Man kann es als eine Art Filter sehen, den Wettbewerb, dem sich jetzt zehn Existenzgründer stellten. Es war auf jeden Fall eine erste Möglichkeit, Marktwert und Chancen einer Geschäftsidee zu ergründen. Am vergangenen Freitag fand mit dem Start der Gründerwelle in Dauchingen eine neue Phase der Existenzgründungsoffensive Neckar-Eschach (EGON) statt. In den Räumen des Unternehmens KSL-Kuttler Automation Systems stellten sich im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung zehn regionale Ideeninhaber vor und präsentierten dem Publikum ihre Geschäftsidee. Eine Fachjury beurteilte die Ideen und mögliche Marktchancen der aus ganz unterschiedlichen Bereichen stammenden Start-up-Unternehmen.

Der Sieger konnte sich neben einem attraktiven Geldpreis auch darauf freuen, sich und seine Idee am 4. Juli beim Landesfinale in Karlsruhe im Wettbewerb mit anderen regionalen Siegern präsentieren zu dürfen. Drei Minuten Zeit hatten die Gründer, um die Jury von ihrer Idee zu überzeugen. Qualität und Reifegrad des Geschäftsmodells gehörten ebenso zu den Bewertungskriterien wie Alleinstellungsmerkmale und Kundennutzen sowie Nachhaltigkeit und Tragfähigkeit der Idee und des Produktes. Außerdem floss mit ein, mit welcher Leidenschaft, Rhetorik und Bühnenpräsenz die zukünftigen Unternehmer ihr Projekt verkauften. Nicht einfach sei es gewesen, unter den vielen Geschäftsideen einen Tagessieger zu bestimmen, so die Juryteilnehmer.

Die Gewinner

Am Ende zeigten diese sich aber überzeugt von der Idee des jungen Zimmerermeisters Matthias Halder aus Eigeltingen, der auf den Klimawandel reagiert und seine Holzhäuser künftig aus regional gewachsenem Buchenholz bauen will. Platz zwei belegte eine Geschäftsidee aus Zollhaus bei Villingen-Schwenningen. Dort haben sich Maria und Sebastian Bucher bislang nebenberuflich ein Trainingszentrum aufgebaut, in dem Menschen im Team mit Pferden Sozialkompetenzen aufbauen und festigen können. Als dritte Innovation bewertete die Jury die Idee der Dauchinger Familie Schneider. Sie will die Natur unterstützen und dem Bienensterben entgegenwirken indem sie Bienenvölker vermietet. Auch die andere Ideen seien nicht ohne Zukunft, ermunterte Petra Weininger vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, die gemeinsam mit Bürgermeister Torben Dorn die Preisverleihung vornahm, die weiteren Teilnehmer.

Erster Platz: Häuser aus Buchenholz

Die Idee stammt von Matthias Halder, der am 1. Januar 2019 in Eigeltingen eine Zimmerei gegründet hat. Der Zimmerermeister will künftig Häuser und Bauelemente aus heimischem Buchenholz bauen. Bislang kommt ein Großteil unseres Baumaterials aus skandinavischen Ländern, aus Polen, Russland und Österreich. Allein durch die langen Transportwege sehe die Ökobilanz des eigentlich natürlichen und nachhaltigen Baustoffs Holz nicht gut aus, so Matthias Halder. Gleichzeitig werde sich die Produktion von Fichten wegen des Klimawandels immer weiter in den Norden verlagern. Viele Gemeinden haben Absatzprobleme bei Buchenholz. Oftmals werde dieses nur zur Wärme- und Energieerzeugung genutzt. Er plädiere für regionale und nachhaltige Waldwirtschaft, so Halder. "Meine Balken sind in meiner Gemeinde gewachsen und die Transportwege liegen unter einem Kilometer", schwärmt der Handwerker und überzeugte mit seiner Geschäftsidee auch die Jury.

Matthias Halder will künftig mit regionalem Buchenholz bauen.
Matthias Halder will künftig mit regionalem Buchenholz bauen. | Bild: Rüdiger Fein

Zweiter Platz: Mit Pferden trainieren

Platz zwei ging an Maria und Sebastian Bucher für ihre Idee, Pferde als Persönlichkeitstrainer einzusetzen. "Train Station Reining Horses", nennt sich das Unternehmen in Villingen-Zollhaus. Die Pferde sind die Trainer im Team, denn diese seien unbestechlich und reagieren auf die Körpersprache des Menschen, stellte Maria Bucher ihre Geschäftsidee vor. "Wir wollen Menschen zu mehr Selbstvertrauen verhelfen. Das kann man trainieren", so die Unternehmerin, die gemeinsam mit Ehemann Sebastian neben Reitstunden und Beritt auch Coaching anbietet. Als Werkzeuge für das Leben nennt Maria Bucher Mut und Selbstvertrauen und bietet ihr Persönlichkeitstraining mit Pferden künftig auch für Jugendliche an. Dafür will sie das Preisgeld von 300 Euro auf jeden Fall verwenden. Verantwortungsbewusstsein, Durchsetzungsvermögen, Mut, Ausdauer und Sozialkompetenz könne man lernen. Am Ende stehe erlernte Führungskompetenz. "Trau Dich und trau Dir was zu", lautet das Motto.

Maria Bucher möchte mit ihrem Projekt Jugendlichen Mut und Sebstvertrauen geben.
Maria Bucher möchte mit ihrem Projekt Jugendlichen Mut und Sebstvertrauen geben. | Bild: Rüdiger Fein

Dritter Platz: Ein Bienenvolk mieten

MYBEE heißt die Geschäftsidee der Familie Schneider aus Dauchingen, die den dritten Preis gewann. Künftig werden Irena Schneider, Ehemann Hubert sowie die Töchter Sabrina und Sandra ganze Bienenvölker vermieten. Auch Blüh- und Bienenpatenschaften werden vergeben. Der Lohn für die Investoren wird immer in Honig ausbezahlt. Hinter der Idee der gelernten Landwirte steckt nicht zuletzt die Sorge um die Entwicklung unserer Natur, Stichworte wie Bienensterben, nachlassende Artenvielfalt und fehlende Biodiversität, wie auch ein Rückgang anderer Populationen. "Wir haben unsere verpachteten landwirtschaftlichen Flächen wieder zurückgeholt und bewirtschaften diese wieder selbst, um einer um sich greifenden Monokultur entgegen zu wirken", erklärt Irena Schneider das Motiv. Mit dem Projekt MYBEE kann sich jeder daran beteiligen. Das erhaltene Preisgeld soll bei Familie Schneider selbstverständlich wieder in die Bienenvölker investiert werden.

Irena Schneider und ihre Familie vermieten Bienenvölker.
Irena Schneider und ihre Familie vermieten Bienenvölker. | Bild: Rüdiger Fein