Die Zahl der Empfänger von „Alters-Hartz-IV“ im Schwarzwald-Baar-Kreis ist innerhalb von zehn Jahren um 45 Prozent gestiegen. Gab es im Landkreis 2008 noch 1368 Bezieher von Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung, so waren es im vergangenen Jahr bereits 1980. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Die NGG beruft sich hierbei auf Angaben des Statistischen Landesamtes. Demnach erhielten in ganz Baden-Württemberg zuletzt nahezu 100 000 Rentner Grundsicherung, 36 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.

Das könnte Sie auch interessieren

Viele Menschen schämen sich vor dem Gang zum Amt

Claus-Peter Wolf, der Geschäftsführer der NGG-Region Baden-Württemberg-Süd, sieht den Trend mit Sorge. Er fordert eine rentenpolitische Kurskorrektur. Insbesondere die von der Bundesregierung angekündigte Grundrente müsse rasch angepackt werden, um ein Ausufern der Altersarmut zu verhindern. „Die amtlichen Zahlen zeigen nur die Spitze des Eisbergs. Denn sehr viele Menschen, die wegen Mini-Renten eigentlich einen Anspruch auf die Grundsicherung haben, schrecken aus Scham vor einem Antrag zurück“, sagt Wolf.

Das könnte Sie auch interessieren

Niedrige Einkommen, keine Tarifverträge und Minijobs fördern die Armut im Alter

So sind nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bundesweit aktuell bereits 16,8 Prozent der Rentner von Armut bedroht. Ohne die Einführung einer Grundrente könnte das Armutsrisiko laut DIW bis zum Jahr 2039 auf 21,6 Prozent steigen – selbst bei einer weiterhin positiven Konjunkturentwicklung.

Ein Antrag auf Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts. Viele Menschen schämen sich vor dem Gang zum Amt und kommen so nicht an Gelder, die ihnen eigentlich zustünden.
Ein Antrag auf Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts. Viele Menschen schämen sich vor dem Gang zum Amt und kommen so nicht an Gelder, die ihnen eigentlich zustünden. | Bild: Rodgers, Kevin

„Eine entscheidende Ursache für dürftige Renten sind niedrige Einkommen. Auch wer Jahrzehnte in einer Bäckerei oder einem Restaurant gearbeitet hat, landet im Alter oft unter der Armutsschwelle. Das liegt auch an der Praxis vieler Unternehmen, aus Tarifverträgen auszusteigen und so die Löhne zu drücken. Hinzu kommt der Trend zu Teilzeit und Minijobs“, erklärt Gewerkschafter Wolf seine Position.