Der Schwarzwald ist nicht nur „Bollenhut und Tannenbaum“, sondern hat als bedeutsamer Standort für Industrie besondere Herausforderungen zu meistern. Das geht aus einer neuen Studie zum Thema „Industriestandort Schwarzwald 2030“ hervor, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) gemeinsam mit der Universität St.Gallen erarbeitet hat und die am Freitag in Schramberg vorgestellt wurde. In den Blick genommen wurde der Schwarzwald-Bereich des IHK-Bezirks, also die westlichen Teile der Landkreise Schwarzwald-Baar und Rottweil.

Dass man dabei nicht alle Kommunen über einen Kamm scheren könne, betonte IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez. „Gemeinden wie Schonach haben andere Probleme als Villingen-Schwenningen oder Rottweil.“ Die Kommunen, die näher an den großen Verkehrsachsen lägen, hätten es leichter. „Deshalb müssen wir die Infrastruktur in Gang halten.“

Dazu gehört für den Geschäftsführer der Schramberger Uhrenfabrik Junghans, Matthias Stotz, insbesondere auch die Anbindung an das Mobilfunknetz und an das schnelle Internet. „Es kann nicht ein, dass unsere Gäste aus Asien zu Hause Videokonferenzen von der U-Bahn aus abhalten können und wir von einem Funkloch ins andere geraten“, kritisierte er.

Der Landrat des Kreises Rottweil, Wolf-Rüdiger Michel, betonte, der Kreis habe den Ausbau des schnellen Internets mit der Telekom vorangetrieben. Etwa 80 Prozent der Haushalte und Betriebe hätten inzwischen Übertragungsgeschwindigkeiten bis zu 100 Megabit pro Sekunde zur Verfügung. „Aber wir dürfen nicht stehen bleiben. Wir wollen am Ende Glasfaser bis in jedes Haus.“ Der Kreistag habe beschlossen, alle Schulen, deren Schulträger dies wünschten, ans Glasfasernetz anzuschließen.

Schrambergs Oberbürgermeister Thomas Herzog bestätigte die Funklochprobleme: „Wir brauchen ein flächendeckendes Mobilfunknetz.“

Die Unternehmerbefragung habe als Quintessenz ergeben, dass die Bereiche Industrie, Tourismus und Wohnen stärker miteinander verzahnt werden sollten, erläuterte IHK-Hauptgeschäftsführer Albiez. Ein Beispiel: Wie können Ferien-Gäste dazu gebracht werden, auf Dauer hier zu bleiben? Unternehmen und Kommunen sollten mit Wohnen und Familienfreundlichkeit punkten. „Das Gute, was man tut, sollte man auch herausstellen“, findet Hilsenbek.

Die Wohnqualität werde für die Menschen immer bedeutsamer, ist Albiez überzeugt. „Geld allein zieht nicht mehr.“ Auch die Nahversorgung, die medizinische Betreuung und das Schulwesen seien wichtig, wenn die Betriebe Fachkräfte gewinnen und halten wollen.

Als Beispiele für eine gelungene Vernetzung der drei Bereiche nannte Hilsenbek die Schramberger Jobkarte. Angeregt von der Magnetfabrik Schramberg bekommen deren Mitarbeiter steuer- und sozialabgabenfreie Bonuszahlungen auf einer Karte gut geschrieben, die sie in Mitgliedsgeschäften des Schramberger Handels- und Gewerbevereins einlösen können. So wird der örtliche Handel gestärkt, die Innenstadt belebt und für Touristen attraktiver. Ein anderes Beispiel nannte er aus dem Raum Furtwangen. Dort steigen Firmen in den Wohnungsbau für ihre Mitarbeiter ein.

Und schließlich, so Hilsenbek, untersuchten die Fachleute im Schwarzwald-Baar-Kreis im Rahmen der Tourismuskonzeption, welchen Bedarf die Unternehmen an Übernachtungsbetten in den örtlichen Hotels haben.

Unter dem Titel „Attacke Schwarzwald“ hat sich die IHK vorgenommen, mehr Veranstaltungen im Schwarzwald-Bereich des IHK-Gebietes abzuhalten. Sie will damit auch „mehr Politiker aus Bund und Land holen, um den Schwarzwald zu thematisieren“, kündigte Albiez an.