Das geplante Naturschutzgroßprojekt darf auf der Baar nicht scheitern: Da sind sich die Naturschutzverbände im Schwarzwald-Baar-Kreis einig. Sie haben am Montag in Schwenningen nochmals die Werbetrommel für das Projekt gerührt. Über den Anlass hat der SÜDKURIER bereits berichtet: Das Nein der beiden Kreisverbände Donaueschingen und Villingen des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) könnte das seit gut fünf Jahren vorbereitete Projekt für den Erhalt wertvoller Naturflächen zum Scheitern verurteilen. Dabei winken dem Schwarzwald-Baar-Kreis gut acht Millionen Euro aus den Kassen von EU und Bundesumweltministerium, wenn einzigartige Moore und Feuchtwiesen, Hänge mit Magerrasen und wertvolle Waldränder für die Natur erhalten bleiben.

Nun haben Natur- und Vogelschützer wie Hildegard Körner, Thomas Schalk, Helmut Gehring, Hans-Joachim Blech und Anita Sperle-Fleig einmal mehr auf die einzigartige und dringend schützenswerte Landschaft der Baar hingewiesen. Orchideen, gerade mal noch 100 brütende Paare von Braunkelchen, vom Aussterben bedrohte Schmetterlingsarten und Pflanzen, und immer rarer werdende Insekten: An den Hängen mit Magerrasen wird es zunehmend mager für seltene Pflanzen- und Tierarten. Das treibt die Fachleute vom Arbeitskreis Schwarzwald-Baar des Landesnaturschutzverbandes, vom Naturschutzbund (Nabu) und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gerade im Schwarzwald-Baar-Kreis mehr und mehr um.

Sie setzen große Hoffnungen in das große Naturschutzprojekt, das wertvolle Naturflächen am Leben halten soll. Zum Beispiel sollen die Moore auf der Baar so geschützt werden, dass sie nicht austrocknen. Auf Magerrasen, die seit Jahrzehnten durch extensive Bewirtschaftung durch die Baaremer Bauern entstanden sind, wachsen nun mal ganz besondere Pflanzen und Tiergesellschaften. Sie gilt es zu erhalten, ließen die Naturschützer beim Pressegespräch im Umweltzentrum Schwarzwald-Baar-Neckar auf der Schwenninger Möglingshöhe keinen Zweifel.

Gerade einmal 20 solche Projekte würden in den nächsten Jahren mit Mitteln der EU gefördert. Dieses Geld käme auch den Landwirten zugute, wenn sie denn mitmachen würden: Eins der Ziele zum Beispiel wäre es, bestimmte Hänge mit mageren Böden offen zu halten und vor der Bewaldung zu retten. Das seit Jahren vor allem auch vom Kreistag Schwarzwald-Baar verfolgte Projekt dürfe nun nicht ausgerechnet an den Bauernverbänden scheitern: Diese seien von Anfang an in die Entwicklung des Naturschutzprojektes Baar mit einbezogen worden.

Umso unverständlicher sei nun die kategorische Ablehnung: „Ein herber Rückschlag für den Naturschutz und für viele wichtige Projekte zum Erhalt und zur Verbesserung der bestehenden Schutzgebiete“.

Der Naturschutz appelliert an die Verantwortlichen in der Kreispolitik, das Projekt trotz des Neins durch den BLHV weiter zu verfolgen. Es wird hervorgehoben, dass nur wenige landwirtschaftliche Ertragsflächen betroffen seien, „aber mehrere Millionen Euro Förderung werden der örtlichen Landwirtschaft direkt oder indirekt zu Gute kommen.“

Und: „Wir bezweifeln, dass der BLHV mit seiner Ablehnung die Interessen der gesamten Landwirtschaft im Kreis vertritt. Bereits heute engagieren sich 327 Landwirte auf knapp 2000 Hektar Fläche im freiwilligen Vertragsnaturschutz.“

Naturschutzprojekt Baar

Seit gut fünf Jahren kämpfen Landkreis und Naturschutzverbände für ein von der EU, dem Bundesinnenministerium und dem Bundesamt für Naturschutz geplantes Naturschutzgroßprojekt Baar. Zahlreiche Arbeitsgruppen haben seither ihre Kenntnisse über die Landschaft der Baar und ihrer Tier und Pflanzenwelt mitentwickelt. Es geht um die Moore der Baar, die bereits als Schutzgebiete ausgewiesen sind wie das Schwenninger Moos, das Zollhausried, das Pfohrener Gebiet Birkenried-Mittelmeß oder den Unterhölzer Weiher. Bestehende Biotope sollen stärker vernetzt werden und Magerrasen-Streifen von insgesamt 50 Kilometer Länge wieder miteinander verbunden werden.

Doch immer mehr Wald verdrängt bestimmte Arten. Das Großprojekt wäre über Jahre ausgestattet mit Mitteln, um beispielsweise Stellen für Beratung und aktiven Einsatz im Naturschutz zu finanzieren und die Biotopvernetzung in die Tat umzusetzen. Man bewegt sich auf europäischer Ebene und könnte für diese Arbeiten auch Landwirte einsetzen, um die Pflegemaßnahmen fachgerecht ausführen zu lassen. Die Naturschutzverbände können das Nein der Landwirte nur zum Teil nachvollziehen: Von den insgesamt 4500 Hektar Flächen seien gerade mal drei Prozent oder rund 170 Hektar gute landwirtschaftliche Flächen betroffen. (bea)