Es ist so selbstverständlich, den Wasserhahn aufzudrehen und frisches Trinkwasser im Glas zu haben. Wasserversorgung ist Daseinsvorsorge. Die Kommunen im Landkreis betreiben eine Vielzahl von Quellen und Tiefbrunnen, um die Wasserversorgung für die Bürger und die Wirtschaft sicherzustellen.

Fachleute rechnen mit Problemen

Mit Blick auf den prognostizierten Klimawandel und zunehmend extreme Wetterlagen wie Hitzeperioden und Starkregen rechnen die Fachleute damit, dass es künftig Probleme beim Rohwasseraufkommen geben kann.

Deshalb wurden im Schwarzwald-Baar-Kreis und in Teilen des Kreises Tuttlingen die Auswirkungen des Klimawandels im Zeitraum von 2016 bis 2018 im Rahmen des Landesprojektes "Klimopass, Klimawandel und modellhafte Anpassung in Baden-Württemberg" näher untersucht. Michael Koch, der Leiter des Amtes für Wasser- und Bodenschutz, stellte im Kreistagsausschuss für Umwelt und Technik die Ergebnisse vor.

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Im Schwarzwald-Baar-Kreis erfolgt die Wasserversorgung überwiegend durch ortsnahe Quellen und Tiefbrunnen durch die jeweiligen Gemeinden. Für Villingen-Schwenningen und Dauchingen (Keckquellen), Tuningen, Triberg und St. Georgen gibt es eine zusätzliche Zuleitung über die Bodenseewasserversorgung.

Die ortsnahen Wassergewinnungsstellen werden durch 123 Wasserschutzgebiete mit einer Fläche von rund 200 Quadratkilometern geschützt. Die von Westen nach Osten wechselnden geologischen Schichten beeinflussen das jeweilige „Wasserdargebot“ der Quellen und Brunnen, die Schüttungsmenge, den Mineraliengehalt und bedingen das weiche oder harte Wasser im Hahn.

Belastungen in Quellwässern

Quellwässer vor allem aus den flachgründigen Schwarzwaldquellen trüben nach Starkregen oder langen Trockenzeiten leicht ein und können dann mikrobiologische Belastungen aufweisen. Diese Probleme gibt es bei den Karstquellen mit geringen Schüttungsschwankungen, Gutterquelle Donaueschingen und Keckquelle Deißlingen nicht.

Bei den Tiefbrunnen, die sich aus Grundwasserleitern speisen, gibt es entsprechend der Studie keine Hinweise auf ein sinkendes Grundwasserangebot. Allerdings müsse auch in diesem relativ niederschlagsreichen Gebiet nach den Klimaprognosen mit sinkendem Grundwasseraufkommen gerechnet werden.

Niedriger Pro-Kopf-Verbrauch

Der Wasserverbrauch der 209 000 Einwohner im Landkreis einschließlich Industrie und Gewerbe liegt bei jährlich elf Millionen Kubikmetern. Wasserverluste von 13 Prozent werden als gering eingestuft. Gleichwohl sollen die Kommunen nun Optimierungsmöglichkeiten prüfen.

Mit einem mittleren Pro-Kopf-Verbrauch von 108 Litern im häuslichen Bereich liege man relativ niedrig. Der Tagesspitzenbedarf im Landkreis liegt bisher bei 44 500 Kubikmetern. Im Blick auf künftige Hitzeperioden wurde er um 20 Prozent auf 53 500 Kubikmeter erhöht.

Sturm oder Stromausfall

An Bedeutung gewinnt, so die Studie, die Versorgungssicherheit. Neben dem Wasserangebot bei längeren Trockenheiten sind Liefereinschränkungen durch extreme Wetterereignisse, Überschwemmungen, Sturmschäden und Stromausfall zu berücksichtigen. In fast allen Bereichen des Landkreises erfolgt die Versorgung über große Hochbehälter. Damit ist im Regelfall die Trinkwasserversorgung für ein bis zwei Tage sichergestellt.

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Private Einzelwasserversorgung, zumeist über Quellen, gibt es für rund 1900 Anwesen, die nicht an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen sind, vor allem im Schwarzwald. In den vergangenen Jahren führten längere Trockenzeiten sowie Starkregen jedoch zu Qualitätsproblemen.

Für die weitere Planung der Wasserversorgung in der Region wird nun empfohlen, bei den Schwarzwaldquellen mit einem weiteren Rückgang der Mindestschüttung um 50 und bei den Karstquellen um 25 Prozent zu rechnen. Grundsätzlich wird empfohlen, das Wasserangebot zu überwachen.

Problem: Flachgründige Quellen

Als Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel wurden für alle Gemeinden Maßnahmenvorschläge erarbeitet. Dazu kommen Überlegungen zu Verbundleitungen mit anderen Versorgern oder gegebenenfalls zweite Standbeine. Besonders verwiesen wird auf die Versorgungsgebiete über flachgründige Schwarzwaldquellen. Hier rechnet man bei langen Trockenperioden mit einem weiteren deutlichen Rückgang der Quellmindestschüttungen.

"Gut vorgearbeitet"

Im Fachausschuss wird die Entwicklung von Konzepten zur Versorgungssicherheit und weitergehenden Aufbereitung empfohlen. Es gab Lob für die Verwaltung, mit dieser Studie zum richtigen Zeitpunkt „gut vorgearbeitet“ zu haben.

Die Wasserversorgung sei ein verletzlicher Teil der Versorgung der Bevölkerung. Aus diesem Grund, so Koch, sei die Kartierung der Einrichtungen auch nicht öffentlich zugänglich. Auf Nachfrage nach der computergesteuerten Bodenseewasserversorgung räumte der Fachmann ein, das hier „ein Ausfall nicht unproblematisch“ sei.