Villingen/Tannheim – Seit genau 25 Jahren unterstützt das SÜDKURIER Medienhaus die Tannheimer Nachsorgeklinik bei Villingen-Schwenningen im Schwarzwald-Baar-Kreis. Über sieben Millionen Euro sind dabei bislang an Spendengeldern geflossen, wie die Buchhaltung der Klinikverwaltung jetzt addiert hat. In den Jahren 2015 und 2016 wurden jeweils knapp mehr als eine halbe Million Euro gespendet. 2017 kamen 476 000 Euro zusammen. Die Einrichtung in Tannheim, die sich um schwer kranke Kinder und deren Familien kümmert, braucht Unterstützung wie diese dringend.

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Jährliche Spendenaktionen sind eine wichtige Stütze für den Betrieb der Einrichtung. „Die Pflegesätze steigen leider nicht in dem Ausmaß wie beispielsweise die Personalkosten“, erklärt Klinikum-Geschäftsführer Thomas Müller, der sich die Leitung des Hauses mit Roland Wehrle mittlerweile teilt. „Wir können mit den Zuwendungen der SÜDKURIER-Leser das Niveau unseres Reha-Angebotes halten, allein mit den Pflegesätzen wäre das nicht möglich“, so Müller weiter, der seit zwei Jahrzehnten als Finanzchef des Hauses agiert.

Die Spendenaktionen der SÜDKURIER-Leser sind überall in der Klinik mit Hinweisen wie auf unserem Bild mit den Geschäftsführern Thomas Müller (links) und Roland Wehrle (rechts) markiert.
Die Spendenaktionen der SÜDKURIER-Leser sind überall in der Klinik mit Hinweisen wie auf unserem Bild mit den Geschäftsführern Thomas Müller (links) und Roland Wehrle (rechts) markiert. | Bild: Fröhlich, Jens

Der SÜDKURIER hilft: Auch in diesem Winter wird es unter diesem Leitsatz wieder eine von dieser Tageszeitung initiierte Spendenaktion geben, für die Klinik eine der Säulen in der jährlichen Finanzplanung. „Immer wieder stelle ich fest, dass betroffene Familien aus dem SÜDKURIER überhaupt erst erfahren, dass es unsere spezielle Hilfe gibt. Auf dem Gebiet der Herzkrankheiten und auf dem Gebiet der verwaisten Familien gibt es hier teils sehr hohe Informationsdefizite im Gesundheitssystem“, sagt Roland Wehrle.

Verwaiste Familien werden in Tannheim ebenfalls betreut. In speziellen Räumen gibt es Rückzugsmöglichkeiten.
Verwaiste Familien werden in Tannheim ebenfalls betreut. In speziellen Räumen gibt es Rückzugsmöglichkeiten. | Bild: Fröhlich, Jens

Der Geschäftsführer und Gründer des Hauses ist extrem dankbar für die nachhaltige Hilfe der Leser des SÜDKURIER und des Alb-Bote, auf die das Haus auch jetzt wieder setzt.

<strong>Links: </strong>Darum geht es bei der Spendenaktion in diesem Winter: Philipp Bludau, Ärztlicher Leiter und Chefarzt der Tannheimer Kardiologie, muss dringend dieses Echo-Ultraschallgerät ersetzen. Aktuell arbeitet das Haus mit diesem technisch überholten Messapparat. Modernste Echokardiologie bietet dem Arzt extrem genau ausgerichtete Befund-Möglichkeiten.
Links: Darum geht es bei der Spendenaktion in diesem Winter: Philipp Bludau, Ärztlicher Leiter und Chefarzt der Tannheimer Kardiologie, muss dringend dieses Echo-Ultraschallgerät ersetzen. Aktuell arbeitet das Haus mit diesem technisch überholten Messapparat. Modernste Echokardiologie bietet dem Arzt extrem genau ausgerichtete Befund-Möglichkeiten. | Bild: Fröhlich, Jens

In den Akutkliniken werden auch schwer kranke Patienten nach Operationen früh wieder entlassen. Hier bildet das Tannheimer Haus der Deutschen Kinderkrebsnachsorge die nächste Etappe im erhofften Heilungsprozess. Die Rehabilitationsmaßnahmen sind vor allem für an Krebs und Mukoviszidose erkrankte Kinder und Jugendliche ausgerichtet.

Wieder gehen lernen mit Ganganalyse: Nach einer Amputation, einer Tumoroperation am Gehirn oder nach Überstehen eines Schlaganfalls fallen die ersten Schritte zurück in ein neues Leben leichter, wenn Therapeuten im Detail wissen, wie der Patient sich bewegen kann. Genau dies findet auf diesem Gerät statt. Zeitliche Gangparameter und kinematische Größen werden auf diesem angetriebenen Laufhand mit Hlfe zweier Kameras erhoben, um – teilweise software-unterstützt – die richtige Behandlung abzuleiten.
Wieder gehen lernen mit Ganganalyse: Nach einer Amputation, einer Tumoroperation am Gehirn oder nach Überstehen eines Schlaganfalls fallen die ersten Schritte zurück in ein neues Leben leichter, wenn Therapeuten im Detail wissen, wie der Patient sich bewegen kann. Genau dies findet auf diesem Gerät statt. Zeitliche Gangparameter und kinematische Größen werden auf diesem angetriebenen Laufhand mit Hlfe zweier Kameras erhoben, um – teilweise software-unterstützt – die richtige Behandlung abzuleiten. | Bild: Fröhlich, Jens

Die Therapieplätze sind seit vielen Jahren zu 100 Prozent ausgebucht. Das Haus genießt einen ausgezeichneten Ruf, auch dank der von den Lesern dieser Zeitung ermöglichten Behandlungsqualität. Vor zwei Jahren konnten im offiziell so benannten Haus SÜDKURIER die notwendigen Behandlungsplätze für Patienten ab 27 Jahren mit angeborenen Herzfehlern und mit Mukoviszidose realisiert werden.

Eine gemeinnützige GmbH trägt die Einrichtung. Gesellschafter sind die Deutsche Kinderkrebsnachsorge, der auf dem Gebiet der Mukoviszidose aktive Bundesverband Cystische Fibrose sowie der Bundesverband für herzkranke Kinder und die Arbeitsgemeinschaft der baden-württembergischen Förderkreise krebskranker Kinder e. V. Das Konzept des Hauses hat sich über Jahre entwickelt und den Herausforderungen angepasst. Beispiel Mukoviszidose: „Die Lebenserwartung dieser Patienten hat sich aufgrund des medizinischen Fortschritts fast verdoppelt“, sagt Wehrle. Und nicht nur direkt Erkrankte werden hier therapiert, sondern auch deren Angehörige werden medizinisch und psychosozial betreut. Ein wesentlicher Faktor für den Genesungsprozess sei für viele, in der Nähe der Familien sein zu können und nicht getrennt von den oft wichtigsten Menschen sein zu müssen. 160 Mitarbeiter kümmern sich um bis zu 185 meist sehr betreuungsintensive Patienten.

Die Qualität der Therapie sind das A und O der Nachsorgeklinik. Wissen wird in diesem Raum vermittelt. Dieses Schulungs- und Konferzenzzimmer wurde ebenfalls mit Spenden der Leser im Jahr 2010 ermöglich. Von links: Geschäftsführer Thomas Müller, SÜDKURIER-Redakteur Norbert Trippl, Geschäftsführer Roland Wehrle.
Die Qualität der Therapie sind das A und O der Nachsorgeklinik. Wissen wird in diesem Raum vermittelt. Dieses Schulungs- und Konferzenzzimmer wurde ebenfalls mit Spenden der Leser im Jahr 2010 ermöglich. Von links: Geschäftsführer Thomas Müller, SÜDKURIER-Redakteur Norbert Trippl, Geschäftsführer Roland Wehrle. | Bild: Fröhlich, Jens

Was in Tannheim therapiert wird

  • Mukoviszidose: Es handelt sich um eine angeborene, vererbte Stoffwechsel-
    erkrankung. Statistisch ist bei 2500 Geburten in Deutschland ein Kind betroffen. Der medizinische Fortschritt auf diesem Gebiet ist enorm. Früher starben erkrankte Kinder rasch, heute sprechen Experten von einer chronischen Erkrankung. Eine Heilung ist nicht möglich, aber eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität. Behandlungen setzen detailliert an und verlangsamen den Krankheitsverlauf markant. Eine erfolgreiche Therapie könne nur in sehr individueller Form entwickelt werden, sagen Tannheimer Spezialisten.
  • Krebskranke Patienten: Bis zu 1800 neue onkologische Patienten mit bösartigem Krankheitsbild schon im Kinder- und Jugendalter gibt es in Deutschland laut dem zentralen Kinderkrebsregister. Die gute Nachricht: Es gebe heute wirkungsvolle Therapien zur Behandlung junger Patienten, sagt Hugo Escobar, Kinderonkologe in Tannheim. Über 80 Prozent aller Erkrankten könnten geheilt werden, sagt der Spezialist. Diese Chance sei umso größer, je früher die Krankheit diagnostiziert ist. Bei Behandlungen werden oft nicht nur Krebszellen vernichtet, sondern auch andere Körperfunktionen gestört. In dieser Lebensphase ist Beistand für Patienten elementar. Genau darauf setzen die Tannheimer Konzepte.
  • Patienten mit Herzfehlern: Pro Jahr kommen in Deutschland rund 7000 Kinder mit Herzfehlern zur Welt. 70 Prozent davon müssen operiert werden. Moderne Heilmethoden sorgen dafür, dass 90 Prozent dieser Kinder das Erwachsenenalter erreichen. Häufig geht es nicht ohne eine Organverpflanzung. Transplantierte Kinder und Kinder mit komplexen Herzfehlern sind in der Nachsorgeklinik heute fester Bestandteil jeder Rehabilitationsgruppe. Diese Patienten bedürfen einer lebenslangen Nachsorge, erklärt Roland Wehrle.