Auf mehr als 150 Jahre Geschichte kann die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg zurückblicken – aber erst jetzt hat sie erstmals eine Frau an ihrer Spitze: Die neu gewählte Vollversammlung der Kammer hat am Mittwoch die Unternehmerin Birgit Hakenjos-Boyd aus Villingen-Schwenningen mit 41 Ja-Stimmen, zwei Enthaltungen und zwei Nein-Stimmen zur IHK-Präsidentin bestimmt. Weitere Bewerber um das Ehrenamt hatte es nicht gegeben.

Bild: Jens Fröhlich

Für die 52-Jährige ist es ein großer Sprung: Gerade ist sie überhaupt erst Mitglied der IHK-Vollversammlung geworden, nun hat sie sogleich das Spitzenamt erreicht. Eine interne Findungskommission hatte sie angesprochen, ob sie kandidieren wolle. „Nach reiflicher Überlegung und vielen Gesprächen“ sei sie dann angetreten, sagte sie nach der Wahl bei einem Pressegespräch.

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  • Biografie: Die Schwenningerin ist eine Mittelständlerin aus der Region. Sie hat nach der Fachhochschulreife zwei Ausbildungen abgeschlossen – zunächst als Feinwerkmechanikerin an der Feintechnikschule in VS-Schwenningen, dann auch noch als Industriekauffrau. Seit 1985 ist sie im mehr als 100 Jahre alten Familienunternehmen tätig, seit 2002 als geschäftsführende Gesellschafterin in der vierten Generation. Das Unternehmen mit 65 Mitarbeitern (inklusive zehn Auszubildenden) und einem Jahresumsatz von zuletzt 6,8 Millionen Euro stellt unter anderem Präzisionswerkzeuge für den Karosseriebau und die Spritzguss-Branche her. Sie lebt in VS-Schwenningen mit ihrem Mann, ihr 19-jähriger Sohn Finn studiert technische Volkswirtschaft in Karlsruhe und wird, so hofft seine Mutter, einmal ihr Nachfolger werden.
  • Arbeitsschwerpunkte: Oberste Priorität hat für die neue IHK-Präsidentin das Thema Fachkräfte. Denn diese fehlten nahezu jedem Unternehmen. Es gelte, Wege zu finden, um Jugendliche für die duale Ausbildung zu werben – und insbesondere junge Frauen für technische Berufe zu begeistern.
  • Zweiter Schwerpunkt soll die Unternehmensförderung sein: Die Kammer müsse alles dafür tun, die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Mitgliedsunternehmen in der Region zu stärken. Beispielsweise gelte es, beim Thema Unternehmesnachfolge mehr Hilfestellung zu bieten, damit die Übergabe von Firmen gelinge, wenn ein Unternehmer in den Ruhestand treten wolle. Außerdem sollten Unternehmensgründungen mit einem regionalen Start-Up-Konzept gefördert werden, das in ein bis zwei Jahren entstehen soll.
  • Dritter Schwerpunkt ist die Standortentwicklung mit dem Ziel, die Region vital zu halten. Dazu gehöre das Drängen auf flächendeckende leistungsfähige Internetverbindungen und den Ausbau von Gäubahn und wichtiger Straßen. Zudem müsse die IHK Politik und Verwaltung bei der Förderung von Standortfaktoren wie Wohnen, Tourismus, Sport- und Kultureinrichtungen beraten. Nicht zuletzt müsse die Region mehr Selbstbewusstsein zeigen als führender Industriestandort.

Über seine Nachfolgerin freute sich der bisherige IHK-Präsident Dieter Teufel nachdrücklich: Sie habe einfach wunderbar „ins Fahndungsraster“ gepasst. Er hatte sich nach 20 Jahren als IHK-Präsident nicht mehr für das Amt und die Vollversammlung zur Wahl gestellt hatte. Die Vollversammlung würdigte seine Verdienste nun unter anderem mit der Ernennung zum IHK-Ehrenpräsidenten.

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Neues Präsidium

Die neue Vollversammlung der IHK hat auch insgesamt sechs Vizepräsidenten (je zwei pro Landkreis) bestimmt. Für den Schwarzwald-Baar-Kreis wurden Hans-Rüdiger Schewe (Fürstlich Fürstenbergische Gesamtverwaltung, Donaueschingen) sowie Steffen Würth (Straub Verpackungen, Bräunlingen) wiedergewählt. Für den Kreis Rottweil wurden Bettina Schuler-Kargoll (Schuler Rohstoff, Deißlingen) im Amt bestätigt und Achim Scheerer (Scheerer Logistik, Aichhalden) neu gewählt. Für den Kreis Tuttlingen wurden Thomas Butsch (HEBUmedical, Tuttlingen) und Harald Marquardt (Marquardt GmbH, Rietheim-Weilheim) erstmals gewählt.