Bernhard Bolkart macht sich Sorgen. Der Vizepräsident Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) steht auf einer Anhöhe über Schonach und blickt hinab auf seine Ländereien. Viel Wald und Weideland gehört dazu. Dort, wo das dunkle Grün der Weißtannen eigentlich in das saftige Hellgrün der Wiesen übergehen sollte, klaffen derzeit gelbe und braune Lücken. Die Dürre des diesjährigen Sommers – bei Bernhard Bolkart in Schonach ist sie unübersehbar.

Zu warm und zu trocken

Über die Weiden fegt ein kräftiger, warmer Wind. "Der Wind wirkt auf den Wiesen wie ein großer Föhn", erklärt Bolkart. Nach einer guten ersten Mahd hat die Trockenheit den Weiden zugesetzt. Das Gras ist nicht nur niedriger als normal, sondern auch deutlich dünner. Hier noch zu Mähen würde sich nicht mehr lohnen. "Ich lasse die Kühe noch mal zum Grasen drauf. Aber viel ist es nicht, was die Tiere dort finden." 2018 sei viel zu warm und zu trocken gewesen. "Wir bräuchten jetzt erst einmal zehn Tage Landregen. 50 bis 70 Liter auf den Quadratmeter wären ein guter Anfang." Der Boden ist ausgetrocknet. Kleine Quellen sind bereits versiegt, auch das kleine Bächlein vor Bolkarts Hof liegt mittlerweile trocken.

Das Gras auf den Schwarzwaldweiden ist in diesem Sommer sehr dünn und kurz. Die Rinder finden nur wenig nahrhafte Pflanzen, ihr Gewicht wird im Herbst niedriger sein als in den Vorjahren und ihren Besitzern beim Verkauf weniger Ertrag bringen. Bleibt der Regen aus, müssen die Bauern zufüttern. Normalerweise ist das erst ab November notwendig.
Das Gras auf den Schwarzwaldweiden ist in diesem Sommer sehr dünn und kurz. Die Rinder finden nur wenig nahrhafte Pflanzen, ihr Gewicht wird im Herbst niedriger sein als in den Vorjahren und ihren Besitzern beim Verkauf weniger Ertrag bringen. Bleibt der Regen aus, müssen die Bauern zufüttern. Normalerweise ist das erst ab November notwendig. | Bild: Rodgers, Kevin

Ähnlich ernst, wenn auch weniger sichtbar, geht es im Wald zu. Vereinzelt ragen braune Bäume aus dem typischen Schwarzwaldgrün heraus. Es sind entweder Laubbäume, die im Hitzestress ihre Blätter fallen lassen oder Fichten, die dem Käfer zum Opfer gefallen sind. Auch langfristig wird sich der Wald durch den Klimawandel verändern. "Ursprünglich dachten die Bauern, dass die Fichte sehr robust ist. Dem ist aber gar nicht so. Kiefern und Fichten leiden extrem unter der Trockenheit", erklärt Bolkart. Seine Weißtannen seien widerstandsfähiger, weil die Pfahlwurzeln der Tannen tief ins Erdreich gehen. Fichten und Kiefern bilden flache Wurzeln, die schneller auf dem Trockenen sitzen.

Der Klimawandel wird sichtbar

Für Bernhard Bolkart, der als Landwirt das Wetter seit fast einem halben Jahrhundert beobachtet, ist der Klimawandel eine unumstößliche Tatsache. "Die Wachstumsphase fängt einige Wochen früher an und die Kühe sind bis November auf der Weide. Vor ein paar Jahrzehnten waren der April und der November noch Wintermonate", stellt Bolkart fest. Auch die Heuernte sei meist im August schon abgeschlossen. Früher ging sie bis in den Oktober. Allerdings müsse man genau differenzieren. "Es ist lokal extrem unterschiedlich. Wenn es in Donaueschingen noch gut aussieht, kann es in Bräunlingen schon viel zu trocken sein", erklärt Bernhard Bolkart. Vor allem die lokal niedergehenden Gewitter seien schwer vorherzusehen.

Bernhard Bolkart erklärt die Konsequenzen der Dürre anhand seiner Ländereien. Die Weiden sind verdorrt, seine Kühe finden dort keine Nahrung mehr. Auch dem Wald tut die Hitze nicht gut. Die Bäume werden geschwächt und können kein Harz bilden. Dadurch werden sie anfälliger für Buchdrucker und Kupferstecher, zwei holzfressende Käfer.
Bernhard Bolkart erklärt die Konsequenzen der Dürre anhand seiner Ländereien. Die Weiden sind verdorrt, seine Kühe finden dort keine Nahrung mehr. Auch dem Wald tut die Hitze nicht gut. Die Bäume werden geschwächt und können kein Harz bilden. Dadurch werden sie anfälliger für Buchdrucker und Kupferstecher, zwei holzfressende Käfer. | Bild: Rodgers, Kevin

Nicht alle Pflanzen wachsen schlecht

Außerdem sehe es nicht in allen Bereichen der Landwirtschaft schlecht aus. "Beim Raps ist der Ertrag im Rahmen, beim Weizen sogar eher gut. Aber vor allem das Weideland leidet unter der Trockenheit." Die Dürre wird sich am Ende des Jahres auch finanziell bemerkbar machen. "Milchkühe geben weniger Milch, Rinder setzen nicht so viel Gewicht an", so Bolkart. Außerdem müsse er, wenn es schlecht läuft, demnächst anfangen, seine Kühe mit dem Heu zu füttern, das er eigentlich für den Winter auf Vorrat hält. In der Regel werde erst ab November zugefüttert.

Landratsamt verbietet Bewässerung

Unterdessen hat das Landratsamt mit Blick auf die niedrigen Pegel der Gewässer das Abzweigen von Wasser für die Bewässerung per Anordnung untersagt. Bis Ende August darf kein Wasser mehr aus Seen und Bachläufen genommen werden. Das Verbot trifft vor allem Landwirte und auch den Forst. So ist das Beregnen von Nassholz, wie es zum Beispiel seit Monaten im Wieselsbachtal südwestlich von Villingen-Schwenningen der Fall ist. Allerdings würden die wenigsten Bauern ihre Felder bewässern, Bolkart. Bewässern komme für ihn nicht in Frage. "Eine Bewässerung wäre angesichts der benötigten Mengen und den großen Flächen logistisch nicht umsetzbar." Bernhard Bolkart bleibt nichts anderes übrig, als auf den langersehnten Regen zu hoffen.