„Wir sind bodenständig, aber nicht provinziell“, sagte der Präsident der Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg, Dieter Teufel, im Januar beim großen Neujahrstreff der IHK in Tuttlingen. Und brachte den Zusammenklang von Heimatliebe und Weltläufigkeit, Tradition und Moderne auf den Punkt. Gegen Provinzialität hilft insbesondere Kommunikation – und die läuft heutzutage immer mehr übers Internet. Vom weltweiten Datennetz hängen zudem Handel und Wandel, die heimische Industrieproduktion und der Wohlstand der Region insgesamt immer mehr ab.

Das ist der Grund, warum sich die 20 Städte und Gemeinden im Schwarzwald-Baar-Kreis und der Landkreis gemeinsam auf den Weg gemacht haben, um über ihren Zweckverband Breitbandversorgung den lange stagnierenden Ausbau der schnellen Internetverbindungen voranzutreiben. Das Ziel ist es, möglichst viele Haushalte und Unternehmen ans Internet mit möglichst hoher Datenübertragungsrate anzuschließen – Grundvoraussetzung dafür, dass die Firmen von Blumberg bis Schonach im weltweiten Wettbewerb weiter so gut mithalten können. Und dass man umgekehrt etwa in Brigachtal und Königsfeld alles nutzen kann, was das Internet bietet.

Dass diese Stoßrichtung den Erwartungen der Bevölkerung entspricht, kann man mit bloßem Auge sehen. Ob Schonach, Pfaffenweiler oder Mistelbrunn – die Bilder gleichen sich. Überall sind die Info-Veranstaltungen mit Zweckverbandsgeschäftsführer Jochen Cabanis zum Breitbandausbau voll.

Kein Wunder, denn jetzt drückt der Zweckverband gemeinsam mit Städten und Kommunen im Schwarzwald-Baar-Kreis kräftig aufs Gas – und für viele Haushalte und Firmen wird der oft lange erwartete Anschluss ans schnelle Internet nun ganz konkret. 2016 soll es nun einen großen Sprung nach vorn geben: Laut Plan werden an die 45 Millionen Euro investiert, um das Breitbandnetz zu vergrößern und bis Jahresende 3000 neue Haushaltsanschlüsse zu schaffen. Das Land unterstützt die kommunalen Ausbau-Pioniere dabei mit Zuschüssen aus seinem Programm Breitband-Offensive 4.0: Etwa 2,8 Millionen Euro wurden noch Ende 2015 bewilligt. Konkret fließen die Zuschüsse in den Ausbau der Hauptdatenleitungen (Backbone-Netz) in Bräunlingen, zwischen Brigachtal und Villingen-Schwennigen und zwischen Bad Dürrheim-Hochemmingen und Tuningen – und auch in den Aufbau von Glasfaser-Netzen zur Anbindung von Gewerbegebieten in Blumberg, Bräunlingen und Tuningen. Die vorbildliche Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg ist dem Land zudem einen Zuschlag von 30 Prozent auf die normalen Fördersätze wert.

„Wir machen 2016 einen entscheidenden Schritt“, hatte Landrat Sven Hinterseh bereits im Dezember 2015 angekündigt. Das Ziel ist es, dann in hohem Tempo weiterzumachen, um den Ausbau bis 2017/2018 zum größten Teil fertig zu haben. Wobei nicht überall Datenleitungen verlegt werden, sondern nur dort, wo es noch Lücken gibt. In Zukunft soll das Glasfasernetz den Bauherren auch Geld einbringen: Die kommunalen Eigentümer lassen sich die Nutzung von den Internetdienste-Anbietern bezahlen, die wiederum ein umso größeres Interesse am Netz haben, je mehr Haushalte und Firmen sich anschließen.

Den technischen Betrieb der Datenleitungen übernimmt die Firma Stiegeler aus Schönau – so wie die örtlichen Stadtwerke fürs Strom- und Gasnetz zuständig sind. Auch bietet Stiegeler auch eigene Tarifpakete etwa für Telefonie und Internet an. Das Unternehmen ist dabei aber kein Monopolist, denn auch anderen Anbietern steht das neue Netz offen.

Nicht nur technisch, sondern auch finanziell ist das Vorhaben ein Großprojekt: Die Gesamtinvestitionen bezifferte Hinterseh auf mehr als 200 Millionen Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren.

Diesem Wagnis stellen die Verantwortlichen aber den Nutzen gegenüber: Ohne schnelles Internet werden viele heimische Unternehmen buchstäblich den Anschluss verlieren. Zudem würde die Lebensqualität im ländlichen Raum leiden. Der Breitbandausbau ist so betrachtet nichts anderes als aktiver Schutz der Heimat.

Vorteile der Glasfaser-Technik

Marcel Waldvogel (rechts), Informatik-Professor der Uni Konstanz, über die Glasfasertechnologie, die nun im Kreis auf dem Vormarsch ist

Herr Waldvogel, was sind die Vorteile der Glasfaser?

Kupferkabel haben das Problem, dass sie ein kleines elektromagnetisches Feld erzeugen, sobald wir ändernde Signale darüber schicken. Die zur Signalübertragung notwendigen veränderlichen kleinen Ströme und Spannungen in Kupferkabeln stören ihre über hunderte von Metern parallel laufenden Nachbarn. Glasfaser hat diese Nachteile nicht. Im klassischen DSL-Modell kann man deutlich mehr Daten herunter- als hochladen. Solange wir Konsumenten sind, reicht das. Sobald wir direkt Daten miteinander austauschen wollen, blockiert das Modell den Nutzer. Mit der Glasfaser haben wir extrem hohe Bandbreiten zur Verfügung, die dies erlauben. Dies ermöglicht neue Modelle der Zusammenarbeit der Endkunden, ohne sich auf zentrale Diensteanbieter verlassen zu müssen.

Die Glasfaser ist also das beste Medium, um Daten zu übertragen?

Bei der Datenrate, also wie viele Bit man durch die Leitung bekommt, ist sie unschlagbar. Es gibt immer zwei Geschwindigkeiten. Die Glasfaser ist, was sowohl Einfachheit als auch die Datenrate betrifft, auf alle Fälle das System der Wahl für mindestens das nächste Jahrzehnt.

Was bedeutet die Bezeichnung Megabit pro Sekunde?

Ein Bit ist die kleinste Info-Einheit. Acht Bit ergeben ein Zeichen. Eine Schreibmaschinenseite hat etwa 1000 Zeichen, eine Buchseite hat 2000 Zeichen. Das heißt, ein Buch mit 500 Seiten, jede Seite mit 2000 Zeichen, ergeben eine Million Zeichen. Das sind ein Megabyte oder acht Megabit. Mit einer Übertragungsrate von einem Megabit pro Sekunde braucht man acht Sekunden, um das Buch herunterzuladen.