Eigentlich ist es seit Jahren das gleiche Prozedere – bis auf einige Jubiläumsausstellungen und Präsentationen mit thematischen Vorgaben und stark erweitertem Gästekreis: Der Kunstverein Villingen-Schwenningen lädt im Herbst zeitgleich mit dem Museumsfest zur traditionellen Jahresausstellung ins Villinger Franziskanermuseum ein – so auch jetzt wieder.

Bekannte und bewährte Handschriften

Bei dieser 66. Jahresausstellung kann der regelmäßige Besucher auch ohne Werkliste die einzelnen Urheber der Kunstwerke bestimmen. Das ist zunächst ein positives Signal. Denn die Wiedererkennbarkeit der Arbeiten zeugt von einer gewissen künstlerischen Souveränität. Die Besucher suchen schließlich oft nach bekannten, bewährten und vertrauten Handschriften.

Sein Stil ist vielen regelmäßigen Besuchern der Kunstvereinsausstellungen von seinen „Glotzern“ wohlbekannt: Dieses Werk stammt von Paul Revellio.
Sein Stil ist vielen regelmäßigen Besuchern der Kunstvereinsausstellungen von seinen „Glotzern“ wohlbekannt: Dieses Werk stammt von Paul Revellio. | Bild: Stefan Simon

Der aus Villingen stammende Glotzer-Maler Paul Revellio wird selbstverständlich bei seinen Sekttrinkern erkannt. Und die Liebhaber der Skulpturen des Königsfelder Bildhauers Zeljko Rusic werden auch im Franziskanermuseum fündig.

Vorstandsteam platziert die Werke

Am Mittwoch gab es nun Gelegenheit für eine Vorbesichtigung. Das Vorstandsteam des Kunstvereins – Bernhard Fabry, Helmut Kury und Axel Heil – war noch mit einigen Künstlern bei der Hängung der Bilder und der Platzierung der dreidimensionalen Arbeiten befasst.

„Ganz schön luftig in diesem Jahr“

„Ganz schön luftig in diesem Jahr“, bemerkte Kury beim Rundgang. Will heißen: Die Jury, der er auch selbst neben Museumsleiter Michael Hütt, dem Künstler Emil Kiess, der Kunsthistorikerin Anne Schaich und der Künstlerin Ariane Faller angehörte, haben viele eingereichte Arbeiten ausjuriert.

Weniger ist manchmal mehr

Für die Künstler ist es sicherlich schade, wenn sie manches Exponat nicht in der Ausstellung haben. Aber positiv ausgedrückt heißt das auch: weniger ist manchmal mehr. Das Publikum kann sich auch so ein Bild der Traditionsveranstaltung machen.

Bekannte Künstler mit ungewohnten Herangehensweisen

Doch zuweilen trügt dieses Bild, werden in der Ausstellung traditionelle Sehmuster hinterfragt. Der Hammereisenbacher Holzbildhauer Wolfgang Kleiser, der sonst mit seinen figürlichen Darstellungen im Spannungsfeld christlicher Ikonografie und (zwischen)-menschlicher Befindlichkeiten überzeugt, ist mit abstrakten Stelen vertreten. Und der Dürbheimer Künstler Walter Zepf präsentiert anstatt seiner markanten Drahtknäuel nun lackierte „Sonnenwirbel“ aus gebogenen Lochblechen.

Warmherzig statt scheinheilig

Der Deisslinger Künstler Reinhard Sigle ist in diesem Jahr nicht mit seinen stacheligen Holzobjekten vertreten, sondern mit der vieldeutig zu interpretierenden Arbeit „Warmherzig statt scheinheilig“.

Metallene Schädel blitzen aus einer Spülmaschine hervor: Dieses Exponat stammt von Gastkünstler Lutz Augspurger.
Metallene Schädel blitzen aus einer Spülmaschine hervor: Dieses Exponat stammt von Gastkünstler Lutz Augspurger. | Bild: Stefan Simon

Gleich daneben gibt es in diesem Umfeld wirklich ganz Neues zu entdecken: das Objekt aus metallenen Schädeln in einer Spülmaschine des Gastkünstlers Lutz Augspurger.

Künstlerisches Chamäleon

Auch der Tuttlinger Künstler Hans-Uwe Hähn ist dieses Mal nicht mit seinen bekannten Holzschnitten, sondern mit starken figurativen Malereien auf Kohlepapier dabei. Und der Allgäuer Nikolaus Mohr ist ohnehin aufgrund seiner großen Stilvielfalt als künstlerisches Chamäleon bekannt, das seine eigenen Arbeiten zuweilen nicht mehr erkennt.

Solide Kunstwerke aus Königsfeld

Eindeutig den Urhebern zuzuordnen sind jedoch die soliden Kunstwerke aus der Königsfelder Fraktion. Gotthard Glitsch überzeugt mit aktuellen Radierungen, in denen er poetisch Landschaft interpretiert. Sein Cousin Helfried Günther Glitsch ist mit malerischen De- und Rekonstruktionen vom Brogen und von Burgberg dabei. Und schließlich wird mit einer Malerei der verstorbenen Künstlerin Lore Will gedacht.

Experimentelle Fotos und Blütenblätterbücher

Was gibt es noch zu entdecken? Zum Beispiel die experimentellen Fotos des Rottweilers Fritz Rapp. Ebenfalls aus Rottweil und ebenso überzeugend sind die Arbeiten von Josef Bücheler und Angela Flaig. Im Refektorium schließlich gibt es eine interessante Auseinandersetzung mit den „Blütenblätterbüchern“ und der fünfteiligen Arbeit „Schneeglöckchen“ von Elfi Schmidt.

Besucherinformationen

Die Jahresausstellung des Kunstvereins im Franziskanermuseum wird am 10. November um 11 Uhr eröffnet und ist bis 26. November zu sehen. Öffnungszeiten sind dienstags bis samstags von 13 bis 17 Uhr sowie sonntags von 11 bis 17 Uhr.

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