Seit 1. August ist der gebürtige Waldshuter Holger Bannasch der neue Direktor der Klinik für Plastische-, Hand- und Ästhetische Chirurgie am Schwarzwald-Baar Klinikum in Villingen-Schwenningen. Der 48-Jährige kommt von der Uniklinik Freiburg, wo er seit 2004 an verschiedenen Stellen leitende oberärztliche Positionen innehatte. Studiert hat er im hessischen Marburg und in Freiburg. Promoviert hat er zum Thema Gewebeersatzforschung. "Sie kennen alle das Foto von der Maus, der ein menschliches Ohr auf dem Rücken wächst", erklärt Holger Bannasch die Thematik an einem anschaulichen Beispiel. Dieses Verfahren habe sich in der Praxis jedoch kaum bewährt.

Handchirurgie steht im Vordergrund

Die Aufgaben an seinem neuen Arbeitsplatz im VS-Klinikum seinen vielfältig, sagt Holger Bannasch. Im Vordergrund stehen die Hand- und die Plastische Chirurgie. "Mein Beruf ist in gewisserweise ein klassisches Handwerk", so Bannasch. "Die Plastische Chirurgie ist die Widerherstellung von Form und Funktion der Körperoberfläche." Grund für die Eingriffe können Erkrankungen, Tumore oder Fehlbildungen sein. Aber auch die Ästhetik spielt bei den Eingriffen immer eine Rolle. Wenn sie im Vordergrund steht, handelt es sich um Schönheitsoperationen.

Schönheits-OPs sind keine Guru-Medizin

Genau trennen lässt sich die Chirurgie aus rein ästhetischen Gründen nicht. "Unser Versorgungsauftrag ist primär die Rekonstruktion aus medizinischen Gründen. Der Körper muss nach dem Eingriff wieder gut funktionieren und natürlich dann auch gut aussehen", so Bannasch. Er möchte nicht, dass die Ästhetische Chirurgie in eine Schmuddelecke gestellt wird. "Schönheitschirurgie ist keine Guru-Medizin. Das eine ist Pflicht, das andere dann die Kür." Deshalb möchte Bannasch auch künftig ein schönheitschirurgisches Angebot am Klinikum anbieten. Bedarf sei gegeben.

Mit dem Skateboard den Schauinsland hinunter

Dass seine Chirurgie nichts mit den gängigen Klischees zu tun hat, erklärt Holger Bannasch an mehreren Beispielen. Häufig seien Hautturmore an Nase und Ohren aufgrund von starker Sonneneinstrahlung. Dann müssen die Organe rekonstruiert werden. Klassische Arbeitsunfälle seien seit Jahren rückläufig. "70 Prozent der Arbeitsunfälle haben mit den Händen zu tun. Da geht es um die Rekonstruktion von Fingern mit mikrochirurgischen Eingriffen." Viele Patienten kämen aus der Land- und Forstwirtschaft, aber auch Hobbybastler und zunehmend auch Menschen, die exotische Sportarten ausprobieren. "Das Thema E-Bike spielt da eine Rolle, aber auch Mountainbiker und Leute, die auf dem Skateboard den Schauinsland hinunterrasen." Langweilig wurde es ihm nach eigenen Angaben noch nie.

Kosmetische Eingriffe haben meist einen Nutzen

Aber auch Operationen, die auf den ersten Blick als rein kosmetische Eingriffe daherkommen, haben oft einen medizinischen Nutzen. Einer von Bannaschs Schwerpunkten ist die sogenannte Postbariatrische Chrirurgie. Hier wird der Körper von Menschen rekonstruiert, die zum Beispiel in kurzer Zeit sehr viel Gewicht verloren haben. "Nehmen Sie eine Bauchdeckenstraffung bei einer Frau, die drei Kinder geboren hat", erklärt Bannasch. Dort helfe kein Fitnessstudio weiter, weil die Muskulatur schlicht zerrissen sei. Oft stehen Personen deshalb unter enormem psychischen Druck, weil der eigene Körper nicht mehr ansehnlich wirkt. Hier komme ein Eingriff in Frage. "Wenn die Frau nach dem Eingriff wieder gerne ins Freibad geht, dann ist das für mich auch ein hilfreicher Eingriff."

Arbeit am Standort Donaueschingen

Holger Bannasch wird künftig im Donaueschinger Klinikum arbeiten und dort seiner Klinik vorstehen, die mit zwölf Ärzten und 30 Betten relativ klein ist. Das liege jedoch auch daran, dass viele Eingriffe ambulant vorgenommen werden und die Verweildauer auf der Station in der Regel nur wenige Tage betrage, erklärt Klinik-Geschäftsführer Matthias Geiser. Holger Bannasch ist derweil noch voll damit beschäftigt, sich in seinem neuem Job einzuleben. Er sei sehr herzlich in ein tolles Team aufgenommen worden, freut sich der Vater dreier Töchter, der zurzeit noch im Personalwohnheim wohnt und für seine fünfköpfige Familie nach einer Bleibe sucht.