Hintergrund war ein Streit um ein zum Tatzeitpunkt 13 Jahre altes Mädchen, das erst mit dem Bruder des Opfers liiert war und sich dann dem Hauptangeklagten zuwandte. Seine beiden Mitangeklagten bekamen jeweils anderthalb Jahre Jugendstrafe auf Bewährung. Außerdem müssen sie je 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Staatsanwalt: Opfer hatte großes Glück

Staatsanwalt Markus Wagner hatte für den Hauptangeklagten ursprünglich fünfeinhalb Jahre Haft gefordert und den Prozess als „Festival der Lügen und Erinnerungslücken“ bezeichnet. Eine Eifersuchtstat sei es gewesen, bei der das Opfer großes Glück gehabt habe, so der Staatsanwalt. Das Messer, das der 20-Jährige, der wie seine Mitangeklagten aus Pakistan stammt, aus der Küche der Gemeinschaftswohnung mitgebracht hatte, brach nach dem zweiten Stich ab. Bei beiden Einstichen hatten die Rippen den Stoß gebremst, sodass keine inneren Organe verletzt wurden. Die beiden Mitangeklagten hatten das Opfer, das sich nach den Messerstichen auf eine Bank gesetzt hatte, mit Schuhen und einem Gürtel traktiert. Der 20-Jährige habe den Tod seines Opfers billigend in Kauf genommen, so Staatsanwalt Wagner. Drogen und Alkohol, wie von dem Haupttäter angegeben, hätten dabei keine Rolle gespielt, betonte der Staatsanwalt.

Richter Karlheinz Münzer erklärte in seiner Urteilsbegründung, die beiden Gruppen aus Arabern und Pakistani hätten sich am helllichten Tag am Busbahnhof zu der Schlägerei verabredet, wo zu der Zeit viele Schüler unterwegs gewesen seien. Das zeuge von hoher krimineller Energie, so Münzer.

20-Jähriger bittet Gericht um zweite Chance

Der 20-Jährige war von dem Urteil tief getroffen. Er bat das Gericht, ihm noch eine Chance zu geben. So sei er er nie zuvor straffällig geworden. Zudem sei es im Gefängnis sehr hart für ihn, da er keinen Besuch bekommen dürfe. Richter Münzer legte ihm nahe, die Chance im Gefängnis zu nutzen und dort eine Ausbildung zu machen. Das Potential dafür habe er. So habe der Syrer Dolmetscher während des Prozesses kaum gebraucht, spreche ziemlich gut Deutsch und könne sich gut ausdrücken. Auf seinen 20-jährigen Mitangeklagten wartet ein weiterer Prozess wegen Beeinflussung von Zeugen. Deswegen war er während des Prozesses verhaftet worden.

Ganz aufgeklärt werden konnte die Tat nicht, dafür hatten sich zu viele Zeugen teils mehrfach widersprochen. Auch das Opfer hatte angegeben, von einem anderen als dem 20-Jährigen angegriffen worden zu sein. Außerdem fehlte eine Hauptzeugin, das heute 14-Jährige Mädchen, das den Streit wohl ausgelöst hatte. Sie ist mit ihrer Familie aus Deutschland verschwunden und hält sich möglicherweise in Rumänien oder Italien auf.