Persönlich anstrengende Wochen liegen hinter Marcel Klinge, als er am 9. August zum Sommergespräch mit dem SÜDKURIER erscheint. Äußerlich ist ihm nichts anzumerken – das sonnige Gemüt des FDP-Bundestagsabgeordneten aus Villingen ist so gut wie unverwüstlich. Dennoch geht es im Gespräch um eher ernste Themen: Funklöcher allenthalben, teures Bauland für junge Familien, Klimaschutz, die schwächelnde Konjunktur und am Rande, damals noch vertraulich, um den Fall eines Mannes aus VS, der die Familie des 38-Jährigen stalkt. Nun, nach zwei Wochen und entsprechenden Medienberichten, äußert sich Marcel Klinge zu dem Thema.

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Es tut sich was beim Mobilfunk

Selbst entlang von Bundesstraßen ist die Mobilfunkabdeckung mancherorts nur sehr dürftig, beispielsweise auf der Baar. Daran soll sich nun etwas ändern: Im September gibt es, auf Betreiben von Marcel Klinge, einen Termin mit Vodafone in Berlin. Der Mobilfunkanbieter möchte die LTE-Standorte im Schwarzwald-Baar-Kreis deutlich ausbauen. Für Klinge eine gute Nachricht. Die Schuld für den lahmenden Ausbau sieht er nicht nur bei den Anbietern, sondern auch bei der Politik. „Als Exportweltmeister ist das Thema einfach indiskutabel. Da hat es viele politische Versäumnisse gegeben.“ Eine Idee von Marcel Klinge: nationales Roaming. Hierbei teilen sich die Nutzer ein Netz, das von allen Anbietern genutzt wird. Und auch beim Breitband und 5G-Ausbau bezieht er klar Stellung: „Wir wollen Breitband und 5G an wirklich jeder Milchkanne, weil wir uns im ländlichen Raum nicht abhängen lassen dürfen.“

Bild: Hanna Mayer

Was tun gegen steigende Baupreise?

Der Traum vom Eigenheim wird laufend teurer; ein Quadratmeter Bauland kostet im Landkreis vielerorts weit mehr als 150 Euro. Auch Marcel Klinge betrachtet die Entwicklung kritisch. Er fordert deshalb auch mit Blick auf die Altersvorsorge, dass mehr gebaut wird. Deutschland habe eine der niedrigsten Eigentümerraten in Europa. „Wenn wir nicht mehr Baugrundstücke auf den Markt bekommen, werden sich die Preise eher nach oben entwickeln.“

Gutes Feindbild für Klimaschützer

Fridays for Future bestimmt derzeit einen Großteil der politischen Debatte. Marcel Klinge, zu Jugendzeiten Mitglied bei Greenpeace, wollte mit den Villinger Demonstranten ins Gespräch kommen, bislang allerdings vergeblich, obwohl er das Ansinnen für wichtig hält und auch die Bewegung grundsätzlich positiv sieht. Die Krux: Als liberaler FDP-Politiker stellt Klinge unbeabsichtigt ein gutes Feindbild dar, erklärt er. „Die sind mal zu meinem Wahlstand gekommen, haben gehüpft und gerufen: „Wenn du gegen Kohle bist, hüpfe mit.“ Und ich hatte keine Lust zu hüpfen, obwohl ich einen Austausch schon interessant gefunden hätte.“ Eine Einladung der FDP zum Gespräch sei nicht angenommen worden.

Marcel Klinge, FDP-Bundestagsabgeordneter aus Villingen, beim Sommergespräch mit dem SÜDKURIER. Hinter ihm liegen anstrengende Wochen, weniger aus politischer denn aus privater Perspektive. Dennoch möchte er sich von dem Stalking-Fall nicht vereinnahmen lassen. Vielmehr möchte der 38-Jährige aus den Erlebnissen politische Lehren ziehen, unter anderem mit der Forderung nach mehr Ressourcen für Polizei und Behörden. Das Gespräch dreht sich auch um Funklöcher, Klimaschutz und steigende Baulandpreise.
Marcel Klinge, FDP-Bundestagsabgeordneter aus Villingen, beim Sommergespräch mit dem SÜDKURIER. Hinter ihm liegen anstrengende Wochen, weniger aus politischer denn aus privater Perspektive. Dennoch möchte er sich von dem Stalking-Fall nicht vereinnahmen lassen. Vielmehr möchte der 38-Jährige aus den Erlebnissen politische Lehren ziehen, unter anderem mit der Forderung nach mehr Ressourcen für Polizei und Behörden. Das Gespräch dreht sich auch um Funklöcher, Klimaschutz und steigende Baulandpreise. | Bild: Hanna Mayer

Düsterer Ausblick auf die Konjunktur

Wachstumsdelle oder Abschwung? Marcel Klinge scheut sich nicht, das Problem beim Namen zu benennen: Deutschland stehe, so der 38-Jährige, vor einer Rezession. Beispiele wie Waldmann, Marquardt oder auch Bosch sind für ihn Warnsignale. Kritik übt er auch an der Bundesregierung: „Was muss denn noch passieren, dass die Regierung sieht, dass irgendwas falsch läuft in Deutschland?“ Dass nun ausgerechnet die für die Region existenziell wichtige Automobilindustrie mit Skandalen beschäftigt ist, helfe der Problematik auch nicht, wobei er für mehr Besonnenheit plädiert. Jede kleine Bude in Villingen habe mit der Autoindustrie zu tun, die sich in einem katastrophalen Zustand befinde. Trotzdem leiste sich das Land Debatten um teils willkürliche Fahrverbote. So werde der Diesel systematisch kaputt gemacht. Autos würden nicht mehr gekauft, die Technologie nicht weiter vorangetrieben.

Polizei braucht mehr Ressourcen

Auch aus den Erlebnissen der vergangenen Wochen möchte Marcel Klinge politische Lehren ziehen. „Es ist gut, dass der permanente Druck nachgelassen hat“, erklärt er. Viele Betroffene hätten sich bei ihm gemeldet und ihn bestärkt, sich für das Thema einzusetzen. Dabei geht es nicht unbedingt um strengere Gesetze, sondern eher um mehr Ressourcen für Polizei und Behörden. Auch die Frage, wie einschlägig vorbestrafte Personen registriert und beobachtet werden, möchte er disktutiert sehen.

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