Hat das Handwerk ein Imageproblem? Wenn es tatsächlich stimmt, dass Handwerksberufe den Schülern in den Schulen madig gemacht werden, dann ist das ein Zustand, der dringend abgestellt gehört. Frisöre, Bäcker, Metzger, die Baubranche – das Handwerk wird immer gebraucht. Es stimmt schon, die Arbeit im Handwerk ist ehrlich und hart. Ein Schreiner muss abends nicht noch ins Fitnessstudio, um sich auszupowern. Umgekehrt werden in vielen Handwerksberufen durch den Fachkräftemangel inzwischen hohe Gehälter gezahlt.

Gleichzeitig gibt es immer noch Auswüchse einer Mentalität des Geizes, die vielen Betrieben zu schaffen machen. Wenn der Haarschnitt möglichst wenig kosten darf, die Wurst beim Discounter gekauft und Brötchen für wenige Cent im Backshop und nicht mehr beim Bäcker gekauft werden, dann geht das zulasten der traditionellen Betriebe. Hier kann auch der Verbraucher ein Zeichen setzen.

Wahr ist aber auch: Eine Ausbildung kann man als junger Mensch heutzutage nur noch antreten, wenn man durch ein Zimmer im Elternhaus quersubventioniert wird. Mit einigen Hundert Euro Bruttogehalt kommt man nicht besonders weit, wenn man eine kleine Bude und ein Monatsticket bezahlen muss. Ja, Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Aber wenn das Handwerk wirklich gut qualifizierte Arbeitskräfte möchte, dann müssen die Betriebe den Azubis auskömmliche Gehälter bezahlen. Es ist wie immer in der Marktwirtschaft: Wer Erfolg haben möchte, braucht ein attraktives Angebot, für das sich die Leute interessieren.