Zum zehnten gemeinsam vom Maschinenring Schwarzwald-Baar und dem Badisch-Landwirtschaftlichen Hauptverband BLHV, Bezirk Donaueschingen/Villingen organisierten Agrartag in Donaueschingen kamen Hunderte Landwirte aus ganz Südbaden. Höhepunkt war der Besuch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Er stärkte den Bauern den Rücken und versprach, sich für mehr Fairness und Wertigkeit in der Landwirtschaft einzusetzen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann stärkt den Landwirten beim Agrartag in Donaueschingen den Rücken.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann stärkt den Landwirten beim Agrartag in Donaueschingen den Rücken. | Bild: Sprich, Roland

Empfangen wurde der baden-württembergische Landesvater bereits vor den Toren Donaueschingens mit einer Traktorparade. Rund 30 Landwirte haben ihre Traktoren postiert und machten mit Spruchbändern auf ihre Situation aufmerksam. In seiner Rede in den Donauhallen später vor rund 600 Zuhörern, darunter Landrat Sven Hinterseh und die Landtagsabgeordneten Martina Braun (Grüne) und Karl Rombach (CDU) sowie Vertreter von Bauernverbänden, fand Kretschmann klare Worte. Auf dem Land aufgewachsen und mit einer Bauerstochter verheiratet liege ihm die Landwirtschaft ganz besonders am Herzen und die Arbeit der Landwirte müsse ausreichend gewürdigt werden. „Ich kann ihre Sorgen verstehen. Deshalb, und um ihnen meine Wertschätzung entgegen zu bringen, bin ich heute zu ihnen gekommen. Denn an Wertschätzung mangelt es in der Gesellschaft“, so Kretschmann.

Mit einer Traktorenparade und Plakaten empfangen die Landwirte Ministerpärsident Kretschmann auf seiner Anfahrt nach Donaueschingen. Bild: Roland Sprich
Mit einer Traktorenparade und Plakaten empfangen die Landwirte Ministerpärsident Kretschmann auf seiner Anfahrt nach Donaueschingen. Bild: Roland Sprich | Bild: Sprich, Roland

Hier nahm der Ministerpräsident ausdrücklich die Verbraucher in die Pflicht. Jeder Einzelne trage mit seinem (Einkaufs)-Verhalten zur Landschaftsentwicklung bei. Dass die Bauern, die seit Jahrhunderten die Landschaft pflegen, für ihre wertvolle Arbeit nur einen müden Kostenausgleich erhalten, sei zu wenig. „Das müssen wir ändern. Lebensmittel sollen preiswert sein. Sie sollen ihren Preis wert sein. Nicht billig.“ Den Unterschied zwischen Preiswert und billig sieht Kretschmann als Grundlage für eine große Debatte. Geiz sei nun mal nicht geil, sondern habe verheerende Folgen gerade in diesem Bereich. Es gelte, das Dreieck zwischen Erzeugern, Verbrauchern und Natur wieder in Balance zu bringen. Dafür werde er sich in Brüssel und Berlin einsetzen.

Rund 600 Bauern aus dem ganzen Südwesten hören in den Donauhallen zu, was der Ministerpräsident zur Situation der Landwirte zu sagen hat. Für seine Rede erhielt Winfried Kretschmann viel Beifall.
Rund 600 Bauern aus dem ganzen Südwesten hören in den Donauhallen zu, was der Ministerpräsident zur Situation der Landwirte zu sagen hat. Für seine Rede erhielt Winfried Kretschmann viel Beifall. | Bild: Sprich, Roland

Kretschmann sprach in seiner gut 45-minütigen Rede auch Themen wie Artenschutz und Düngemittelverbot an. Man wolle den Artenschutz auch auf Städte und Siedlungen ausweiten und die Unsitte von Steingärten unterbinden. „Vögel ernähren sich nun mal von Insekten, nicht von Steinen.“ Es sei wichtig dass die Landwirte sich aktiv am Landesprogramm zum Erhalt der biologischen Vielfalt beteiligen. Dazu gehöre der verantwortungsvolle Einsatz von Düngemitteln. „Nitrate und Pestizide haben im Grundwasser nichts verloren. Wir tragen alle gemeinsam eine große Verantwortung für sauberes Wasser.“ Wenn einzelne schwarze Schafe einen ganzen Berufsstand in Verruf bringen, müsse man mit aller Entschiedenheit dagegen vorgehen. Seine Ausführungen quittierten die Zuhörer mit kräftigem Beifall.

Mit überdimensionalen Plakaten machen die Landwirte am Straßenrand auf ihre Situation aufmerksam. Vorbeifahrende Autofahrer signalisieren hupend Solidarität.
Mit überdimensionalen Plakaten machen die Landwirte am Straßenrand auf ihre Situation aufmerksam. Vorbeifahrende Autofahrer signalisieren hupend Solidarität. | Bild: Sprich, Roland

BLHV-Vizepräsident Bernhard Bolkart sprach unter anderem das Stichwort Überbürokratisierung und Ausweitung von Kontrollen bei gleichzeitiger Reduzierung von fachlicher Unterstützung an. Er kritisierte, dass dadurch ein Klima des Misstrauens gefördert werde und appellierte, den Landwirten künftig wieder mehr fachliche Beratung anzubieten. Winfried Kretschmann sagte, dass er das Thema sehr ernst nehme. Allerdings müsse man auch die Ursachen für den bürokratischen Aufwand sehen. Erhöhtes Sicherheitsdenken, übersteigertes Gerechtigkeitsdenken und Gerichtsurteile führten dazu. Wenig Hoffnung machte der Ministerpräsident indessen auf den Wunsch der Bauern auf Abschaffung der Bruttoflächendiskussion. Dies lasse sich in dieser Förderperiode nicht mehr umsetzen.

Auf dem Agrartag, der vom BLHV und Maschinenring Schwarzwald-Baar zum zehnten Mal organisiert wurde, können die Besucher sich über neueste Technologien von Ackerbau bis Stalltechnik informieren. Hier läst sich ein Landwirt gerade die Steuerung eines neuen Traktors erklären.
Auf dem Agrartag, der vom BLHV und Maschinenring Schwarzwald-Baar zum zehnten Mal organisiert wurde, können die Besucher sich über neueste Technologien von Ackerbau bis Stalltechnik informieren. Hier läst sich ein Landwirt gerade die Steuerung eines neuen Traktors erklären. | Bild: Sprich, Roland

Den Agrartag nutzten die Landwirte vor allem auch zum gegenseitigen Austausch und für Kunden- und Lieferantengespräche. Rund 40 Aussteller informierten auf der Messe die Fachbesucher über neueste Technologien, Maschinen und Geräte für den Acker und für den Stall. Melktechnik stand dabei ebenso im Mittelpunkt wie mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der Energiebilanz. „Hier trifft sich der Landwirt vor Ort mit dem Händler vor Ort“, fasste Rainer Hall, Geschäftsführer vom Maschinenring Schwarzwald-Baar, zusammen. Er zieht eine durchweg positive Bilanz der eintägigen Fachveranstaltung. „Wir sind vollauf zufrieden, es sind wie erhofft viele Landwirte da. Es ist für uns wie ein Ritterschlag, dass die Veranstaltung so gut angenommen wird.“

Mit der Rede des Ministerpräsidenten war Hall zufrieden. „Man hat gemerkt, dass er in der Materie drin ist und ihm die Landwirtschaft wirklich am Herzen liegt.“ Die große Herausforderung sieht BLHV-Bezirksgeschäftsführer Oliver Maier jetzt darin, dem Verbraucher zu verdeutlichen, dass Lebensmittel ihren Preis wert sein müssen. „Das wird eine Herkulesaufgabe des Gesellschaftsvertrags.“

Der Agrartag sei für die Landwirte auch eine Gelegenheit, sich als Landwirte gegenseitig moralisch zu unterstützen. „Wir werden derzeit von der Gesellschaft als Sündenbock dargestellt und sollen an allem schuld sein“, sagt Rainer Hall vom Maschinenring. Und fügt hinzu: „Auf dem Agrartag sehen die Bauern, dass sie mit der Situation nicht alleine sind.“