Das wird ein Fest. Vor allem: Die Feier bekommt auf Wunsch des Jubilars eine akzentuiert christliche Note, so wie es dem C der Partei entspricht: Erwin Teufel wird am 4. September 80 Jahre alt und die Christdemokratische Union des Landes bittet ins Villinger Münster und in die Tonhalle.

14 Jahre lang Ministerpräsident

Ein Festgottesdienst und ein Symposium sind die beiden Pfeiler, wenn am Samstag, 7. September, 17 Uhr, die Festgesellschaft in Villingen zusammenfindet. Erwin Teufel wird zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Feiern hinter sich haben. Sein Geburtstag am 4. September bindet ihn an das Sternzeichen der Jungfrau. „Starker Wille, Feingefühl und Organisationsfähigkeit“, gelten als herausragende Züge dieser Gruppe.

Erwin Teufel während einer seiner legendären Bahnfahrten nach Stuttgart.
Erwin Teufel während einer seiner legendären Bahnfahrten nach Stuttgart. | Bild: Imago

Die Landes-CDU hebt den gebürtigen Rottweiler jetzt mit Stolz auf den Schild: 2005 legte er sein Ministerpräsidentenamt nach 14 Amtsjahren nieder. Die Partei setzte auf ein jüngeres Gesicht. Die von ihm favorisierte Nachfolgerin Annette Schavan ließ sich nicht durchsetzen – Günther Oettinger gelangte nach vorne.

Viel Politprominenz kommt nach VS

Annette Schavan kommt nun zu Ehren Teufels nach Villingen. Die langjährige Kultusministerin des Landes (1995 – 2005) und spätere Bundesforschungsministerin ist eine der Teilnehmerinnen des Symposiums, das am Samstag in der Neuen Tonhalle stattfinden wird. Auch Annegret Kramp-Karrenbauer wird in der Einladung als Teilnehmerin der Diskussionsrunde benannt. Die neue Vorsitzender der Bundes-CDU und Bundesverteidigungsministerin reist demnach mitten im Wahlkampf in Ostdeutschland ebenso in Villingen-Schwenningen an wie CDU-Landesgeneralsekretär Manuel Hagel. Luitgard Funk, langjährige Generaloberin des Klosters Untermarchtal komplettiert mit Erwin Teufel den Gesprächskreis. Thema der Runde: Die christlichen Werte in der Gesellschaft von heute und morgen.“

Erwin Teufel mit Ehefrau Edeltraud und Landrat Hinterseh in der Tonhalle.
Erwin Teufel mit Ehefrau Edeltraud und Landrat Hinterseh in der Tonhalle. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Großer Zapfenstreich geplant

Erwin Teufel zu Ehren wird es einen Großen Zapfenstreich in Villingen geben. Die Stadt- und Bürgerwehrmusik, der Landesverband der Bürgerwehren und Milizen Baden-Südhessen und der Landesverband der historischen Bürgerwehren und Stadtgarden Baden-Württemberg-Hohenzollern werden das Ritual zelebrieren.

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Festgottesdienst im Münster

Der Festgottesdienst im Münster wird zelebriert von Generalvikar Clemens Stoppel. In Villingen kursiert bereits Verwunderung darüber, weshalb der Münsterpfarrer dieser Messe nicht vorsteht. Aus gut unterrichteten Kreisen heißt es, die organisierende Landes-CDU habe 14 Tage vor dem großen Urlaub von Josef Fischer erstmalig angefragt – zu spät. Fischer weilt nun an der Grenze von Frankreich und Spanien und hätte sich, wie es aus Gemeindekreisen heißt, eine frühere Anfrage sehr erwünscht.

Erwin Teufel beim Besuch von Annegret Kramp-Karrenbauer CDU in der Neuen Tonhalle in VS-Villingen am 10. Mai im Europawahlkampf.
Erwin Teufel beim Besuch von Annegret Kramp-Karrenbauer CDU in der Neuen Tonhalle in VS-Villingen am 10. Mai im Europawahlkampf. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Landesvater und Wahlkreisabgeordneter: Die Karriere von Erwin Teufel

Erwin Teufel wird am 4. September 2019 80 Jahre alt. Geboren ist er 1939 in Rottweil. Von 1964 bis 1972 war er Bürgermeister von Spaichingen. Von 1973 bis 1991 war er Vorsitzender des CDU-Bezirksverbandes Südbaden und von 1991 bis 2005 Landesvorsitzender der CDU in Baden-Württemberg. Von 1992 bis 1998 war er außerdem stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU. Teufel war von 1972 bis 2006 Mitglied des Landtages von Baden-Württemberg.

Achtmal wurde er ins Landesparlament des Südwestens entsandt. Im Mai 2006 schied er aus dem Gremium aus. Hier war er von 1978 bis 1991 Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion. Teufel war stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Villingen-Schwenningen (bis 1976 Wahlkreis Villingen) in den Landtag eingezogen. Am 16. April 2005 wurde er zum Ehrenbürger von Villingen-Schwenningen ernannt.

Von 1972 bis 1978 gehörte er dann als Staatssekretär im Innenministerium und Staatssekretär für Umweltschutz der von Hans Filbinger geleiteten Landesregierung des Landes Baden-Württemberg an. Nach dem Rücktritt von Lothar Späth wurde Teufel am 22. Januar 1991 zum Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg gewählt. Nachdem die CDU bei der Landtagswahl 1992 erhebliche Einbußen und den Verlust der absoluten Mehrheit hatte hinnehmen müssen, kam es unter seiner Führung zur Bildung einer Großen Koalition mit der SPD.

1994 wurde Teufel erstmals zum Mitglied im Ausschuss der Regionen Europas der EU berufen. Im Europäischen Konvent, einberufen vom Europäischen Rat, vertrat er von Februar 2002 bis Juli 2003 die deutschen Länder. Am 13. Februar 2008 wurde Teufel vom Bundeskabinett und Deutschen Bundestag zum Mitglied des Deutschen Ethikrates bis 2012 ernannt. Erwin Teufel ist verheiratet und hat mit seiner Frau Edeltraud, die ihn vielfach öffentlich begleitet, vier Kinder. Sein Bruder Albert folgte ihm bis 2004 als Spaichinger Bürgermeister nach.

Im Herbst des Jahres 2005 begann Teufel noch ein Philosophiestudium an der Münchener kirchlichen Hochschule für Philosophie München. Im Februar 2008 ließ er von seinem Wunschtraum wieder ab: Er war immer noch zuviel unterwegs – ein gefragter Typ, bis zuletzt. In Villingen ist er unter anderem aktives Mitglied im Heimat- und Geschichtsverein. Hier hält er immer wieder Vorträge. Bis zuletzt besuchte er auch die Fastnacht bei der Narrozunft. (tri)