Rund 150 Unternehmer aus der Region folgten der Einladung der Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg zum Konjunkturgespräch in die Alte Hofbibliothek in Donaueschingen. Dort gaben IHK-Vizepräsident Harald Marquardt und Helmut Becker, führender Experte der Automobilwirtschaft und Industrieexperte, ihre Einschätzung zur wirtschaftlichen Lage. Und die ist alles andere als rosig. Vorab standen sie für ein Pressegespräch zur Verfügung.

Sie sehen alles andere als eine rosige Zukunft voraus. Beim IHK-Konjunkturgespräch in Donaueschingen sprechen IHK-Vizepräsident Harald Marquardt (Zweiter von links) und Industrieexperte Helmut Becker. Links Philipp Hilsenbek, Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik der IHK. Rechts IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez.
Sie sehen alles andere als eine rosige Zukunft voraus. Beim IHK-Konjunkturgespräch in Donaueschingen sprechen IHK-Vizepräsident Harald Marquardt (Zweiter von links) und Industrieexperte Helmut Becker. Links Philipp Hilsenbek, Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik der IHK. Rechts IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez. | Bild: Roland Sprich

Sind die fetten Wirtschaftsjahre vorbei? Droht eine Wirtschaftskrise oder befinden wir uns bereits mittendrin? Und worauf steuert Deutschland zu? Antworten darauf gab IHK-Vizepräsident und Unternehmer Harald Marquardt. Er skizzierte die aktuelle wirtschaftliche Situation. „Seit der Finanzkrise 2008 waren die Konjunkturerwartungen der deutschen IHK-Betriebe nicht mehr so pessimistisch“, sagte er. Laut IHK-Umfrageergebnissen bewerten zum Jahresende 18 Prozent der Unternehmen die Ertragslage schlecht. Zum Jahresbeginn seien es acht Prozent gewesen. Bedingt durch die Unternehmensstruktur in der Region kommen die schlechten Umfrageergebnisse insbesondere durch die Vielzahl an Automobilzulieferbetrieben zustande. Sie spüren die Auftragsrückgänge deutlich. „Der Strukturwandel in der Automobilwirtschaft trifft den Mittelstand ins Mark“, sagte Marquardt.

Deutschland muss aus dem Dornröschenschlaf aufwachen“, sagt IHK-Vizepräsident Harald Marquardt beim Konjunktur- gespräch in Donaueschingen.
Deutschland muss aus dem Dornröschenschlaf aufwachen“, sagt IHK-Vizepräsident Harald Marquardt beim Konjunktur- gespräch in Donaueschingen. | Bild: Roland Sprich

Internationale Konflikte zwischen China und USA schwächten den Export. Dazu komme, dass die vorhandene klassische und digitale Infrastruktur den Anforderungen der Unternehmen nicht standhalte. „Manchmal fühlt man sich wie in der Dritten Welt“, beschreibt der Unternehmer den Stand von Mobilfunk- und Internetversorgung.

„Der Verbrennungsmotor wird bleiben. Die Frage ist, mit welchem Medium er betrieben wird.“ Helmut Becker, Automobil- und Industrieexperte
„Der Verbrennungsmotor wird bleiben. Die Frage ist, mit welchem Medium er betrieben wird.“ Helmut Becker, Automobil- und Industrieexperte | Bild: Roland Sprich

Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stehe auf dem Spiel. „Jetzt braucht es Taten“, machte der Kammer-Vizepräsident deutlich und an die Adresse der Politik gerichtet. Er forderte „Rückenwind statt Gegenwind und ein Ende der Verteufelung des Verbrennungsmotors angesichts der Tatsache, dass wir die besten Motoren der Welt produzieren.“ Nirgendwo habe die Automobilindustrie so eine große Bedeutung wie in Deutschland. Jeder vierte erwirtschaftete Euro geht auf das Automobil zurück, pro Jahr rund 400 Milliarden Euro. Dabei stellen die Zulieferbetriebe einen wichtigen Faktor dar. Allein in der IHK-Region gibt es 1000 Zulieferbetriebe für die Automobilindustrie, die 60 000 Mitarbeiter beschäftigen. Sie müssen mit den Herausforderungen sinkender Margen, Überkapazitäten und Rückgang in China und dem hohen Investitionsdruck zurechtkommen. Daraus ergebe sich die Schlussfolgerung, „dass wir den Welthandel wieder stärken und den Ausbau der Infrastruktur beschleunigen müssen. Deutschland muss aus dem Dornröschenschlaf erwachen.“

Helmut Becker ist Makro-Ökonom und Volkswirt. Er verfolgt die Konjunkturentwicklung seit den 1970er Jahren und stellt fest, dass „wir uns bisher von Krisen immer wieder erholt haben. Aber jetzt scheint es, dass der Zenit erreicht bis überschritten ist.“ 70 Prozent der Produktion in der Autoindustrie seien für den Export bestimmt, wovon wiederum zwei Drittel innerhalb Europas bleiben. Der Rest ist für den US-amerikanischen sowie den chinesischen Markt. „Ohne Export kann die Autoindustrie nicht existieren“, machte Becker angesichts des hohen Export-anteils deutlich. Als großes Problem sieht der Experte die Diskussion um die Umweltbilanz von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren und den Versuch der Regierung, die Bürger zum Umsteigen auf Elektroautos zu motivieren. „Die Kunden wollen keine Elektroautos, sonst würden sie längst auf der Straße stehen und sie fordern.“ Kein anderes Land sei in Sachen E-Mobilität so fanatisch wie die Deutschen. Dennoch ist sich Becker sicher, „der Verbrennungsmotor bleibt. Es stellt sich nur die Frage nach dem Medium, mit dem er betrieben wird.“ Als Ausblick sagte er, dass die Konjunktur gespalten ist. „Die Autoindustrie steckt bereits in einer tiefen Rezession.“ Nur weil der Dienstleistungsbereich, zu dem auch die Baubranche zählt, boomt, kann die Politik die Rezession noch überspielen.“

Becker beleuchtete zudem den Aspekt, dass der Bau von Elektroautos auch viele Arbeitsplätze kosten würde. „Eine Stadt von der Größe Münchens würde aus dem Wirtschaftsprozess verschwinden.“ Abschließend ist sich der Experte sicher. „Batteriebetriebene E-Mobilität hat keinen Wert.“