Die Jugend- und Sozialarbeiter im Landkreis sehen sich immer wieder mit politischem Extremismus konfrontiert und haben es dabei sowohl mit Opfern wie auch mit Tätern zu tun. Doch wie direkt sollen sie mit diesem Problem umgehen? In Zusammenarbeit mit dem Demokratiezentrum Baden-Württemberg hat das Landratsamt am Donnerstag einen Fachtag zu diesem Thema veranstaltet.

Rund 80 Teilnehmer aus Jugend- und Sozialarbeit, Flüchtlingshilfe, Polizei und islamischen Gemeinden informierten sich über die Angebote des Demokratiezentrums und Beispiele aus den Nachbarkreisen.

Für Günter Bressau, Leiter des Demokratiezentrums, war es klar, dass „Extremismus ein Thema der Jugendarbeit“ sein muss. Denn gerade bei Jugendlichen, bei denen oft noch kein gefestigtes Weltbild vorliege, gebe es Möglichkeiten, sie „auf einen besseren Weg zu bringen.“

Im vergangenen Jahr habe es in der Region eine Anzahl von Ereignissen gegeben, die in der Tendenz dem Rechtsextremismus zugeordnet werden könnten. Die Gründung eines Freikorps in der Region, aggressiver werdende Demonstrationen des regionalen Pegida-Ablegers SBH-Gida, Demonstrationen vor Erstaufnahmeeinrichtungen „mit erkennbaren rechtsextremen Hintergründen“ und Aktionen der „extrem rechten Kleinstpartei“ Der Dritte Weg seien „Puzzlestücke, die sich in der Öffentlichkeit wiederfinden.“ Dem möchte das Demokratiezentrum entgegenwirken. Lokale Akteure sollen unterstützt, regionale Strukturen gestärkt und Engagement gefördert werden.

Kaum thematisiert wurde linker Extremismus. Zum einen trete dieser in Baden-Württemberg nur vergleichsweise gering in Erscheinung. Zum anderen seien Linksextremisten nicht so stark vernetzt wie das rechte Spektrum. Aktionen gingen von einzelnen Gruppen aus oder seien spontan. Bressau betonte aber, dass das Demokratiezentrum auch für solche Fälle zuständig sei.

Eine der großen Gefahren im Bereich religiös motiviertem Extremismus finde sich bei Salafisten, erläuterte Jens Ostwaldt, der die Fachstelle Prävention beim Demokratiezentrum leitet. „Der Salafismus propagiert ein sehr einfaches Weltbild“, sagte Ostwaldt. Das sei für Jugendliche auf der Suche nach Antworten interessant. Ziel sei es daher, selbstständig arbeitende Anlaufstellen in den Regionen einzurichten. Diese sollen ein Netzwerk mit Moscheen, Jugendsozialarbeit und gesellschaftlichen und staatlichen Trägern aufbauen, eigene Angebote zur Prävention entwickeln und dabei vom Demokratiezentrum unterstützt werden.

Ein solches kreisübergreifendes Netzwerk gibt es im Süden bereits mit dem Bodensee-Hochrheinbündnis, das Stefan Gebauer, Kreisjugendreferent und Leiter der Beratungsstelle im Landkreis Konstanz, vorstellte. „Extremisten machen keinen Halt vor der Kreisgrenze“, sagte er. Man berate Gemeinden, Schulen oder auch einzelne Bürger und veranstalte Treffen, Fachtage und Workshops.

Demokratiezentrum

Das Demokratiezentrum Baden-Württemberg ist Anlaufstelle für Fragen, Unterstützung und Beratung im Bereich Extremismus. Bei rechtsextremen Vorfällen stehen die Jugendstiftung BW und die Landesarbeitsgemeinschaft Offene Jugendbildung zur Verfügung. Sie arbeiten mit regionalen Beratungsstellen zusammen. (tol)

Informationen im Internet: www.demokratiezentrum-bw.de