Eine ungeahnte Welle der Hilfsbereitschaft ereilt die Landwirtsfamilie Schwörer in VS-Pfaffenweiler. Nachdem ein Botulismus-Erreger seit Ende Juni nahezu den gesamten Milchviehbestand dahin raffte, spendeten zahlreiche Bürger, Kollegen, Firmen und Institutionen. Mittlerweile kamen knapp 62 000 für einen wirtschaftlichen Neuanfang zusammen. Im Video bedanken sich Landwirtin Susanne Schwörer und Initiatorin Martina braun für die überwältigende Solidarität.

Video: Roland Sprich

Am Montagmorgen überbrachte Martina Braun, Grünen-Landtagsabgeordnete und ebenfalls Landwirtin, die frohe Botschaft persönlich an Susanne und Markus Schwörer. "Ich bin überwältigt von dieser unheimlich großen Bereitschaft der Menschen, zu helfen", freute sich Martina Braun. Ihrer Initiative ist es zu verdanken, dass die Spendenaktion ins Rollen kam. "Ich wollte eigentlich, dass der Zuchtverband die Aktion übernimmt. Aber als nach 14 Tagen keine Antwort kam, habe ich die Dinge selbst in die Hand genommen", sagt Martina Braun und betont, dass sie die Spendenaktion nicht in ihrer Funktion als Landtagsabgeordnete, sondern als Kollegin initiierte.

Fast 500 Spender zeigen sich großzügig

Dass innerhalb weniger Tage eine solch hohe Spendensumme zusammenkommen würde, damit hat Martina Braun selbst nicht gerechnet. 466 Spender haben den bisherigen Betrag von 61 844 Euro zustande gebracht. "Die Spanne reicht von fünf bis 5000 Euro", so Braun. Elf Spender hätten jeweils 1000 Euro gespendet, darüber hinaus gab es zahlreiche Spenden zwischen 100 und 500 Euro.

"Damit habe ich nicht gerechnet. Ich bin überwältigt von dieser unheimlich großen Bereitschaft der Menschen, zu helfen." Martina Braun, MdL und Landwirtin
"Damit habe ich nicht gerechnet. Ich bin überwältigt von dieser unheimlich großen Bereitschaft der Menschen, zu helfen." Martina Braun, MdL und Landwirtin | Bild: Archiv

Für Martina Braun ist jede Spende unabhängig von der Höhe gleich wichtig. "Jeder Euro zählt. Damit konnten wir die Not ein großes Stück lindern." Die große Solidarität von Seiten der Bevölkerung sei für Braun ein Zeichen, "dass die Landwirte ein gutes Standing haben, auch wenn die Landwirtschaft als solche häufig in der Kritik steht." Die Unterstützung der Berufskollegen dagegen beobachtet Braun auch in anderen Notlagen. "Auch wenn der Hof abbrennt, wird geholfen."

Familie ist von der Hilfe überwältigt

Markus und Susanne Schwörer sind überwältigt von dem überaus großen Zuspruch. "Mit so einer großen Unterstützung hätten wir niemals gerechnet und wir bedanken uns bei allen Spendern sehr herzlich." Die bisher zusammen gekommene Summe reicht, um 31 neue Zuchtkühe anzuschaffen. Insgesamt verloren die Schwörers durch den Botulismus-Erreger 54 Milchkühe und Rinder. Den Gesamtschaden beziffert die Versicherung auf rund 72 000 Euro. "Aber das ist rein der Wert der Kühe, ohne die Folgekosten wie Ausfall des Milchgeldes oder fehlende Erlöse durch Viehverkäufe", sagt Markus Schwörer.

Auch die Kühe machen viel durch

Derweil sind die Schwörers von dem Vorfall noch ziemlich mitgenommen.

"Wir gehen noch mit einem unguten Gefühl in den Stall. Wenn ein Tier die Ohren hängen lässt, sind wir beunruhigt." Susanne Schwörer, Landwirtin
"Wir gehen noch mit einem unguten Gefühl in den Stall. Wenn ein Tier die Ohren hängen lässt, sind wir beunruhigt." Susanne Schwörer, Landwirtin | Bild: Kevin Rodgers

"Auch wenn jetzt seit etwa drei Wochen keine weiteren Tiere mehr verendet sind, gehen wir noch mit einem unguten Gefühl in den Stall. Wenn ein Tier das Ohr etwas hängen lässt, sind wir sofort beunruhigt", sagt Susanne Schwörer. Auch die verbliebenen Kühe haben mit den Ereignissen der vergangenen Wochen noch zu kämpfen. "Die haben die Aufregung im Stall und den Abtransport der toten Tiere ja auch mitbekommen."

Ganz behutsam müsse hier wieder Vertrauen zwischen Mensch und den sensiblen Tieren aufgebaut werden. Eine der großen Herausforderungen der nächsten Wochen wird es sein, eine neue Herde zusammenzustellen mit Kühen, die aus verschiedenen Beständen zusammengeführt werden. Ein bisschen Leben hat derweil schon wieder Einzug gehaltenin den Stall der Familie Schwörer. Eine Handvoll Kälber tummelt sich vergnügt in der Box. "Das sind zum Teil Kälber, die uns befreundete Landwirte geschenkt haben", sagt Susanne Schwörer.

Was war passiert?

Am 28. Juni stellten Markus und Susanne Schwörer fest, dass eine ihrer Kühe am Boden lag, zu schwach um aufzustehen. Nach und nach kollabierten immer mehr Kühe, selbst der Tierarzt konnte nicht mehr helfen. Innerhalb eines halben Tages sind die Tiere verendet oder mussten vom Tierarzt erlöst werden. In den darauffolgenden sechs Woche verendeten weitere Tiere, insgesamt 54 Milchkühe und Rinder.

Diese neugierigen Kälbchen tummeln sich vergnügt in ihrer Box im Stall der Schwörers. Die Jungtiere waren von dem Erreger nicht betroffen.
Diese neugierigen Kälbchen tummeln sich vergnügt in ihrer Box im Stall der Schwörers. Die Jungtiere waren von dem Erreger nicht betroffen. | Bild: Kevin Rodgers

Es stellte sich heraus, dass die Tiere an einem Botulismus-Erreger verendeten. Dieser Erreger, der im Erdreich vorhanden ist, ist zunächst ungefährlich. Setzt sich der Erreger in einem Tierkadaver, etwa einer toten Katze fest, und gerät dieser Tierkadaver beim Mähen für Silagefutter ins Mähwerk, entwickelt das Bakterium unter sauerstofffreien Bedingungen ein Gift, das die Tiere mit dem Futter aufnehmen. Bis zum Ausbruch der Symptome dauert es dann zwischen 18 Stunden und 28 Tagen. Wie Markus Schwörer sagt, gibt es keine Versicherung gegen den Botulismus-Erreger, der seit einigen Jahren nicht mehr als Tierseuche angesehen wird.

Das könnte Sie auch interessieren
Das könnte Sie auch interessieren

Hier können Sie spenden

Die Spendenaktion bleibt weiterhin aktiv. Bei der Sparkasse Schwarzwald-Baar wurde ein Spendenkonto eingerichtet. Wer die unverschuldet in Not geratenen Landwirte unterstützen möchte, kann an folgendes Konto spenden:

Konto: Spendenkonto Familie Schwörer

IBAN: DE85 6945 0065 1151 147246.

BIC: SOLADES1VSS.

Bank: Sparkasse Schwarzwald-Baar