Schwarzwald-Baar – Es hat schon eine bald zehnjährige Entstehungsgeschichte hinter sich, es hat etliche politische und organisatorische Hürden genommen, nun sollte dieses Jahr endlich seine konkrete Umsetzung beginnen – doch bislang hängt alles wieder in einer Warteschleife: Für das Naturschutzgroßprojekt (NGP) Baar ist der Start in die Praxis nicht gerade einfach. Momentan offenbar auch deshalb, weil es immer noch keine neue Bundesregierung und keinen offiziellen Bundeshaushalt für 2018 gibt.

Ohne das Geld vom Bund wäre das Großprojekt nicht zu stemmen. Die Ausgaben betragen 8,65 Millionen Euro, von denen 75 Prozent, also knapp 6,5 Millionen Euro, aus Bundesmitteln zu finanzieren sind. Weitere 15 Prozent, konkret 1,3 Millionen Euro, beträgt der Anteil des Landes. Die restlichen zehn Prozent teilen sich die beteiligten Landkreise und Kommunen. Die Förderung soll über zehn Jahre ausgezahlt werden – eigentlich beginnend ab dem 1. Januar 2018, aber der ist bekanntlich nun schon vorbei.

Das dahinter stehende Verfahren ist freilich zeitraubend. Im April vergangenen Jahres hatte der Kreistag dem Vorhaben zugestimmt, dann wurde das Fördergebiet vom Bundesamt für Naturschutz um 250 auf nun rund 4300 Hektar reduziert. Vergangenen Herbst ging der Förderantrag ans Landesumweltministerium, von dort an das Bundesamt für Naturschutz, das den Antrag wiederum an das Bundesumweltministerium weiterreichte – verbunden mit einer positiven Bewertung des Gesamtvorhabens.

„Rückwirkend wird der Bund auch nichts auszahlen“, so Vize-Landrat Joachim Gwinner, aber nach einer Genehmigung verschiebe sich der Förderzeitraum eben entsprechend weiter nach hinten. Derzeit hoffen die Verantwortlichen, dass auf jeden Fall bis zur Sommerpause die ersten praktischen Maßnahmen des bundesweit bedeutsamen Leuchtturmprojekts angepackt werden können. „Wir gehen aber davon aus, dass wir schon in den nächsten vier bis sechs Wochen grünes Licht vom Bundesumweltministerium bekommen“, hofft Gwinner. Vorausgesetzt, es gebe keine Probleme mit dem Bundeshaushalt 2018. Der sei zwar vor der Bundestagswahl im Parlament noch beraten, aber nicht mehr verabschiedet worden.

Die Wartezeit verstreiche aber keinesfalls ungenutzt, betont Gwinner. Die Vorbereitungen liefen auch jetzt schon auf Hochtouren. „Wir stehen Gewehr bei Fuß und können sehr zügig loslegen.“ Projektleiter Thomas Kring stelle derzeit Maßnahmen zusammen, die gleich in Angriff genommen werden könnten. „Das muss zum Beispiel mit den jeweiligen Gemeinden abgestimmt werden“, zum Teil seien auch noch wasserrechtliche und naturschutzrechtliche Genehmigungen einzuholen. „Wir wollen dieses Jahr schon in jeder Gemeinde mit Maßnahmen einsteigen“, so Gwinner.

Kring nennt als Beispiele die Eindämmung der überhandnehmenden Pflanze Riesenbärenklau im Rohrmoos südlich von Königsfeld oder die Wiedervernässung von Moorgebieten im Bereich Birken-Mittelmeß bei Pfohren.

Die Auswahl ist groß: In der ersten Projektphase hatten Fachleute bereits mehr als drei Jahre lang an einem detaillierten Katalog von Teilprojekten gefeilt, die die wertvollen Biotope für Tiere und Pflanzen erhalten, wiederherstellen oder stärken sollen. Dieser Pflege- und Entwicklungsplan (PEPL) fülle 13 Aktenordner, heißt es in einer Übersichtsdarstellung des Großprojekts. Es geht um 17 Fördergebiete, die sich über Teilflächen von Königsfeld, Mönchweiler, Brigachtal, Villingen-Schwenningen, Bad Durrheim, Donaueschingen, Bräunlingen, Hufingen und Blumberg erstrecken, ferner von Geisingen im Kreis Tuttlingen. wwDas Ziel des ganzen Aufwandes: Das Vorhaben soll helfen, Moore, Wäldern, Offenland und Magerrasen auf der Baar besser miteinander zu verzahnen. Denn im Schnittpunkt unterschiedlicher Großräume wie Bodensee, Donau- und Neckarraum hat sich her eine besondere Mischung aus Flora und Fauna etabliert.

Naturschutzgroßprojekte

Insgesamt 77 Naturschutzgroßprojekte wurden in Deutschland seit 1979 in das Förderprogramm Chance.Natur – Bundesförderung Naturschutz aufgenommen. Ziele sind „der Schutz und die langfristige Sicherung national bedeutsamer und repräsentativer Naturräume mit gesamtstaatlicher Bedeutung“, heißt es beim Bundesamt für Naturschutz. Zuschüsse gebe es nur für Gebiete, die im „nationalen und internationalen Interesse für den Naturschutz außerordentlich wertvoll und für den betreffenden Lebensraumtyp in Deutschland besonders charakteristisch und repräsentativ sind.“