Im Bezug auf Digitalisierung von Schule und Unterricht im Schwarzwald-Baar-Kreis hat man „landesweit die Nase vorn“, kann Landrat Sven Hinterseh im Bildungsausschuss zu Recht sagen. Binnen vier Jahren hat die IT-Stabsstelle im Landratsamt in Kooperation mit der Hochschule Furtwangen (HFU) das Projekt „Digitalisierung von Schule und Unterricht an den Kreisschulen“ entwickelt. Das Ergebnis wurde jetzt im Fachausschuss des Kreistages vorgestellt.

  • Das Projekt: Bereits im Herbst 2016 hatte der Kreistag die Freigabe der finanziellen Mittel für die Digitalisierung der Schulen in Trägerschaft des Kreises freigegeben. Die Fakultät Digitale Medien der HFU unterstützt und begleitet die Schul-IT der Kreisverwaltung seitdem sowohl bei der Entwicklung der Konzeption als auch in der laufenden Umsetzungsphase. Das umfangreiche Gesamtprojekt ist in drei Teile gegliedert: Breitbandversorgung und IT-Struktur, Medienentwicklungspläne und Digitalisierung des Unterrichts sowie Digitale Lernumgebung und virtueller Klassenraum. Ein Arbeitsumfang, der von Breitbandausbau über WLAN-Einrichtung, Beschaffung und Installation von Hard- und Software, Fortbildung für Pädagogen bis zur Umstellung der Didaktik auf digitalisierten Unterricht reicht.
  • Wie es begann: Schon Anfang 2017 wurden an Pilotschulen Teilprojekte gestartet: WLAN und Breitband an der Albert-Schweitzer-Schule in Villingen und Intranet und WLAN an den Kaufmännischen- und Hauswirtschaftlichen Schulen in Donaueschingen. Von Oktober 2017 bis Dezember 2019 entstanden für die einzelnen Arbeitspakete detaillierte und modular aufgebaute Konzepte. Damit könnten jetzt die einzelnen Schulen aus dem Gesamtkonzept zur Digitalisierung von Schule und Unterricht einzelne Teile herauslösen und umsetzen, oder das Gesamtkonzept komplett etablieren, erklärt IT-Projektleiterin Melanie Huß vom Landratsamt.
  • Der Stand: Es sei der Schul-IT der Kreisverwaltung gelungen, ein Gesamtkonzept zu erstellen, das sich von der Breitbandkonzeption bis hin zum digitalen Klassenzimmer bewegt, sagen die Professoren Jürgen Anders und Ullrich Dittler von der HFU. Die Konzeption werde vom Land und vielen anderen Kreisen als beispielhaft angesehen. Mehrfach wurde der Schwarzwald-Baar-Kreis zu Präsentationen eingeladen und verschiedene Landkreise erkundigten sich über den Prozess und den Weg. Gleichwohl, mit „Hard- und Software ist es nicht getan“, sagt Dittler. Das Feld an den Schulen sei noch nicht so weit bearbeitet wie gedacht und auch die digital-affine Generation stelle nicht „die Learner, die wir uns vorstellen“. Mit der Entwicklung pädagogischer Unterrichtskonzeptionen gehe es jetzt erst so richtig los. Derzeit werden die bisher erarbeiteten Ideen und Konzepte an den Schulen des Kreises umgesetzt und in den Schulalltag integriert. Hard- und Software könne künftig zentral über die Kreismedienstelle beschafft werden. Fünf Kreisschulen hätten inzwischen Förderanträge gestellt. Ein Zuschlag sei bereits erteilt worden, die anderen lägen ganz oben auf dem Stapel, berichtet Stefan Löffler vom Amt für Schule und Bildung.
  • Die Finanzierung: 2018 und 2019 hat die Kreisverwaltung Förderanträge für Mittel aus dem Kommunalen Sanierungsfonds mit einem Gesamtvolumen von rund 14 Millionen Euro für bauliche und IT-Maßnahmen gestellt. Aus dem „Digitalpakt Schule“ stehen für die Kreisschulen Fördermittel von 4,14 Millionen Euro bereit, die projektbezogen von den Schulen noch bis Ende April 2022 abgerufen werden können. Zur Finanzierung des Eigenanteils in Höhe von 20 Prozent sollte der Kreis bis 2022 jährlich 500 000 Euro zur Verfügung stellen, um die Vielzahl der noch offenen Digitalisierungsthemen abzuarbeiten, so Landrat Sven Hinterseh.
  • Das sagen die Kreisräte: Zum durchgängigen Lob gab es aber auch ein paar kritische Anmerkungen. So mahnte CDU-Sprecher Markus Keller absehbare Ersatzbeschaffungen im Hardwarebereich zu bedenken. Hans-Joachim von Mirbach (Grüne) verwies auf die noch fehlende Software und den immensen zusätzlichen Zeitaufwand der Lehrerschaft für die Softwarebetreuung. Auf Nachfrage von Walter Klumpp (FW) sicherte Huß zu, dass die Projektpakete auch anderen Schulen zugänglich sein sollen. Für Peter Rögele (SPD) ist fraglich, ob alle Schulen im vorgegebenen Zeitrahmen bis April 2022 ihre Konzeption erstellt und Förderanträge eingereicht haben. Mit Blick auf den Lehrermangel sprach Nico Reith (FDP) Vorstellungen von „home school“ an und mahnte, die Kreisgemeinden als erste vom Digitalisierungsprojekt der Kreisschulen profitieren zu lassen. Mit einstimmigem Votum des Bildungsausschusses wird die Verwaltung beauftragt, in den Haushaltsentwurf 2021 wie im vergangenen Jahr 500 000 Euro an Digitalisierungsmitteln einzustellen.