Die Polizeibeamten in Baden-Württemberg sorgen rund um die Uhr für Schutz und Sicherheit der Bürger im Land. Um dabei auf potenzielle Terror-, Amok- und andere Bedrohungslagen schnell und effektiv reagieren zu können, aber auch um sich selbst gegen die zunehmende Gewalt gegen Polizeibeamte zu schützen, sind die Ordnungshüter mit einer Vielzahl von Hilfsmitteln ausgerüstet. Das Polizeipräsidium Tuttlingen gibt einen Einblick, wie sich polizeiliche Einsatzkräfte schützen.

Die Gründe für die Zunahme von Gewalt gegen Polizisten, aber auch andere Einsatzkräfte wie Mitarbeiter von Rettungsdiensten und Feuerwehr, sehen Dieter Popp, Pressesprecher der Polizei in Tuttlingen, und Einsatztrainer Ralf Caputo in einer "sich verändernden Mentalität. Aber auch Erziehung, und Mobilität, die zu einer gewissen Anonymität führt, führt zu abnehmendem Respekt gegenüber Amtspersonen." Auch die Menschen, die durch Zuwanderung hierher kommen, verhalten sich gegenüber der Polizei keineswegs immer respektvoll.

Um sich gegen die jederzeit mögliche Gefahr eines tätlichen Angriffs zu schützen, hat sich das äußere Erscheinungsbild der uniformierten Polizisten verändert. "Noch vor etwa zehn Jahren haben Polizeibeamte den normalen Streifendienst ohne ballistische Schutzweste verrichtet", sagt Popp. Nur im Bedarfsfall wurden die ballistischen Westen – andere Ausdrücke sind kugelsichere oder schusssichere Westen – angelegt.

Das ist heute kaum vorstellbar. Inzwischen gehört eine individuell auf den Beamten angepasste ballistische Schutzweste zum festen Bestandteil der Uniform, die ihn gegen Schuss- und auch Stichverletzungen schützt. Und ohne diese geht heute praktisch kein Beamter mehr in den operativen Dienst, also raus auf die Straße und zu Einsätzen.

Neben der Alltagsschutzausrüstung hat die Polizei auch eine Zusatzausrüstung für besondere Ereignisse, beispielsweise Terror- oder Amoklagen. Auch hier reagiert die Polizei auf sich verändernde Situationen. Aus Anschlägen wie in Paris oder Amokläufen wie in Winnenden und Erfurt lernt die Polizei, sich noch besser zu schützen. "Früher war diese spezielle Schutzausrüstung auf dem Revier hinterlegt. Heute sind alle Dienstfahrzeuge mit der Zusatzausrüstung ausgestattet, damit die Beamten, die als Erstes am Einsatzort eintreffen, sofort handeln können."

  • Helm und Maschinenpistole: Zur speziellen Zusatzausrüstung gehört unter anderem ein besonderer Schutzhelm, der schlimmstenfalls auch Kugeln aus Kriegswaffen Paroli bieten soll. Dazu kommt weitere kugelsichere Schutzkleidung, die als Überwurf aus mehreren Platten über den bisherigen Schutzwesten getragen werden kann. Und eine neue Maschinenpistole ist nun verfügbar: Hier löste inzwischen die MP7 des Oberndorfer Waffenherstellers Heckler & Koch die bislang verwendete MP5 ab. Die neue Waffe zeichnet sich durch eine kompaktere Bauweise und einer stärkeren Durchschlagskraft und besserer Zielwirkung aus, vergleichbar mit einem Sturmgewehr. Dies soll den Polizeieinsatzkräften entscheidende Vorteile bei der gezielten Intervention aus der Distanz gegen schwer bewaffnete, terroristische Gewalttäter bieten.
    Grundsätzlich können sich Polizeibeamte gegen mögliche Angriffe des polizeilichen Gegenübers erst einmal selbst verteidigen. Dazu werden die Beamten in regelmäßigen Einsatztrainings geschult.
  • Grifftechniken: "Die meisten Einsätze werden händisch geregelt", sagt Einsatztrainer Ralf Caputo, der die Polizisten des Präsidiumsbereichs schult. Dabei lernen diese, wie sie sich mit einfachen, aber wirkungsvollen Griff- und Festnahmetechniken selbst verteidigen.
  • Einsatzstock: Reichen die Grifftechniken nicht aus, um eine Situation unter Kontrolle zu bekommen, können die Beamten einen Einsatzstock anwenden. Dieser ist ausziehbar und wird am Waffengürtel getragen.
  • Reizgas: Ein weiteres Einsatzmittel ist Reizgas, mit dem besonders renitente Angreifer mit einem gezielten Sprühstoß außer Gefecht gesetzt werden. Um größere Gruppen zu trennen, haben die Beamten das Reizgas zudem in größerer Menge einsatzbereit.
  • Schusswaffe: Das letzte Mittel, um sich zu verteidigen, ist die Schusswaffe. Diese tragen die Beamten in einem Halfter mit spezieller Schutzvorrichtung, die gegen die unbefugte Entnahme gesichert ist.

Die Verwendung der Einsatzmittel ist durch das Polizeigesetz geregelt. "Deren Einsatz muss immer der Verhältnismäßigkeit angepasst sein", unterstreicht Polizeihauptmeister Caputo.

 

Gefahren

Laut Kriminalitätsstatistik steigt die Gewaltbereitschaft gegen Polizisten seit 2009 an. So wurden 2014 im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Tuttlingen, zu dem rund 1500 Polizeibeamte gehören, 64 Fälle registriert. 2015 waren es bereits 176 und in 2016 187 Fälle. In 2017 sank die Zahl leicht auf 174 Fälle. (spr)