Zu einem Tourismus-Talk hatte Marcel Klinge, Bundestagsabgeordneter der Freien Demokraten (FDP) im Schwarzwald-Baar-Kreis, in Absprache mit der Stadt Triberg ins Kurhaus der Wasserfallstadt eingeladen – indes mit relativ mäßigem Echo. 

Als „Riesenthema auch in Triberg“ sieht der Abgeordnete den Tourismus, wiewohl sich hier in den letzten Jahren viele Dinge positiv entwickelt hätten. Er selbst sei der Sprecher für Tourismus im Bundestag und sehe, mit wie viel Herzblut in aller Regel die Mehrheit der kleinen bis mittelständischen Betriebe arbeite. Er verstehe nicht, dass sich vieles in Berlin auf die Automobil- und sonstige Schlüssel-Industrien konzentriere, so Klinge. Immerhin stelle der Tourismus den drittgrößten Wirtschaftszweig dar, mit einer sehr hohen Auslastung – das spiele in der Bundespolitik jedoch wohl keine Rolle.

„Wir brauchen für unsere Gastronomie und die Beherbergungsbetriebe mehr Wertschätzung, vor allem im ländlichen Raum“, ist sich Klinge sicher. Drei wesentliche Herausforderungen sieht der Bundestagsabgeordnete: Fehlende Mitarbeiter, eine Bürokratie, die in Summe aller Bereiche enorm sei und die Digitalisierung, vor allem im Bezug auf die Meldescheine.

Um dem Mangel an Arbeitskräften entgegen zu wirken, sieht Klinge eine Arbeitswoche mit maximal 48 Stunden als Möglichkeit an. Diese sollte aber flexibel gehandhabt werden. Zugleich sollte die Minijob-Grenze jährlich angepasst werden an die Lohn- und Gehaltsentwicklungen. Er sprach sich auch dafür aus, geduldeten Asylbewerbern, die Arbeit haben und sich bewähren, im Rahmen des von der FDP propagierten „Spurwechsel“ eine Bleibeperspektive zu geben. Zugleich sollte der beruflichen Ausbildung wieder mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegen gebracht werden.

Nicht immer blieb die folgende Diskussion im Rahmen der Vorgaben. Und zwar hatte einer der Teilnehmer ein Problem mit Vorauszahlungen von Gästen, die nicht abgesichert seien. Zugleich sah dieser auch ein Problem mit Mehrfachbuchungen. „Gäste buchen mehrere Zimmer zugleich und nehmen bei mehreren Zusagen am Ende das Zimmer, das ihnen am meisten zusagt. Die anderen Häuser werden oft nicht mal benachrichtigt“, ärgerte sich der Mann.

Zur angesprochenen Mehrfachbuchung sah Klinge als Liberaler den Staat als falschen Ansprechpartner, zu viel Gängelung halte er für kritisch. Allerdings habe er ein großes Problem darin erkannt, dass acht von zehn Unterkünften nicht online buchbar seien und vielerorts kein Wlan zur Verfügung stehe.

In Berlin regiere zudem die Ahnungslosigkeit, behauptete Klinge weiter. Daher plädiere er für eine Amtszeitverkürzung auf maximal zwei Perioden á fünf Jahren. „Es regiert nicht die Ahnungslosigkeit, sondern die Bösartigkeit“, widersprach Tribergs Bürgermeister Gallus Strobel. Wegen politischer Fehler gehe vieles den Bach runter. „Wir brauchen Flexibilisierung, aber auch Sicherheit. In Berlin geht es der Politik nicht darum, Deutschland voranzubringen“, ereiferte er sich. Man müsse in erster Linie deutschen Arbeitnehmern neue Ausbildungsmöglichkeiten eröffnen. Wenn Branchen sich selbst erledigten, dann brauche man keine Zuwanderung – auch nicht in der Gastronomie.

Klinge hatte noch weitere Ideen zum Talk mitgebracht. So schlug er etwa ein „Midlife-Bafög“ für lebenslanges Lernen vor. Allerdings sei er der Meinung, dass man qualifizierte Zuwanderung durchaus brauche – und im Tourismus gehe es ohne Zuwanderung gar nicht.

Nikolaus Arnold als Stadtmarketing-Manager sah Triberg im Tourismus auf der einen Seite im Vorteil, da man stetig steigende Besucherzahlen erkenne – auf der anderen Seite habe Triberg in den vergangenen Jahren rund 260 Betten verloren. „Busreisende, die ansonsten hier übernachtet haben oder übernachten würden, sind gezwungen weiterzufahren. Das größte Hindernis für den Bau von größeren Einheiten ist dabei die Bürokratie“, betonte er.

Als weiteres Problem sahen andere Teilnehmer die Vielzahl an Bonuskarten im Schwarzwald an. Hier klinkte sich Michael Steiger in die Diskussion ein. Der Inhaber mehrerer Gastronomiebetriebe und zugleich Mitglied des Kreistags informierte darüber, dass der Landkreis an einer Gesamtvermarktung und an einem „Hütten-Konzept“ arbeite, was nicht einfach sei.