Konstanz/Villingen-Schwenningen – Vor dem Landgericht Konstanz ist ein 36 Jahre alter Mann aus VS-Schwenningen zu drei Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden. Damit bestrafte das Gericht Drogenhandel in sechs Fällen und Drogenbesitz in einem Fall. Daneben ordnete man die Einziehung von 46 000 Euro an, wobei es sich um den Erlös aus den Drogengeschäften handelt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der 36-Jährige war im Juni vorigen Jahres im Zusammenhang mit dem Auffliegen einer neunköpfigen mutmaßlichen Drogenbande aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis festgenommen worden. Er bewegte sich im Dunstkreis dieser Gruppierung, war aber nicht als Bandenmitglied angeklagt. Die neun anderen Angeklagten werden sich ab September in einem Mammutprozess unter anderen wegen bandenmäßigen Drogenhandels vor dem Landgericht verantworten müssen.

27 Kilo Marihuana verkauft

Der Mann hatte eingeräumt, insgesamt 27 Kilogramm Marihuana verkauft und 100 Gramm Haschisch besessen zu haben. Der selbst drogenabhängige Angeklagte, der bereits seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft gesessen hat, kam gestern unter Auflagen auf freien Fuß. Er muss nächste Woche eine stationäre Entzugstherapie antreten und bis dahin bei seinem Bruder wohnen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Razzien im vergangenen Sommer

Nach Razzien im Sommer vergangenen Jahres waren im Schwarzwald-Baar-Kreis, in Rottweil, Esslingen und Stuttgart insgesamt 15 Personen verhaftet worden. Es wurden größere Mengen Marihuana und Kokain, etliche Schusswaffen und mehrere 100 000 Euro sichergestellt.

Drogen in Italien beschafft

Die Drogen waren aus Italien eingeschmuggelt worden. Der 36-Jährige berichtete, er habe ab September 2016 bis zu seiner Festnahme im Juni vorigen Jahres an verschiedene Abnehmer Drogen verkauft. Diese seien ihm von seinem damaligen Chef, einem angeklagten Bandenmitglied, auf Kommissionsbasis überlassen worden.

Einen kleinen Teil will er selbst konsumiert haben. Er berichtete, er habe seit vielen Jahren am Feierabend immer kontrolliert gekifft. Nach seiner Scheidung habe sich sein Konsum deutlich gesteigert. In dieser Zeit trat er einen Job als Kellner in einer Pizzeria in Schwenningen an. Der Wirt bekam mit, dass er häufig Gras rauchte. "Eines Tages hat er mich angesprochen, ob ich Interesse an ein paar Kilos hätte", sagte der 36-Jährige gestern aus.

Kiloweise Marihuana geliefert

Ab September 2016 lieferte der Wirt ihm kiloweise Marihuana und einmal auch Haschisch auf Kommission in seine Wohnung. "Seine Quelle kannte ich nicht", behauptete der 36-Jährige. Er verkaufte die Drogen zum Teil kiloweise und führte den Großteil der Einnahmen an den Wirt ab. Gewinne habe er nur bei den Kleinverkäufen gemacht, meinte er.

"Karton Pasta" als Codewort für Haschisch

Ein Polizeibeamter berichtete, wie man auf die Spur des Angeklagten und der mutmaßlichen Bande gekommen war. Wegen der konspirativen Ausdrucksweise habe man bei den Telefonüberwachungen zunächst im Dunklen getappt. Schließlich habe sich herausgestellt, dass eine bestellte Pizza Rucola ein Kilogramm Marihuana bedeutete, ein Karton Pasta ein Kilogramm Haschisch und Parma das Synonym für Kokain war.

Als nächstes wird sich ein 52-jähriger Mann, ebenfalls eine Randfigur der mutmaßlichen Bande, vor der Strafkammer verantworten müssen. Ihm wird der Verkauf von 23 Kilogramm Marihuana vorgeworfen.