Nach weiteren Recherchen des SÜDKURIER soll im Falle des fristlos entlassenen Chefarztes am Schwarzwald-Baar Klinikum, Professor Norbert Runkel, ein weiterer Briefumschlag, der mittlerweile vierte, mit Bargeld eines Patienten aufgetaucht sein. Dies berichten jetzt gewöhnlich gut informiere Kreise gegenüber unserer Zeitung.

Bekannt wurde ferner, dass der Ärztliche Direktor der Allgemeinen und der Viszeralchirurgie die fristlose Kündigung offenbar nicht einfach hinnehmen wird. Er soll, so berichten Insider, gegen seine fristlose Kündigung arbeitsrechtliche Schritte ergriffen und Widerspruch eingelegt haben. Das heißt: Eine arbeitsrechtliche Auseinandersetzung zwischen Klinik und Gekündigtem vor dem Arbeitsgericht wird wahrscheinlich. Die Klinik geht dem Vernehmen nach von einer Güteverhandlung Mitte oder Ende Januar aus. Die Güteverhandlung vor Gericht dient üblicherweise der Herbeiführung einer einvernehmlichen Erledigung des Rechtsstreits. Sollte es keine Einigung gebe, kommt es zur Hauptverhandlung, bei der ein Urteil gesprochen wird.

Eine Kontaktaufnahme mit Runkel, um seine Sicht auf die ganze Angelegenheit und zum Thema Widerspruch gegen die Kündigung zu erfahren, gelang am Freitag erneut nicht. Bei einem Anruf des SÜDKURIER meldete sich unter seiner Privatnummer eine Frau mit „Runkel“ und sagte: „Wir geben keinen Kommentar ab.“

Wie berichtet, hat das Schwarzwald-Baar Klinikum die fristlose Kündigung des renommierten Chefarztes Anfang Dezember bestätigt, aber mit Verweis auf das laufende arbeitsrechtliche Verfahren keine Begründung über die Hintergründe angeführt. Nach bislang unwidersprochenen Recherchen des SÜDKURIER sollen mehrere Patienten Briefumschläge mit mehreren tausend Euro Bargeld für den sie behandelnden Chefarzt im Büro in der Klinik abgegeben haben. Runkel soll in dieser Zeit im November nach einem schweren Motorradunfall nicht anwesend, sondern im Krankenstand gewesen sein. Die dubiosen Briefumschläge, so berichtet ein Gewährsmann dem SÜDKURIER, seien von leitenden Mitarbeitern der Klinik unter Beteiligung von Zeugen geöffnet werden. Es hätten sich jeweils mehrere tausend Euro darin befunden.

Nun steht der Verdacht im Raum, dass der glänzende Operateur und Chirurg zum Nachteil von Klinikum und Finanzamt auf eigene Rechnung ärztliche Leistungen mit Patienten auf Bargeldbasis abgerechnet haben könnte. Auch von einem „Verstoß gegen jedes ethische Verhalten“ ist im Klinikum die Rede.

Der Aufsichtsrat des Klinikums, der vergangene Woche zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit tagte, dieses Mal aber in turnusgemäßer Sitzung, will nun abwarten, so wird berichtet, ob Hinweise auf weitere Bargeldübergaben und sonstige Unregelmäßigkeiten auftauchen. Dies soll nun aufwändig untersucht werden, bevor über weitere Schritte beraten wird. Der belastete Chefarzt selbst, so wird weiter berichtet, habe sich bisher nicht zu den Verdachtsmomenten geäußert.

Derweil häufen sich Stimmen von Patienten und Mitarbeitern, die den Mediziner näher kennen und die Verdächtigungen nicht glauben können. Für viele sind die Vorwürfe gegen den Chirurgen offenbar nicht vorstellbar.

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