgie des Sana Klinikums im hessischen Offenbach. Unterdessen laufen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Konstanz zum Fall Runkel weiter.

„Mit Professor Runkel berufen wir einen ausgewiesenen und international anerkannten Experten der Viszeral- und vor allem auch der Adipositaschirurgie“, wird Sascha John, Geschäftsführer am Sana Klinikum Offenbach, in einer Darstellung des Sana Klinikums zitiert. Runkel übernehme mit dem Adipositaszentrum in der Nachbarstadt von Frankfurt am Main eine Abteilung mit insgesamt acht Fachärzten, weiteren Assistenzärzten, Ernährungsberaterinnen und einem Pflegeteam.

Beruflicher Neustart in Hessen

Der berufliche Neustart in Offenbach wurde dadurch möglich, dass der bisherige Chefarzt Rudolf Weiner, der das Adipositaszentrum aufgebaut hat, die Leitung abgeben hat, aber weiter „als Experte zur Verfügung stehen“ werde.

„Wir kennen und schätzen uns schon seit bald 15 Jahren aus der Zusammenarbeit in der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, der Gesellschaft für Viszeralchirurgie oder auch der deutschen Adipositasgesellschaft“, wird Norbert Runkel in der Sana-Darstellung zitiert. „Jetzt freue ich mich darauf, gemeinsam mit dem Kollegen Weiner auch unmittelbar zusammenzuarbeiten.“

Das Sana-Klinikum verweist darauf, dass Runkel „die letzten 18 Jahre Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Villingen-Schwenningen“ gewesen sei.

Staatsanwaltschaft ermittelt weiter

Unterdessen läuft bei der Staatsanwaltschaft Konstanz immer noch ein förmliches Ermittlungsverfahren im Falle von Norbert Runkel, wie Andreas Mathy, Sprecher der Staatsanwaltschaft Konstanz, dem SÜDKURIER am Mittwoch auf Anfrage bestätigte.

Wie bereits am 21. März berichtet, wird ermittelt, ob etwas rechtlich daran zu beanstanden sein könnte, dass der bisherige Chefarzt am Schwarzwald-Baar Klinikum Adressat für Umschläge mit einigen tausend Euro Bargeld gewesen sein könnte, die drei Patienten des Mediziners in dessen Büro im Klinikum abgegeben haben sollen.

Das könnte Sie auch interessieren

Die private Abrechnung von Behandlungskosten sei zwar durchaus üblich, erklärte damals der Leitende Staatsanwalt Johannes-Georg Roth. Aber dass dabei Bargeld geflossen sein soll, begründete aus Sicht der Staatsanwaltschaft den Verdacht, der Chefarzt könnte versucht haben, das Geld in die eigene Tasche zu stecken und dem Klinikum dessen Anteil vorzuenthalten. Zudem habe es zwischen Runkel und den drei Bargeld bringenden Patienten „keine schriftliche Wahlleistungsvereinbarung“ für deren Therapie gegeben.

Daher gilt es für die Staatsanwaltschaft zu klären, ob der Ex-Chefarzt Zahlungen in betrügerischer Weise verschleiern wollte – oder ob es etwa um schlichte Versäumnisse bei der Abrechnung ging oder um übliche Gepflogenheiten im Klinikum.

Nachfolger soll noch im Juli vorgestellt werden

Arbeitsrechtlich ist der Fall abgeschlossen. Noch vor einem Arbeitsgerichtsprozess hatte die Klinikleitung im Dezember 2017 die fristlose Kündigung für Runkel zurückgenommen und sich mit Runkel einvernehmlich auf eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses zum 30. Juni 2018 geeinigt. Der Nachfolger für Runkel soll laut Klinikum noch im Juli vorgestellt werden.

Norbert Runkel erklärte bereits im März auf SÜDKURIER-Anfrage, er gebe zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen keinen Kommentar ab.