Ballett ist ein Faszinosum: Künstlerischer Tanz mit dazugehöriger Musik ist etwas, das ein Publikum auf eine kaum fassbare Weise in seinen Bann zieht. Die aktuelle dreijährige Partnerschaft zwischen dem Bayerischen Junior Ballett München und dem Kulturamt der Stadt Villingen-Schwenningen wird dazu jetzt zwei weitere sehens- und hörenswerte Beispiele liefern. Am kommenden Sonntag, 19. Mai, begibt sich das Sinfonieorchester VS um 17 Uhr im Franziskaner mutig auf ungewohntes Terrain abseits von Haydn, Mozart und Beethoven.

Unter der Leitung von Achim Fiedler werden die Musiker die beiden jungen Tänzer Armando Arens und Nikita Voronin begleiten, die nach einer Choreografie des erst 21-jährigen Franzosen Florimond Poisson ein selten zu hörendes Werk tänzerisch umsetzen werden: „Les Eléments“ von Jean-Féry Rebel. Diese französische Musik aus der Zeit Ludwigs XV. überrascht durch außergewöhnliche tonmalerische Effekte. Arens und Voronin können die gern zitierten zwei Seiten des Balletts verdeutlichen: fast gleichzeitig zu schweben und kurz darauf doch stabiler als sonst jemand auf dem Boden zu stehen.

Ein Klassiker des Balletts des 20. Jahrhunderts ist nur neun Tage später, am Dienstag, 28. Mai, um 20 Uhr im Theater am Ring, zu erleben. Das Bayerische Junior Ballet wird unter anderem „Das Triadische Ballett„ von Oskar Schlemmer aufführen und die von Hans-Joachim Hespos dazu komponierte Musik aus dem Jahr 1977 umsetzen. Als Choreografen verantwortlich zeichnen der ehemalige Direktor des Bayerischen Staatsballetts Ivan Liska und seine Frau Colleen Scott.

Für Schlemmer, in den 1920er Jahren als Meister am Bauhaus in Weimar und Dessau tätig, war die Drei eine beherrschende Zahl. Dreiheiten wie Form, Farbe und Raum oder Höhe, Breite und Tiefe hatten für ihn eine grundlegende Bedeutung. Im „Triadischen Ballett„ wollte er speziell die Dreiheit von Tanz, Kostüm und Musik zusammenführen. Wie das möglich ist, hat sich schon 1926 beim Vorläufer der Donaueschinger Musiktage gezeigt, als Paul Hindemith entsprechende Musik für eine kleine mechanische Orgel beigesteuert hat. Wie Liska und Scott nun im 21. Jahrhundert konzeptionell vorgehen und dabei die Musik von Hespos verwenden, wird vermutlich eine reizvolle Augenweide.