Die Neue Musik braucht immer ein weites Feld für Experimente. Die Vermittlung dieser Neuen Musik und damit die Aufklärung über ihre Prinzipien, ihre Aussagekraft und ihre ästhetischen Dimensionen ist keine einfache Angelegenheit. Und wer Neue Musik mit dem speziellen Fokus auf die Ausdrucksmöglichkeiten der menschlichen Stimme vermitteln will, begibt sich auf ein wenig beackertes Terrain. Das Festival „Upgrade“ hat sich an drei Tagen in den Donaueschinger Donauhallen intensiv und mit Erfolg an die Arbeit gemacht.

  • Das Konzept: Hören, mitmachen, experimentieren, Grenzen überschreiten, vermitteln und sich vernetzen zählt zu den Aktivitäten, die sich das Netzwerk Neue Musik Baden-Württemberg auf seine Fahne geschrieben und erstmals bei den Donaueschinger Musiktagen 2012 öffentlich verkündet hat. Partner des landesweit agierenden Netzwerks bei Upgrade waren die Donaueschinger Gesellschaft der Musikfreunde sowie die finanziell unentbehrliche Kulturstiftung des Bundes.
  • Hören: Wie Neue Vokalmusik in professioneller Perfektion und glänzender Interpretation klingt, führten zwei der besten Ensembles ihres Genres konzertant vor Augen und Ohren – das SWR Vokalensemble mit rund 30 Mitgliedern unter der Leitung des auch im internationalen Vergleich herausragenden Chorleiters Marcus Creed sowie das Sextett der Neuen Vocalsolisten Stuttgart. Dieses bot faszinierendes vokales Kammermusiktheater, darunter zum Beispiel sehnsuchtsvolle, ironisch verfremdete, zart schüchterne oder auch mit Bitterkeit durchsetzte Love Songs des Kanadiers Claude Vivier.
  • Mitmachen: Zur aktiven permanenten Teilnahme an Upgrade angereist waren etwa 150 überwiegend junge Menschen im Alter zwischen 17 und 25 Jahren, unter ihnen Mitglieder der Landesjugendchöre von Baden-Württemberg, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und aus dem Saarland. Aber auch Choristen etwa vom Bodensee ließen sich die gebotenen Chancen zur Erweiterung ihrer stimmlichen Ausdrucksmöglichkeiten nicht entgehen.
  • Experimentieren: Die Komponistin Iris ter Schiphorst hat ein Stück für Chor mit dem Titel „Konzepte zu Fläche(n)“ geschrieben. Es erfordert die plausible Zusammenführung von Klang, Stimme, Sprache und Körpereinsatz, wobei für eine entsprechende Inszenierung viel Spielraum offen bleibt. Die vier Landesjugendchöre machten sich experimentierfreudig ans Werk und lieferten vier einfalls- und variantenreiche Darbietungen.
  • Vermitteln: Der österreichische Dirigent Rupert Huber, die Freiburger Domkantorin Martina van Lengerich, die Stimmkünstlerin Gabriele Hasler und fünf weitere mit der zeitgenössischen Musik und Stimmkunst vertraute Persönlichkeiten eröffneten in fünf Workshops nützliche, klärende und an der Praxis orientierte Perspektiven. In einem Fall ging das nicht ohne frisch provokante Polemik ab, in einem anderen überzeugte die den Teilnehmern zugewandte fachliche Souveränität, in einem dritten sorgte die lockere Beurteilung der jeweiligen stimmlichen Erprobungen für ungezwungene Stimmung: „Ich sehe schon die mongolischen Schafherden ziehen“ – man bekommt auf diese Art eine Vorstellung.
  • Vernetzen: Beziehungen zu möglichst vielen anderen Menschen herzustellen, die an einer Sache wie der Neuen Musik interessiert sind, ist dank Kongressen wie Upgrade und dank Internet leichter geworden. Ein Blog der Lehrredaktion der Neuen Musikzeitung mit Gymnasiasten aus Karlsruhe und Donaueschingen liefert beispielsweise einen gelungenen Beitrag.