Wie in jedem Jahr beteiligen sich Ralf und Ellen Claaßen von der Villinger Vogelstation ehrenamtlich als Streckenwarte an der jährlichen Kröten- und Amphibiensammlung im Landkreis, um die Tiere sicher über die Verkehrswege zu bringen. Sie betreuen die Strecke in Richtung VS-Rietheim. „Es gibt verschiedene Bereiche, Tag- und Abendstrecken“, erklären die Naturschützer. Das hänge von der jeweiligen Landschaft ab. Die Zeiten würden sich von Strecke zu Strecke unterscheiden. Insgesamt sieben freiwillige Helfer teilen sich die Aufgaben im Bereich bei Rietheim auf. Wer in diesem Jahr was und an welchem Tag macht, sei bereits geklärt. Nicht so gut sehe es laut den Claaßens auf anderen Strecken im Kreisgebiet aus. Vielerorts würden noch Freiwillige gesucht, die an einem Tag in der Woche einen Abschnitt übernehmen können.

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Helfer gesucht: Das Problem sei, dass freiwillige Helfer häufig nach einem Jahr wieder aufhören, oder altersbedingt ihr Engagement irgendwann beenden. Nachrücker sind nur schwer zu finden. „Ich habe seit Ende letzten Jahres bis heute 200 Leute angeschrieben, per Email und über Soziale Netzwerke“, erzählt Ellen Claaßen. Der Erfolg ihrer Suche war jedoch ernüchternd. Dabei sei der Aufwand für Helfer überschaubar und man könne mit geringem Aufwand viel für den Naturschutz tun. „Wir hören oft, dass Menschen die Amphibien als glitschig beschreiben“, so die Naturschützerin. Das sei aber nicht der Fall. Wer sich dennoch ekle, die Amphibien zu berühren, könne natürlich auch Handschuhe tragen.

Prachtexemplar: Erdkröten sind häufig in den Sammeleimern anzutreffen.
Prachtexemplar: Erdkröten sind häufig in den Sammeleimern anzutreffen. | Bild: Ralf Claaßen

Aufgaben: Die Helfer bekommen einen Wochentag zugeteilt. An diesem Tag sind sie dann für die Zeit der Wanderung dafür verantwortlich, die Strecke zu einer bestimmten Zeit abzugehen und Amphibien, die auf ihrer Wanderung in Richtung der Gewässer in den Sammeleimern gestrandet sind, sicher über die Straßen zu bringen. Meist seien die Strecken kurze Abschnitte von maximal eineinhalb Kilometern. Das könne man meist in einer Stunde schaffen. Eine weitere wichtige Aufgabe für den Naturschutz ist die Dokumentation der Sammlung. „Nach jeder Tour sollten Helfer ihre Funde dokumentieren. Wichtig dabei ist die Art und die Anzahl der gefundenen Tiere. „An manchen Tagen gibt es nicht viel zu tun. Dann sind kaum oder keine Amphibien in den Eimern“, weiß Ellen Claaßen aus Erfahrung. Eine Frau aus Hüfingen habe jedoch einmal 90 Tiere auf einmal gefunden.

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Amphibienwanderung: Wenn der Winter weiterhin ohne Kraft daherkommt und die Temperaturen im Februar mild sind, könnte die Wanderung der Amphibien bereits Ende Februar beginnen. Normalerweise falle der Startschuss erst im März. Ab dann dauert die Wanderung insgesamt rund zehn Wochen. Zuerst sind die Tiere von den Wäldern und Wiesen in Richtung der Gewässer unterwegs, ehe sich die Marschrichtung in der zweiten Hälfte langsam umkehrt und die Frösche, Kröten und Molche zurückwandern. „Bei uns sind vorwiegend Erdkröten und Grasfrösche unterwegs. Aber auch Berg- und Fadenmolche sowie Eidechsen landen immer wieder in den Sammelstellen“, erklären die Claaßens.

Diesem Bergmolch haben die Helfer im letzten Jahr über die Straße geholfen.
Diesem Bergmolch haben die Helfer im letzten Jahr über die Straße geholfen. | Bild: Ralf Claaßen

Mitmachen: Wer sich engagieren möchte, kann sich direkt an die Villinger Vogelstation von Ellen und Ralf Claaßen wenden. Sie sammeln die Kontaktdaten der freiwilligen Helfer und leiten diese gesammelt an die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises weiter, die den Amphibienschutz federführend koordiniert. Die Vogelstation ist unter der Telefonnummer 07721/73925 erreichbar. Das Landratsamt organisiert im Vorfeld der Sammelaktion das Aufstellen der Fangzäune. In den letzten Jahren wurden Freiwillige auch mit einem Starterset ausgerüstet, mit Handschuhen und einer Warnweste. Gratis ist auch die Bewegung an der frischen Luft. Das ist gesund und bringt den Kreislauf in Schwung. Helfer müssen sich jedoch im klaren sein, dass man auch bei schlechtem Wetter raus muss.

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Unterbesetzte Strecken: Zwar sind für die Strecke in Rietheim bereits genügend Helfer gefunden, doch anderenorts fehlen noch Unterstützer, so zum Beispiel für die Strecken zwischen Königsfeld und Hardt, beim Ortsausgang Bad Dürrheim in Richtung Hochemmingen, im Brigachtal oder in Unterkirnach. Helfer werden immer gesucht, auch abseits der als Beispiel aufgezählten Bereich. Die Claaßens wünschen sich daher, dass sich möglichst viele Menschen melden, aus allen Gebieten im Kreis. Immerhin müssten über 50 Kilometer Strecke in der Region abgedeckt werden. Und eine Bitte an die Autofahrer haben sie auch noch: „Bitte bremst nicht nur für die Kröten, sondern auch für die Helfer.“