Es gibt sie also doch noch: Menschen, die anderen Menschen zuhören. Und wer glaubt, die Ehrenamtlichen sitzen den ganzen Tag vor ihrem Telefon, schlürfen Kaffee und warten auf einen Anruf, der nie kommt, der irrt. 11 467 Anrufe in 365 Tagen. Das sind im Durchschnitt 31 bis 32 Telefonate pro Tag, bei denen sich die Telefonseelsorger Probleme und Nöte anhören und sich in die Situation des Gesprächspartners hineinversetzen müssen. Hinzu kommt der Schriftverkehr per Email.

Das ist kein einfacher, aber ein umso wichtiger Einsatz. Gerade in einer Zeit, in der sich die Menschen immer öfter nur noch um sich selbst, bestenfalls noch um die Familie, und den engsten Freundeskreis zu kümmern scheinen.

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Stattdessen stehen – oder besser gesagt sitzen hier 50 ehrenamtliche Helfer bereit, diesem Trend zu widersprechen und sich Tag und Nacht für ihre Mitmenschen zu interessieren. Es ist angesichts der enormen Verantwortung, die sich die Telefonseelsorger auferlegen, erstaunlich, dass sich so viele zuhörwillige Personen finden. Andere Ehrenämter – etwa im Vorstand von Vereinen – sind da oftmals schwerer zu besetzen.

Es wird wohl kaum darin liegen, dass das Ehrenamt am Telefon so viel leichter zu bewältigen ist. Warum also diese Diskrepanz? Vielleicht liegt es einfach daran, dass es bei der Telefonseelsorge um menschliche Schicksale geht, um hilfsbedürftige Menschen, die sich von der Gesellschaft ansonsten nicht gehört fühlen. Diese Art von Einsatzbereitschaft zieht eine besondere Art von Mensch an, von der es gar nicht genug geben kann.