Nein, ganz glücklich sind Stefan Murner und Hans-Joachim Schleusener mit der aktuellen Situation nicht. Der Geschäftsführer und der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht machen sich Gedanken, wie es mit ihrem Verkehrsübungsplatz weitergeht. Klar ist: Der Platz, der sich oberhalb der Schwenninger Steige und unmittelbar hinter dem ehemaligen Gartencenter Späth befindet, muss womöglich weichen. Grund hierfür sind Überlegungen, auf dem Gelände des Übungsplatzes künftig die Verlängerung der Albert-Schweitzer-Straße in die Wilhelm-Schickard-Straße münden zu lassen. Diese führt derzeit unmittelbar südlich des Klinikums nach Westen. An ihr sollen sich im Laufe der Jahre weitere kleinere Kliniken und Gesundheitszentren ansiedeln. Für die Verkehrswacht wäre dann kein Platz mehr.

Platz ist nicht mehr zeitgemäß

Diese Tatsache sei im Grunde genommen auch nicht allzu tragisch. Der Übungsplatz ist laut Stefan Murner nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. So fehlt zum Beispiel ein Kreisverkehr, an dem die Kinder auf dem Fahrrad das Ein- und Ausfahren üben könnten. Grundsätzlich steht das Gelände allerdings noch relativ gut da. So wurden erst vor wenigen Wochen die Markierungen auf den Übungsstraßen erneuert. Auch das in den 1980er-Jahren auf dem Platz erbaute Gebäude ist augenscheinlich gepflegt und alles andere als baufällig. Allenfalls die Isolierung ist nicht mehr auf dem Stand von 2018.

Neues Gelände im Lämmlisgrund

Der Verkehrsübungsplatz befindet sich im Besitz der Stadt Villingen-Schwenningen. Das Gelände wird der Verkehrswacht kostenfrei zur Verfügung gestellt. Käme es tatsächlich so, wie es im Zusammenhang mit der im Jahr 2015 beschlossenen "Rahmenplanung Spitals Dreißig Jauchert" empfohlen wurde, würde die Weiterführung der Albert-Schweitzer-Straße einmal quer durch das Gelände des Verkehrsübungsplatzes verlaufen. Also müsste eine Alternative her. Damit der Platz, auf dem die Viertklässler des gesamten Kreisgebiets ihre im Grundschullehrplan vorgeschriebenen Fahrsicherheitsstunden absolvieren, nicht ersatzlos verloren geht, wurde der Verkehrswacht eine gleich große Fläche auf dem Klosterhofareal am Lämmlisgrund angeboten. Dieses liegt nur einige hundert Meter Luftlinie nördlich des heutigen Platzes auf dem Gelände des ehemaligen Freizeitparks, unmittelbar gegenüber vom Gewerbegebiet Salzgrube. Auch diesen Platz würde die Stadt wieder kostenfrei zur Verfügung stellen.

Bild: Schönlein, Ute

Finanzierung ist nicht geklärt

Allerdings plagt die Verkehrswacht ein ganz anderes Problem: Die Fläche an sich kostet zwar nichts, allerdings schlägt die Einrichtung eines neuen Platzes und der Bau eines Verwaltungsgebäudes nach eigenen Angaben mit einer Summe zwischen einer und anderthalb Millionen Euro zu Buche – Geld, das der gemeinnützige Verein nicht hat. Große Hoffnungen auf einen Geldsegen machen sich Murner und Schleusener nicht: "Wir waren mehrfach bei Oberbürgermeister Rupert Kubon und beim Ersten Bürgermeister Detlev Bührer. Beide haben jedoch mehrfach betont, dass die Stadt sich abgesehen vom Gelände nicht weiter beteiligen wird."

So einfach wollen die Verkehrswächter die Stadt jedoch davonkommen lassen. "Wir erbringen hier im Prinzip ausgelagerten, aber regulären Schulunterricht und sind verwundert, dass die Kommune als Schulträger sich nicht stärker engagiert", erklärt Stefan Murner. Zudem habe Landrat Sven Hinterseh sich bereits offen für eine finanzielle Unterstützung gezeigt.

Stadt VS bleibt bei ihrer Haltung

Unterdessen bleibt die Doppelstadt bei ihrer Linie. "Theoretisch, von Verwaltung und Gemeinderat aber nicht favorisiert, wäre auch eine Verlagerung am aktuellen Standort Richtung Norden möglich, da die Flächen oberhalb sich im Eigentum der Stadt befinden", erklärt Pressesprecherin Oxana Brunner auf Anfrage des SÜDKURIER. Auch hier würde die Stadt dem Verein die Flächen kostenlos zur Verfügung stellen, was sehr wohl eine finanzielle Beteiligung darstelle. Die Kreisverkehrswacht werde mit ihrem Übungsplatz aber vom bisherigen Standort auch nicht vertrieben, so Brunner. Grundsätzlich sei der Betrieb eines Verkehrsübungsplatzes aber keine kommunale Aufgabe.

Verkehrswacht würde auch bleiben

Noch ist also nichts entschieden in Sachen Verkehrsübungsplatz, zumal sich die Doppelstadt derzeit am Ende der Amtszeit von Rupert Kubon und in der heißen Phase des OB-Wahlkampfes befindet. Vorsorglich betonen Schleusener und Murner, dass sie sich auch eine Weiternutzung und Ertüchtigung des alten Platzes gut vorstellen könnten. Das sei auch deutlich günstiger als ein komplett neuer Platz. Dass der Drops noch nicht gelutscht ist, zeigt auch eine Stellungnahme von OB-Kandidat Jürgen Roth (CDU). Er betont, dass der Verkehrswacht keine Kosten entstehen sollten – egal an welchem Standort.