Noch vor Jahresfrist lautete der selbst gestellte Auftrag an der Staatlichen Feintechnikschule Villingen-Schwenningen, Sponsoren zu suchen und diese für ein neues Projekt zu begeistern: Um bei den rasanten Ent wicklungen bei der Verbindung von Industrieproduktion und Informationstechnologien (Industrie 4.0) mithalten zu können – und so weit als möglich ganz nah am industriellen Alltag lehren zu können -, wollte die Schule eine eigene, hochmoderne Lernanlage für eine ganze Reihe von Ausbildungsgängen einrichten.

Nun endlich ist es so weit gewesen: Die Lernfabrik Industrie 4.0 konnte an den Lernbetrieb übergeben werden. Ermöglicht hat dies zum einen der Landkreis, der mit einem Zuschuss in Höhe von 100 000 Euro das Projekt, das eine halbe Million Euro gekostet hat, unterstützte. Zum anderen beteiligten sich mehr als 60 Sponsoren aus Industrie, Handel und Gewerbe, die ebenfalls die Notwendigkeit einer praxisnahen Ausbildung sahen, mit Beträgen zwischen 500 und 25 000 Euro.

Besondere Unterstützung nicht nur finanzieller Art, sondern auch durch technischer Hilfe, erhielt das Projekt Lernfabrik von den Firmen Gewatec aus Wehingen, Müga Werkzeugmaschinen und Stein Automation aus Villingen-Schwenningen und der Firma Imsimity aus St. Georgen zuteil.

Um den Ablauf im Inneren der Fräsmaschine wie auch den gesamten Produktionsablauf auf einem Bildschirm verfolgen zu können hatte, man an die Gäste spezielle Brillen ausgegeben.
Um den Ablauf im Inneren der Fräsmaschine wie auch den gesamten Produktionsablauf auf einem Bildschirm verfolgen zu können hatte, man an die Gäste spezielle Brillen ausgegeben. | Bild: Rüdiger Fein

Es ist bereits die zweite Lernfabrik für den Bereich Industrie 4.0 an einer beruflichen Schule im Schwarzwald-Baar-Kreis: Ende Oktober eröffnete die Gewerbeschule Villingen-Schwenningen eine solche Anlage – allerdings in größerem Rahmen, da ein Budget von 1,125 Millionen Euro zur Verfügung stand. Neben einer halben Million Euro, die das Land beisteuerte, gaben der Landkreis 525 000 Euro und regionale Unternehmen 120 000 Euro.

„Wir stehen erst am Beginn grundlegender Veränderungen unserer Arbeitswelt und wir wollen dabei sein und den Takt angeben“, sagte Landrat Sven Hinterseh nun beim Start der Lernfabrik in der Feintechnikschule. Das Thema Industrie 4.0 bezeichnete er als die vierte industrielle Revolution und da müsse man dran bleiben. Ganz wichtig sei in diesem Zusammenhang eine flächendeckende breite Anbindung an das Internet. Bei allen Schulen in Trägerschaft des Landkreises wolle man dies im nächsten Jahr geschafft haben. Deshalb habe man für die technische Ausstattung aller in der Trägerschaft des Kreises stehenden Schulen in einem interfraktionellen Beschluss jährlich 500 000 Euro freigegeben.

Kerstin Schmitz vom Regierungspräsidium Freiburg bezeichnete die Feintechnikschule als unentbehrlich für die regionale Wirtschaft.

Diese von der Uhrmacherklasse der Feintechnikschule hergestellten Uhren bekamen die Unterstützer der Lernfabrik, die durch ihre finanziellen Beiträge erst das Projekt ermöglicht hatten, als Anerkennung und bleibende Erinnerung geschenkt. Bild Rüdiger Fein
Diese von der Uhrmacherklasse der Feintechnikschule hergestellten Uhren bekamen die Unterstützer der Lernfabrik, die durch ihre finanziellen Beiträge erst das Projekt ermöglicht hatten, als Anerkennung und bleibende Erinnerung geschenkt. Bild Rüdiger Fein

„Diese Schule hat mich geprägt und mein Interesse für die Technik geweckt“, erinnert sich Reinhold Walz, der Gründer der Gewatec, die für die Software der Lernfabrik verantwortlich zeichnet. Auf diesem Wege könne er jetzt etwas zurückgeben, so Walz. Und was er und die weiteren Sponsoren gegeben haben, kann sich sehen lassen.

Die Lernfabrik Industrie 4.0 lässt sich in nahezu allen Unterrichtsstufen einsetzen und ermöglicht künftig nicht nur eine gesteigerte Qualität in der Aus- und Weiterbildung, sondern dient bei Bedarf auch als Experimentierumfeld für Unternehmen.

An der Feintechnikschule in Villingen-Schwenningen ist man jedenfalls glücklich und dankbar für die nochmals verbesserten Möglichkeiten für eine nachhaltige, zukunftssichere Ausbildung, lobte Schulleiter Thomas Ettwein das Geschaffene.

Viele Schulleiter und weitere Personen des öffentlichen Lebens aus Politik, Wirtschaft und natürlich Schüler der Feintechnikschule waren gekommen um bei der feierlichen übergabe der Lernfabrik Industrei 4.0 an die Feintechnikschule dabei zu sein. Bild Rüdiger Fein
Viele Schulleiter und weitere Personen des öffentlichen Lebens aus Politik, Wirtschaft und natürlich Schüler der Feintechnikschule waren gekommen um bei der feierlichen übergabe der Lernfabrik Industrei 4.0 an die Feintechnikschule dabei zu sein. Bild Rüdiger Fein

Kernkomponenten

  • Das Bearbeitungszentrum ist für die eigentliche Produktherstellung da und führt die gewünschten Bearbeitungsprozesse individuell aus. Ein automatisches Qualitätskontrollsystem greift eigenständig in den Produktionsprozess ein.
  • Das Produktionsleitsystem verwaltet und steuert sämtliche Prozesse der Anlage.
  • Das Transfersystem besteht aus einem zentralen Fördersystem, auf dem die Werkstücke zu den einzelnen Bearbeitungsstationen laufen.