Schwarzwald-Baar – Sonderpädagogik hat einen hohen Stellenwert. Vor allem für Kinder, die es nicht so leicht haben mit dem Lernen. Und für deren Eltern, die sich sorgen um den weiteren Weg ihrer Sprößlinge. Das neue Schulgesetz des Landes Baden-Württemberg hat gute Angebote gemacht – sei es mit der Inklusion der betroffenen Kinder im Unterricht an Regelschulen, sei es mit der Betreuung in Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ). Zumindest per Gesetz.

Knapp zwei Jahre nach dem Start klemmt es aber erheblich bei der Umsetzung: Lehrer fehlen in breitem Umfang, Schulen suchen verzweifelt nach pädagogisch gut ausgebildetem Personal. Der Bildungsausschuss des Kreistags konnte sich am Montag einen ersten Eindruck verschaffen vom Tauziehen um die Mangelware Lehrer.

Sabine Rösner, die Leiterin des Staatlichen Schulamts Donaueschingen, hatte vor den Kreisräten keinen leichten Stand, als sie über die Situation informierte: immer weiter steigender Bedarf an Lehrern und gleichzeitig immer mehr Mangel an Lehrkräften. Die Lehrerversorgung ist zwar keine Aufgabe des Landkreises, sondern des Landes – und seiner Schulämter. Trotzdem hängen die SBBZ des Schwarzwald-Baar-Kreises in der Luft, weil die Vorgaben des Gesetzes nur ungenügend erfüllt werden können. Zum Beispiel können so die Förderschwerpunkte geistige, körperliche und motorische Entwicklung nur schwer umgesetzt werden.

Die Carl-Orff-, die Karl-Wacker-, und die Christy-Brown-Schule oder die Klinikschule in Bad Dürrheim, die sich um kranke Kinder und Jugendliche kümmert, haben reichlich Sorgen, wo sie das nötige Personal für eine individuelle Lernatmosphäre bekommen sollen. So um die 25 Stellen muss Sabine Rösner möglichst rasch besetzen, nach einer Ausschreibung mit vier Stellen rechnet sie mit einer einzigen Besetzung.

"Die ländliche Situation hat oft das Nachsehen", sagt Sabine Rösner, "das heißt, uns fehlen Leute, die diese Stellen annehmen". So schöpfe das Schulamt das Potenzial etwa mit Pensionären aus. Es werde aber nicht reichen, alle Schulen komplett auszustatten. Man stopfe Löcher mit Menschen, von denen nicht alle gleich gut geeignet seien. Auch Lehrer aus anderen Schularten werden im Ringtausch eingesetzt mit der Folge, dass "wir uns nicht beliebt machen bei Schulen und bei Eltern".

Landrat Sven Hinterseh brach eine Lanze für den ländlichen Raum. "Man kann sich nicht nur in Universitätsstädten wohlfühlen". Und: "wir werden darauf achten, dass die Aufgaben durch die Verantwortlichen gemacht werden", sagt er, "das Thema brennt unter den Nägeln. Ich hoffe, das war der Beginn einer Diskussion".

Bürgermeister Robert Strumberger (CDU-Fraktion) betonte, dass das Land nicht nur Gesetze machen dürfe, sondern auch das nötige Personal besorgen müsse." Walter Klumpp (Freie Wähler), sein Amtskollege aus Bad Dürrheim, sah die Unterrichtsversorgung bedroht, wenn mehr als 20 Stellen nicht besetzt seien. Anton Knapp (SPD) forderte, das Land müsse den jungen Lehrern verdeutlichen, dass sie vom Land eine gute Ausbildung bekommen hätten, "dann dürfen sie sich auch nicht verweigern, im Schwarzwald zu arbeiten."

 

Sonderpädagogik

  • Durch das Gesetz von 2015/16 wurden Sonderschulen weiterentwickelt zu Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ). Seither können Eltern wählen und ihr Kind an einer allgemeinen Schule anmelden oder ins SBBZ schicken.
  • Die Sorge, die früheren Sonderschulen würden wegen sinkender Schülerzahlen nicht mehr benötigt, hat sich gelegt. Die aktuellen Zahlen sind in etwa gleich geblieben. Die Klinikschule Bad Dürrheim verzeichnet sogar einen Anstieg um 45 Prozent. Prognosen, dass sich 28 Prozent der Eltern für eine allgemeine Schule entscheiden, haben sich nicht bewahrheitet.
  • Aber: Die Schülerschaft stellt heute neue Anforderungen. Vermehrt gibt es Verhaltensauffälligkeiten, Schüler müssen oft erst an den Unterricht herangeführt werden. Die Zahl autistischer Kinder nimmt zu, Schüler mit geistiger Behinderung und psychischen Problemen oder Kinder von Flüchtlingen benötigen spezielle Unterstützung. (bea)