Das Echo ist verheerend: Die Ankündigung des Verkehrsverbundes Schwarzwald-Baar (VSB), die Tarife für den Nahverkehr zum 1. August um durchschnittlich knapp 1,8 Prozent zu erhöhen, sorgt in den Sozialen Medien für Unverständnis und großen Unmut. „Da überlegt doch tatsächlich die Doppelstadt, den Klimanotstand ausrufen und erhöht gleichzeitig die Fahrpreise. Der Verkehrsverbund sollte doch eher darüber nachdenken, das Netz so auszubauen, dass mehr Menschen auf den Bus umsteigen“, kommentiert Claudia Geisler. „Anderswo wird es kostenlos“, gibt Torsten Rose zu Bedenken. „So bewegt man niemanden zum Umstieg“, pflichtet Dirk Bechtold bei.

  • Warum werden die Preise erhöht? Die Erhöhung wird vom VSB detailliert begründet: Die Lohnkosten für die Beschäftigten sind um 2,31 Prozent gestiegen, der Dieselpreis um 1,6 Prozent und die Erzeugerpreise zwischen 0,9 und 1,06 Prozent. Durch die Erhöhung soll die Wirtschaftlichkeit des Betriebes gewährleistet werden.
  • Welche Tickets sind betroffen? Die Preise für das Tagesticket Gruppe/Familie, sowie das Klassenticket werden über alle Preisstufen entsprechend erhöht. Ebenso gestaltet es sich bei den Wochen-, Monats- und AboCards. Auch die Einzelfahrscheine ab drei Zonen werden teurer, die Einzelfahrten in den Zonen Eins und Zwei bleiben auf dem bisherigen Niveau. Somit sind vor allem jene betroffen, die Bus und Bahn regelmäßig nutzen, etwa um zur Schule, Hochschule oder Arbeit zu fahren.
  • Warum sind die Preise so hoch? Die beiden plakativsten Beispiele für als zu hoch empfundene Fahrpreise sind die Verbindungen St. Georgen-Villingen und Villingen-Donaueschingen. Die Fahrt mit dem Regionalexpress dauert bei Tempo 140 jeweils gerade einmal acht Minuten – einen Platz suchen und Hinsetzen lohnt sich fast nicht. Der Preis für eine Strecke: 5,20 Euro. Hin und zurück sind es bisher 10,10 Euro. Der Grund hierfür ist der ungünstige Schnitt der VSB-Tarifzonen. Betrachtet man die Karte, so stellt der Fahrgast fest, dass die Schwarzwaldbahn auf beiden Abschnitten drei Tarifzonen touchiert – ohne Halt. An der Entfernung zwischen den Städten, jeweils etwa 15 Kilometer, kann es nicht liegen. Zum Vergleich: Eine Fahrt von Villingen nach Trossingen, ebenfalls über 15 Kilometer, kostet lediglich 2,30 Euro, weil die Fahrt nur durch eine Zone geht.
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  • Proteste kommen im Landratsamt an: Das Thema Ticketpreise war in den vergangenen Monaten immer wieder Thema. Der Kulturverein Not my Limba hatte eine Unterschriftenaktion in VS, Donaueschingen und im Brigachtal gestartet, die großen Anklang bei der Bevölkerung fand. Mehrfach hat Landrat Sven Hinterseh seitdem betont, dass sich an der Gestaltung der Tarife etwas ändern wird. „Ich bin persönlich auch unzufrieden mit den Tarifen“, so Hinterseh beim Sommerpressegespräch am Mittwoch. 2020 solle es eine Klausurtagung des Kreistages zum ÖPNV geben, wo Alternativen besprochen werden sollen. Letztlich, so der Landrat in einem früheren Gespräch mit dem SÜDKURIER, müsse der Nahverkehr so oder so finanziert werden: „Die Frage nach dem richtigen Preis bleibt eine politische Entscheidung.“