„Schauen Sie mal in Ihr Display, wir sind von der Polizei.“ So oder ähnlich versuchen Trickbetrüger in akzentfreiem Deutsch seit Jahren das Vertrauen älterer Menschen zu gewinnen. Die sogenannten falschen Polizisten versuchen an das Geld ihrer Opfer zu kommen, indem sie eine Einbruchserie in der Nachbarschaft und eine vermeintliche Bedrohung für das Eigentum der Opfer erfinden. Auf den Displays der Betroffenen wird in diesen Fällen tatsächlich die 110 angezeigt, erklärt Tobias Weyler, Leiter der Ermittlungsgruppe Straftaten zum Nachteil älterer Menschen (SÄM) der Kripo Rottweil. Die Polizei selbst rufe jedoch nie mit der 110 an, stellt Weyler klar.

Die Fallzahlen von Trickbetrug steigen

Trickbetrüger sind mit solchen Methoden aktiv und die Fallzahlen steigen, auch im Gebiet des Polizeipräsidiums, berichtet Weyler. In Baden-Württemberg sei allein die Zahl von Fällen falscher Polizisten von 355 im Jahr 2016 auf 2300 im Folgejahr gestiegen, erläutert Michael Göbel, der Referatsleiter Prävention. Deshalb stellt der Weiße Ring seinen heutigen Tag der Kriminalitätsopfer unter das Motto „Ohne Furcht im Alter – damit Sie nicht Opfer werden“.

Zu diesem Anlass informierten Vertreter des Weißen Rings und der Polizei am Mittwoch im VS-Polizeipräsidium. „Wir möchten nicht, dass die Hilfsbereitschaft älterer Menschen aufhört, aber ein gesundes Misstrauen wäre gut“, erklärt Jochen Link, Leiter des Weißen Rings in VS. Und daran mangle es den Senioren oftmals. Daneben sei die Vereinsamung in der Gesellschaft ein großes Problem, meint Michael Göbel. Opfer seien schnell gefunden. „Vor allem dann, wenn einer anruft, freundlich ist und mich dann auch noch vor einer Verbrecherbande warnt.“

Senioren im Visier der Kriminellen

Die Täter wollen gezielt ältere Menschen erreichen und durchsuchen hierfür Telefonbücher nach altertümlichen Vornamen. „Wenn man Rosa oder Horst heißt, ist die Wahrscheinlichkeit ungleich höher, einen Anruf zu bekommen“, berichtet Weyler. Er rät Senioren, die Vornamen in Telefonbüchern abzukürzen. Daneben empfiehlt er, die Überziehungsmöglichkeit für das Bankkonto zu sperren, „um riesige Schadenssummen zu vermeiden“. Göbel schlägt vor, mit der Bank einen maximalen Abhebebetrag zu vereinbaren. Bei Beträgen, die darüber hinaus gingen, würde dann Rücksprache mit einem Angehörigen gehalten. Die Selbstständigkeit der Betroffenen würde so mit einer Absicherung erhalten.

Die Scham der Opfer ist groß

Ein wachsendes Problem stelle die Internetkriminalität dar, meint Max Bammert, Präventionsbeauftragter des Weißen Rings im Schwarzwald-Baar-Kreis. Gerade ältere Menschen würden immer wieder auf unseriöse Versandapotheken hereinfallen, die gefälschte und wirkungslose Medikamente vertreiben. Zur Überprüfung lasse sich beispielsweise das EU-Sicherheitslogo anklicken, das auf seriösen Seiten zu finden sei und auf die Seiten des Versandhandel-Registers führen sollte. Wenn man dennoch Opfer von Trickbetrügern werde, sei die Scham oftmals groß, berichtet Bammert. Viele Betroffene zeigten die Täter daher nicht an, die Dunkelziffer sei vermutlich hoch. Michael Göbel empfiehlt: „Nicht gleich alles für bare Münze nehmen und lieber etwas skeptisch sein.“ Er stellt jedoch fest, dass viele Senioren inzwischen durch Aufklärungskampagnen sensibilisiert seien.