Gästekarten, die das Angebot einer Region bündeln und den Besuchern Vorteile wie Rabatte und freie Eintritte in Attraktionen beschert, werden in vielen Tourismusregionen Deutschlands bereits angeboten.

Das Prinzip ist stets identisch

Herbergsbetriebe wie Hotels, Pensionen, Campingplätze und auch private Anbieter von Ferienwohnungen zahlen pro Gast und Übernachtung eine Umlage, mit der die Leistungen der Gästekarte finanziert wird. Im Gegenzug können die Gastgeber mit den Vorzügen der für die Touristen kostenlosen Karte werben, beispielsweise mit freien Eintritten in Schwimmbädern, Rabatten oder kostenloser Benutzung des lokalen Nahverkehrs.

Zwei Landkreise und ein Kanton

Nun soll auch der Schwarzwald-Baar-Kreis Teil ein neues Angebot bekommen. Die sogenannte „3Welten-Card“ soll künftig die Landkreise Schwarzwald-Baar und Waldshut sowie den Schweizer Kanton Schaffhausen umfassen. Wie eine solche umlagefinanzierte, digitale Gästekarte funktioniert, erklärte Konstantin Feustel am Montag im Kreistag. Feustel ist Geschäftsführer der WIIF GmbH aus Oberstaufen. Das Unternehmen aus dem Allgäu ist auf solche Gästekarten spezialisiert und war in der Vergangenheit unter anderem an der Einführung der „Hochschwarzwald Card“ und an der „Echt Bodensee Card“ beteiligt.

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Vier Euro pro Gast und Nacht

Freie Fahrt, freier Eintritt und freie Nutzung von Attraktionen: all das gibt es freilich nicht zum Nulltarif. Das Konzept von Feustel sieht vor, dass teilnehmende Hoteliers und Gastgeber eine Umlage von vier Euro pro erwachsenem Gast und Nacht bezahlen. Zum Vergleich: Die Umlage für die „Hochschwarzwald Card“ liegt derzeit bei gut sechs Euro, jene für die „Echt Bodensee Card“ bei nur einem Euro. Im Gegenzug können die Gastgeber die Karte gratis ausgeben und mit ihren Vorzügen werben, beispielsweise mit freiem Eintritt ins Bad Dürrheimer Solemar und am Rheinfall oder der kostenfreien Nutzung der Schifffahrt auf Untersee und Rhein zwischen Schaffhausen und Kreuzlingen.

Das Solemar von oben: Mit der „3Welten-Card“ könnte der Eintritt für Touristen künftig frei sein. Über die Einführung entscheidet der Kreistag am 4. November.
Das Solemar von oben: Mit der „3Welten-Card“ könnte der Eintritt für Touristen künftig frei sein. Über die Einführung entscheidet der Kreistag am 4. November. | Bild: Hans-Jürgen Götz

Voraussetzung für eine Einführung seien 250 000 Übernachtungen pro Jahr, so Feustel. Derzeit habe man gut 233 000 durch 98 Betriebe, die bereits zugesagt oder unverbindliche Absichtserklärungen abgegeben haben, beisammen.

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Anschubfinanzierung nötig

Zudem braucht es laut der Landkreisverwaltung wohl eine Anschubfinanzierung für die ersten zwei Jahre. So lange dauere es, bevor sich das System finanziell selbst trage, heißt es aus dem Landratsamt. 714 000 Euro sind hierfür notwendig. Auf den Schwarzwald-Baar-Kreis entfällt ein Anteil von rund 60 Prozent oder 428 400 Euro. Davon können wiederum bis zu 60 Prozent durch Fördergelder gedeckt wären. Übrig blieben so am Ende noch gut 171 000 Euro. Ob und wie die Gästekarte eingeführt wird, diskutiert und entscheidet der neue Kreistag am 4. November.

Am Bodensee nicht unumstritten

In anderen Regionen sind Gästekarten unterdessen nicht unumstritten. So haben die großen Bodenseestädte Überlingen und Friedrichshafen die Einführung der „Echt Bodensee Card“, deren Umlage bei einem Euro liegt, abgelehnt. Kritik gab es in der Vergangenheit unter anderem an hohen Beraterhonoraren und technischen Problemen.

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