Der US-amerikanische Komponist Leonard Bernstein hat mit "Candide" ein schillerndes Bühnenwerk geschrieben. Inhaltlich orientiert es sich an dem 1759 erschienenen satirischen Roman "Candide oder Der Optimismus" des französischen Schriftstellers Voltaire. Das Theater Pforzheim hat das Stück als komische Oper in zwei Akten im Villinger Theater am Ring farbenreich, leicht und flott auf die Bühne gebracht.

Bernstein hat sein 1956 von ihm selbst als "comic operetta" und in der revidierten Fassung von 1974 als Musical bezeichnetes Kunstwerk eine "Liebeserklärung an die europäische Musik" genannt und dabei eine Art musikalischer Weltreise geschaffen. Diese führt in der Fasson eines turbulenten Abenteuerromans von Westfalen über Portugal, Spanien und Uruguay in das sagenhafte Eldorado und von hier über Kolumbien und die Türkei schließlich in einen Garten, der gleichsam ein persönliches Paradies symbolisiert.

Am Beispiel von zahlreichen dramatischen Ereignissen wie Krieg, Erdbeben, Inquisition, Piraterie, Entführung und Sex ziehen sich zwei Hauptstränge durch das knapp dreistündige Geschehen: Stimmt die These des deutschen Aufklärers Gottfried Wilhelm Leibniz, unsere Welt sei die beste aller möglichen Welten? Und wie verwirklicht sich die Liebe zwischen Mann und Frau?

Bernsteins Musik verleiht den mehr als verwickelten Umständen einen außerordentlich vielgestaltigen Ausdruck, bei dem traditionelle Grenzen zwischen den Genres der ernsten und der unterhaltenden Musik permanent aufgelöst und miteinander verschmolzen werden. Mino Marani, der musikalische Leiter, und seine Badische Philharmonie Pforzheim im Orchestergraben haben damit bereits in der Ouvertüre keine Probleme und gehen von Beginn an stilsicher zu Werke. Ein markantes marschmäßiges Thema verbinden sie hier mit einem zweiten, lyrischen Thema auf eine Art, bei der die Trennlinie zwischen einer klassischen Opernouvertüre und einem schwungvollen Potpourri oder Medley nicht eindeutig auszumachen ist.

Einigermaßen unübersichtlich ist die Zahl der zu besetzenden Rollen; in der Originalfassung handelt es sich um 82! Regisseurin Magdalena Fuchsberger reduziert sinnvoll und arbeitet mit elf Sängerinnen und Sängern, die insgesamt 24 Rollen übernehmen, und einem etwa 20 Mitglieder zählenden Chor.

Die Arien und Songs werden englisch gesungen, die Sprechpassagen in deutscher Sprache deklamiert. Chris Murray, der Voltaire und drei weitere Figuren verkörpert, verdient sich den größten Beifall der gut 200 Besucher. Mühelos und gekonnt spricht er mit französisierendem Tonfall, wechselt je nachdem in klares Hochdeutsch oder das hispanische Idiom und verfügt auch noch über einen ausdrucksstarken Tenor. Gesanglich überzeugt auch Johannes Strauß in der umfangreichen Rolle als Candide mit seinem klaren, klangschönen und flexiblen Tenor.

Elisandra Melián füllt ihre Rolle als Cunegonde gewandt und mit frischer Offenheit aus, singt aber nicht immer frei von spitzer Schärfe. Anna Agathonos schließlich scheint als Alte Dame nichts in einem Leben voll kurioser Farcen umzuwerfen. Mit ihrem vielseitigen Mezzosopran trifft sie souverän die jeweils stimmige Tonlage – selbst beim Tango. Der freundliche Beifall ist verdient.