Benedikt Kramer sitzt in der Cafeteria der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Schwenningen und schaut in seine Kaffeetasse. „Eigentlich war für mich schon immer klar, dass ich nach dem Abitur zum Studium in die Großstadt ziehe.“ Es ist anders gekommen. Der 21-Jährige stammt aus Villingendorf und steht nach sechs Semestern kurz vor dem Abschluss seines Dualen Studiengangs „Technical Management“.

Theorie und Praxis im Wechsel

Seit 2015 studiert Benedikt Kramer an der DHBW in Schwenningen. Das Studium ist in Dreimonatsblöcke unterteilt. Das bedeutet, dass sich die Theoriephasen mit Vorlesungen an der Hochschule im Vierteljahresrhythmus mit Praxisphasen beim Arbeitgeber abwechseln. In Benedikt Kramers Fall ist das die Aesculap AG in Tuttlingen. Diese Form des Studiums steht weltweit für eine vorbildliche Art, den akademischen Nachwuchs mit möglichst viel Praxisbezug und damit auch effizient auszubilden. Doch was genau verbirgt sich hinter Benedikt Kramers Studiengang mit dem etwas abstrakten Namen?

Benedikt Kramer steht kurz vor den Abschlussprüfungen seines Dualen Studiengangs "Technical Management" auf dem Schwenninger Campus der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW).
Benedikt Kramer steht kurz vor den Abschlussprüfungen seines Dualen Studiengangs "Technical Management" auf dem Schwenninger Campus der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW). | Bild: Kevin Rodgers

Als Absolvent zwischen den Stühlen

"Technical Management ist eine Mischung aus Betriebswirtschaft und Technik", erklärt Benedikt Kramer. "Wir bekommen einerseits alles an die Hand, um zu wissen, was ein Unternehmen bewegt und wie es funktioniert. Dazu zählt Finanzbuchhaltung genauso wie Recht, BWL und Volkswirtschaft." 60 Prozent macht der betriebswirtschaftliche Teil des Studiums aus. Die restlichen 40 Prozent umfassen den technischen Aspekt des Studiums, in dem sich die Studierenden ein Grundverständnis an technischem Fachwissen aneignen. "Wir sind danach keine Maschinenbauer, aber wir verstehen die Sprache der Maschinenbauer – und das hilft enorm", erklärt Kramer. Ein Absolvent sitze folglich im positiven Sinne zwischen den Stühlen.

In der Praxisphase lernt Benedikt Kramer die Aesculap AG von Grund auf kennen. Das sei ein großer Vorteil gegenüber Bewerbern mit Vollzeit-Studium. "Wir lernen in jeder Praxisphase zwei Abteilungen kennen. Vom Marketing bis zur Produktion ist alles dabei. So bekommen wir gleichzeitig einen sanften Einstieg und einen umfassenden Einblick in das Unternehmen", erklärt der 21-Jährige. Zudem böten sich viele Möglichkeiten zum Netzwerken. "Wenn man auf die Leute zugeht und sich gut präsentiert, kann man ein Stück weit Einfluss auf die spätere Position im Unternehmen nehmen."

Hohe Ansprüche und Leistungsdruck

Ein weiterer Vorteil: Dadurch, dass das Unternehmen in den Studierenden investiert, sind die Übernahmechancen in der Regel sehr gut. Auch auf dem Arbeitsmarkt seien Absolventen Dualer Hochschulen aufgrund ihrer Praxiserfahrung gefragt, so Kramer. Doch bis es soweit ist, liegt ein hartes Stück Arbeit vor den Studierenden. Das Studium ist als Intensivstudium ausgewiesen. Während Studenten an Universitäten für einen dreijährigen Bachelor-Abschluss 180 Creditpoints sammeln müssen, sind es an der DHBW 210 Creditpoints.

Das heißt auf gut Deutsch: Die Studierenden der Dualen Hochschule müssen das Pensum von sieben Semestern in nur sechs Semestern meistern. In den Theoriephasen sind Vorlesungstage mit Frontalunterricht von 9 bis 18 Uhr keine Seltenheit, Vor- und Nachbereitung des Stoffs nicht inbegriffen. Dies ist jedoch nötig, denn Klausuren schieben oder wiederholen ist aufgrund des Quartalsrhythmus sehr schwierig. "Man muss extrem aufpassen, dass sich kein Rattenschwanz an unerledigten Prüfungen ansammelt. Viele, die es auf die leichte Schulter genommen haben, sind auch schon gescheitert", erzählt Benedikt Kramer. Er persönlich kommt mit dem Dreimonatstakt gut zurecht: "Es ist immer ein Ende in Sicht. Das ist für die eigene Motivation extrem hilfreich."

„Für uns bietet das Duale Studium eine hervorragende Möglichkeit, Nachwuchs auf akademischem Niveau in verschiedenen Studienrichtungen auszubilden."Kathrin Schneckenburger, Personalreferentin Aesculap AG
„Für uns bietet das Duale Studium eine hervorragende Möglichkeit, Nachwuchs auf akademischem Niveau in verschiedenen Studienrichtungen auszubilden."Kathrin Schneckenburger, Personalreferentin Aesculap AG | Bild: Aesculap AG

Duales Studium ist in der Wirtschaft hoch angesehen

Auch Benedikt Kramers Arbeitgeber, die Tuttlinger Aesculap AG, ist von dem Modell des Dualen Studiums überzeugt. „Für uns bietet das Duale Studium eine hervorragende Möglichkeit, Nachwuchs auf akademischem Niveau in verschiedenen Studienrichtungen auszubilden", erklärt Personalreferentin Kathrin Schneckenburger. Mit der Dualen Hochschule pflege die Aesculap seit vielen Jahren eine enge Kooperation – Studieninhalte werden zwischen Theorie und Praxis eng verzahnt. Außerdem werde auf die Wünsche und Anregungen der Firmen in der Gestaltung der Theoriephasen Rücksicht genommen. "Wir schätzen an diesem Modell sehr, dass die Studierenden bereits von Anfang an die Theorieinhalte in der Praxis übertragen können und Zusammenhänge anhand reeller Beispiele aus dem Unternehmen veranschaulicht werden", erklärt Schneckenburger.

Die Personalreferentin des Medizintechnik-Herstellers sieht jedoch auch die Schattenseiten: "Dadurch, dass für die Vermittlung der Theorieinhalte weniger Zeit zur Verfügung steht als an einer Fachhochschule oder Universität erfordert das Duale Studium von den Studierenden eine hohes Maß an Zeitmanagement und Disziplin. Dafür werden die Studierenden aber durch eine qualitativ hochwertige Ausbildung und Praxiserfahrung belohnt und können ihr Profil für den späteren Berufseinstieg schärfen.“

Schöner Campus, wenig Beteiligung

Das Studentenleben in Schwenningen beurteilt Benedikt Kramer indes etwas zweigeteilt. "Die Lehre ist super. Die Dozenten kommen aus der Wirtschaft und haben einen großen Praxisbezug. In der Fakultät Wirtschaft sind höchstens 30 Studenten im Kurs und alles ist gut organisiert." Ausbaufähig ist seiner Meinung nach das Drumherum. "Es ist klar, dass Schwenningen mit Blick auf Kultur und Nachtleben keine Großstadt ist. Trotzdem könnte auf dem Campus mehr los sein." Hier liege eine Schattenseite der kurzen Verweildauer auf dem Campus. Viele Studenten kommen von außerhalb, die Motivation, sich zu beteiligen, sei gering. Dabei gebe es durch aus Möglichkeiten, weiß Kramer, der sich in der Studierendenvertretung engagiert und sich noch mehr Mitstreiter wünscht. So hätten die Studieren beispielsweise einen Freilufthörsaal auf dem DHBW-Gelände initiiert.

Möglichst früh bewerben

In Schwenningen studieren derzeit 2462 Personen in den beiden Fakultäten Wirtschaft und Sozialwesen. Wer sich für ein Duales Studium interessiert, muss zuerst ein Unternehmen finden, das Studienplätze anbietet. Einfach einschreiben kann man sich an der DHBW nicht. Zudem braucht es Vorlauf: Bewerbungen für die begehrtesten Plätze sollten ein Jahr vor Studienbeginn im Herbst bei den Firmen eingehen.