Schwarzwald-Baar – Sie hat es gehofft, war aber wohl zugleich etwas skeptisch. Katharina Hattler aus VS-Weilersbach schrieb im September 2017 an die Abgeordneten des Landtags Baden-Württemberg einen Brief mit kritischen Anmerkungen zum Verhältnis von Politik und jungen Leuten – und wünschte sich, dass ihre Gedanken nicht einfach abgetan werden. Womit sie wohl weniger gerechnet hatte: Sie hat mit diesem Brief den Hauptpreis des Schülerwettbewerbs des Landtags gewonnen. Unter 3200 teilnehmenden Schülern ging Katharina Hattler tatsächlich als Siegerin hervor. Jetzt traf sie die beiden Parlamentsabgeordneten Thorsten Frei und Karl Rombach von der CDU.

Ihr politisches Interesse ist groß: Die 14-jährige Schülerin liest gerne und regelmäßig Zeitung und verfolgt auch täglich die aktuellen politischen Nachrichten mit großem Interesse. In der Zeitung habe sie auch die Meldung über den Wettbewerb gefunden und sich spontan entschlossen, mitzumachen. Bei ihr daheim werde auch viel über Politik gesprochen und diskutiert, erzählte sie beim Treffen mit den Politikern in der CDU-Geschäftstelle in Villingen am Montag.

In ihrem Brief schrieb sie, dass die Jugendlichen vergessen würden, dass sie Politik und Politiker nicht verstünden, weil diese keine klaren Aussagen machen würden, sondern geschickte Rhetorik mit wenig Inhalt und Verbindlichkeiten bieten würden. Auch für sie sei es oft schwer, alles zu verstehen, obwohl sie sich in viele Themen eingelesen habe.

Weiter fragte sie in dem Brief, ob es den Politikern nicht auffallen würde, dass "immer mehr jüngere Leute (und nicht nur aus den unteren Einkommensschichten) anfälliger werden für extreme Gruppierungen?" Sie finde diese Entwicklung erschreckend und habe sich viele Gedanken gemacht. Katharina weiter: "Dabei fällt mir auf, dass viele junge Leute schlicht und einfach vergessen werden, wenn es darum geht politisches Interesse zu wecken." Das alles bekräftigte sie in dem Gespräch erneut und brachte außerdem vor, dass es ihr nicht gefalle, wie es in der Politik und unter den Politikern selbst zugehe.

Der Bundestagsabgeordnete Thorsten Frei und sein Kollegen aus dem Landtag, Karl Rombach, nahmen den Standpunkt der 14-jährigen Gymnasiastin sehr ernst. Ihm sei immer schon die Jugendarbeit wichtig gewesen, so Rombach. "Das Problem ist, dass jeder in seiner Blase lebt und sich nur dafür interessiert", meinte Thorsten Frei. Der Brief habe alle zum Nachdenken gebracht. Er verstehe den Brief als Mahnung, fair miteinander umzugehen. "Man muss sich einmischen, wenn etwas nicht funktioniert", sagte er und lobte die junge Dame für ihr Interesse.

Befragt, wie man Politik zu den Jugendlichent transportieren könne, verblüffte Katharina mit ihrem Vorschlag, den Weg über soziale Medien zu versuchen. "Warum nicht zum Beispiel eine Diskussion mit dem Rapper Bushido oder Informationsfilme auf Youtube veröffentlichen?", war die Frage. Politiker würden eine ganz andere Sprache sprechen als Jugendliche, erklärte die Preisträgerin weiter und riet Frei, doch mal allein mit einer Klasse zu sprechen, ohne den Lehrer, damit er hören und verstehen könne, wie die Jugendlichen tatsächlich reden.

Katharina Hattler wurde immer wieder für ihren Mut gelobt, diesen Brief zu schreiben. "Wer sich so interessiert, der muss sich engagieren", erklärten Frei und Rombach ihr. Beide boten ihr Praktika an. "Dafür bin ich eigentlich noch zu jung", antwortete die 14-Jährige, die einmal Psychologie studieren will. Aber sie werde vielleicht später auf das Angebot zurückkommen. Zunächst wird sie zusammen mit den anderen Preisträgern eine siebentägige Studienfahrt nach Trient unternehmen.