Gesichert an der Signalleine steigt der Einsatztaucher in das trübe Wasser des Riedsees. Immer unter Beobachtung des Signalmanns, welcher die entsprechenden Anweisungen gibt, wo abgetaucht werden soll. Dann stimmen sich die beiden noch einmal mit Handzeichen ab, kurz darauf ist der Einsatztaucher unter der Wasseroberfläche verschwunden. Es handelt sich dabei zwar nur um eine Übung, doch auch diese haben es immer wieder in sich.

Suchen im trüben Wasser

„Eine Herausforderung beim Einsatztauchen ist insbesondere der psychische Stress, nichts zu sehen und sich tastend fortzubewegen“, erklärt Alexander Laufer. Der 34-Jährige ist Fachbereichsleiter Katastrophenschutz im Bezirk Schwarzwald-Baar der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und kann auf jahrelange Erfahrung zurückblicken. Er weiß deshalb von den Stresssituationen zu berichten, wenn die Helfer der größten ehrenamtlichen Wasserrettungsorganisation der Welt unter Wasser nach Personen suchen. Laufer: „Man weiß nie, worauf man stößt – ein Ast, einen Stein, oder die gesuchte Person.“

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Der Neoprenanzug schützt vor Kälte

Die Einsatztaucher, die beispielsweise auch von der Polizei für Suchaktionen angefordert werden, bilden aber nur einen Teil der insgesamt 77 Einsatzkräfte der DLRG. Neben den klassischen Rettungsschwimmern und den Bootsführern, gibt es beispielsweise auch die Strömungsretter, an die ebenfalls besondere Anforderungen gestellt werden. So können diese dank Neoprenanzug 365 Tage im Jahr ins Wasser, bekommen darüber hinaus aber zudem eine Kletterausbildung.

Die Helfer der DLRG, hier Melanie Gühring (von links), Alexander Laufer, Carsten Roth-felder, Bärbel Noel, Susanne von Glasow, Oliver Haas und Simone Schwanenberger, sind die Spezialisten für Wasserrettungseinsätze.
Die Helfer der DLRG, hier Melanie Gühring (von links), Alexander Laufer, Carsten Roth-felder, Bärbel Noel, Susanne von Glasow, Oliver Haas und Simone Schwanenberger, sind die Spezialisten für Wasserrettungseinsätze. | Bild: Marc Eich

Eine Kletterausbildung für die Wasserrettung – wie kommt das? „Die Helfer kommen zum Einsatz, sobald eine spezielle Sicherung notwendig wird“, erklärt Laufer. Dies ist unter anderem der Fall, wenn Personen im Hochwassergebiet aus ihren Häusern evakuiert werden müssen oder Verunglückte aus schwer zugänglichen Gewässern zu retten sind – zum Beispiel im Bereich der Triberger Wasserfälle. „Dann sichern sich die Retter mit dem Klettergurt.“

Etwa fünf Notfälle pro Jahr

Auch wenn im Schwarzwald-Baar-Kreis zahlreiche Gewässer und mehrere Schwimmseen zu finden sind, bei denen die Helfer dank ihrer ehrenamtlichen Rettungswachdienste den Freizeitspaß gewährleisten, müssen die Einsatzkräfte der neun DLRG-Ortsgruppen im Schnitt nur fünf Mal im Jahr zu Notfällen ausrücken. „Meist werden wir zu Regenrückhaltebecken oder Suchaktionen alarmiert, bei denen sich im betroffenen Gelände ein See befindet“, berichtet der Katastrophenschutz-Leiter, der mit seinem Team das gesamte Kreisgebiet sowie darüber hinaus die benachbarten Landkreisen abdeckt.

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Teilweise handelt es sich hierbei auch um belastende Einsätze – so werden DLRG-Kräfte unter anderem zu Suiziden gerufen. Im Gedächtnis geblieben ist Laufer, der von klein auf Teil der Wasserrettungsorganisation angehört und in dieser ebenfalls als Ausbilder tätig ist, aber insbesondere ein dramatischer Einsatz in Schwenningen. Hier stürzte vor fünf Jahren ein einjähriger Junge in den Vorderen See und musste daraufhin reanimiert werden. „Der Junge hatte Glück und trug keine Folgeschäden davon – mittlerweile macht er bei uns in der Ortsgruppe einen Schwimmkurs“, berichtet Laufer vom glücklichen Ausgang des dramatischen Einsatzes.

Schwimmkurse sind enorm wichtig

Überhaupt, so der 34-Jährige, sei die Schwimmausbildung eines der wichtigsten Anliegen der DLRG, die im Kreis knapp 3000 Mitglieder hat und sich beim Blaulichttag am Sonntag, 7. Juli, präsentieren wird. Angesichts der zahlreichen Bäderschließungen aufgrund von Verlustgeschäften sei die flächendeckende Schwimmausbildung aber gefährdet. „Die öffentliche Hand hat das Problem offenbar noch nicht erkannt“, erklärt Alexander Laufer. „Denn lieber soll das Schwimmen beigebracht werden, als dass wir retten müssen!“