Schwarzwald-Baar – Durchwühlte Schwarzwald-Wiesen, zerfressene Maisäcker – und jetzt auch noch die Afrikanische Schweinepest, die auf Hausschwein-Bestände übertragen werden könnte: Die Wildschweine werden im Schwarzwald-Baar-Kreis und den Nachbarregionen zusehends zum Problem für die Landwirtschaft.

Der Grund: Es gibt immer mehr von den Schwarzkitteln – wohl auch durch das größere Futterangebot durch verstärkten Anbau von Mais für Biogasanlagen. „Fest steht, dass sich das Schwarzwild deutlich vermehrt hat“, bestätigt die Kreisverwaltung. Die Wildschweine seien mit dem Klimawandel nun auch in die höheren Lagen des Schwarzwaldes vorgedrungen. Obendrein verweist Kreisjägermeister Knut Wälde auf den Klimawandel als Ursache dafür, dass Wildschweine inzwischen oft nicht nur einmal, sondern zweimal pro Jahr Junge bekämen.

Um gegen die drohende Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest vorsorglich vorzugehen, verlangte der Deutsche Bauernverband nun am Freitag, 70 Prozent der Wildschweine abzuschießen. Allerdings: Wäre eine verstärkte Jagd im Schwarzwald und auf der Baar überhaupt so einfach umzusetzen?

Schon bisher ist es nicht gelungen, die Bestände nachhaltig zu verringern, trotz der Wildschäden für die Landwirtschaft. Dafür müssen die jeweiligen Jagdpächter finanziell geradestehen. Das kann schnell mehrere tausend Euro kosten, wie Kreisjägermeister Wälde aus seiner Erfahrung als landesweit gefragter Wildschadensschätzer weiß. „Und Versicherungen gegen dieses Risiko sind mir nicht bekannt.“

Es gibt also gute Gründe für Jäger, auf die Schwarzkittel anzulegen: „Wir versuchen zu schießen, was geht“, versichert Wälde. Doch das ist nicht so einfach: „Die Sauen sind schlau“, sagt Wälde, und wechselten auch häufig von einem Revier zum nächsten, problemlos über 30, 40 Kilometer hinweg.

Das macht die Wildschweinjagd zur besonderen Herausforderung. Zum einen kann sich ein einzelner Jäger in den Dämmerungs- und Nachstunden auf die Lauer legen. Geringe Mengen an Futter zum Anlocken sind laut Landesjagdgesetz erlaubt. Doch das ist keine Garantie, dass sich die Tiere blicken lassen. Wenn doch eine Rotte kommt, gilt es trotz Dunkelheit sicher zu treffen. Nachtsichtgeräte sind teuer, künstliche Lichtquellen verboten. Und wenn ein Wildschwein erlegt wurde, treten die anderen gleich die Flucht an. Mehr Erfolg versprechen Drückjagden: Treiber mit Hunden jagen das Schwarzwild aus seinen Verstecken in die Richtung von Jägern, die bereits auf Schussgelegenheiten warten. Aber der Aufwand ist hoch. Entweder muss man vorab viele Treiber und Jäger organisieren, um ein größeres Gebiet ins Visier zu nehmen in der Hoffnung, dass dort gerade Wildschweine sind. Oder man schaut sich am Morgen im Revier um – „und wenn Sauen da sind, telefoniert man Jäger und Treiber zusammen, um möglichst schon mittags auf Drückjagd gehen zu können“, so Wälde. „Aber: Wo kriegt man die Leute immer so schnell her? Viele sind ja berufstätig“, so Wälde, die könnten nicht mal eben zwischendurch auf die Jagd gehen. Ein gutes Dutzend Jäger und vier bis fünf Treiber samt Hunden brauche es schon.

Infoabend

Die bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Martina Braun veranstaltet am 17. Januar einen öffentlichen Informationsabend unter dem Titel "Schwarzwild, Schweinepest und Wiesenschäden: Was kommt da auf uns zu?". Geplant sind Kurzvorträge und eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Forst und Jagd, des Veterinäramts, vom Umwelt- und Naturschutz sowie mit Vertretern aus der Landwirtschaft und den Kommunen. Die Veranstaltung im Brigachhaus, Ginsterweg 3A in St.Georgen-Brigach, beginnt um 18.30 Uhr.