Ein von Freunden gestiftetes Kälbchen, eine Spendenaktion und viel Mitgefühl: Nachdem die Landwirtsfamilie Schwörer aus VS-Pfaffenweiler den Großteil ihrer Kühe und Rinder verloren hat, ist die Anteilnahme groß. In den vergangenen sechs Wochen sind bei Schwörers 54 Kühe und Rinder an Botulismus gestorben. Die Tiere wurden von einem Bakterium vergiftet, das ein starkes Nervengift produziert.

Schutz ist kaum möglich

Doch woher kommt der Erreger eigentlich, der für das Gift verantwortlich ist? Botulismus ist in der Landwirtschaft deutschlandweit immer wieder ein Problem. Gesicherte Zahlen, wie viele Fälle jedes Jahr vorkommen, gibt es nicht. Das Bakterium Clostridium botulinum produziert verschiedene Gifte. Einige davon sind für Mensch und Tier gefährlich und wirken als starkes Nervengift. Der Erreger gedeiht unter sauerstoffarmen Bedingungen. Diese sind beispielsweise in einem Silo gegeben. Gerät ein Tierkadaver dort hinein, verwest er unter Ausschluss von Sauerstoff. Das Bakterium produziert das Gift und kontaminiert die Silage und letztendlich auch die Tiere, die unter Lähmungserscheinungen leiden.

"Wir gehen noch mit einem unguten Gefühl in den Stall. Wenn ein Tier die Ohren hängen lässt, sind wir beunruhigt." Susanne Schwörer, Landwirtin
"Wir gehen noch mit einem unguten Gefühl in den Stall. Wenn ein Tier die Ohren hängen lässt, sind wir beunruhigt." Susanne Schwörer, Landwirtin | Bild: Kevin Rodgers

Gegen die Krankheit können sich Landwirte kaum schützen. Oft reicht schon eine tote Feldmaus im Futter, um den Inhalt eines Silos zu vergiften. Die heutzutage in der Landwirtschaft üblichen Mähwerke sind meist mehrere Meter breit. Eine durchgehende Kontrolle der Mahd sei logistisch nicht umsetzbar, erklärt auch der betroffene Landwirt Michael Schwörer.

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EU-Verordnung wurde verändert

Unterdessen widerspricht die Tierseuchenkasse der Darstellung, sie zahle in einem solchen Fall überhaupt keine Hilfsgelder aus. Dennoch hat Familie Schwörer keinen Anspruch auf die volle Unterstützung. Dafür hat Bruno Körner, der Verwaltungsleiter der Tierseuchenkasse, eine plausible Erklärung. Körner hat Verständnis für die Situation von Familie Schwörer, kann jedoch nicht helfen. "Seit 2014 gibt es die neue EU-Verordnung 702/2014, von deren Liste Botulismus gestrichen wurde. Die EU sieht Zahlungen an Landwirte in solchen Fällen als unzulässige Wettbewerbsverzerrung an", so Körner.

Allerdings verweist er auch auf einen weiteren Weg für Hilfen. "Für Beihilfen, für die kein durch die EU freigegebener Zahlungsgrund vorliegt, besteht die Möglichkeit, im Rahmen des Förderprogramms "De-minimis" Leistungen auszubringen", so Körner. Über De-minimis dürfe ein Betrieb über einen Zeitraum von drei Jahren Beihilfen bis zu 15 000 Euro erhalten.

Diese neugierigen Kälbchen tummeln sich vergnügt in ihrer Box im Stall der Schwörers. Die Jungtiere waren von dem Erreger nicht betroffen.
Diese neugierigen Kälbchen tummeln sich vergnügt in ihrer Box im Stall der Schwörers. Die Jungtiere waren von dem Erreger nicht betroffen. | Bild: Kevin Rodgers

Viele Menschen spenden

Unterdessen zieht Martina Braun bereits eine ausgesprochen positive Bilanz ihrer Spendenaktion. Viele Menschen hätten sich bereits solidarisch gezeigt und für Familie Schwörer gespendet. "Die ersten drei neuen Kühe sind schon finanziert", erklärte sie am Montagabend. Sie sei von der Hilfsbereitschaft restlos begeistert. Braun hofft nun auf weitere Spenden. "Ich denke, das spendet vor allem auch viel Mut. Familie Schwörer will weitermachen."

 

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