"Deutschland ist ein sicherer Staat, Baden-Württemberg ein sehr sicheres Land und der Bereich des Polizeipräsidiums Tuttlingen ist der sicherste im Land", erklärte Polizeipräsident Gerhard Regele zu Beginn der Präsentation der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2018. Regele, der zum Ende des Jahres in den Ruhestand geht, wird ein gut bestelltes Feld hinterlassen. Denn die Zahl der registrierten Straftaten ist, trotz Flüchtlingskrise und EU-Freizügigkeit, so niedrig wie seit mehr als 30 Jahren nicht mehr.

Minus zehn Prozent im Schwarzwald-Baar-Kreis

Im Vergleich zum Vorjahr 2017 ist die Kriminalität im Bereich des Präsidiums um 4,6 Prozent, und im Schwarzwald-Baar-Kreis gar um 10,3 Prozent zurückgegangen. Erfreulich auch: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist um 25 Prozent zurückgegangen. Hier schlägt sich nun die Arbeit der Polizei nieder, die das Problem zum Schwerpunkt erklärt und mit entsprechendem Nachdruck ermittelt hat.

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Telefonauswertung hilft bei der Verbrecherjagd

Dabei spielt der Polizei auch die digitale Kommunikation in die Hände: Dadurch, dass Wohnungseinbrüche zur Straftat erklärt wurden, können die Beamten die auf dem Paragrafen 100a basierenden Möglichkeiten nutzen, um Funkzellen und Telefone auszuwerten. Die Konsequenz ist, dass es 2018 so wenige Einbrüche gab wie seit 35 Jahren nicht mehr. Gerade mal 199 Einbrüche wurden in den fünf Landkreisen Schwarzwald-Baar, Rottweil, Tuttlingen, Freudenstadt und Zollernalb noch registriert.

"Deutschland ist ein sicherer Staat, Baden-Württemberg ein sehr sicheres Land und der Bereich des Polizeipräsidiums Tuttlingen ist der sicherste im Land." Polizeipräsident Gerhard Regele
"Deutschland ist ein sicherer Staat, Baden-Württemberg ein sehr sicheres Land und der Bereich des Polizeipräsidiums Tuttlingen ist der sicherste im Land." Polizeipräsident Gerhard Regele | Bild: JJH

Klare Worte wählte Gerhard Regele auch mit Blick auf die Zahl an ausländischen Straftätern, die einen Anteil von 31,7 Prozent bei einem Bevölkerungsanteil von gut 13 Prozent ausmachen. Asylbewerber spielen hierbei nur eine untergeordnete Rolle. Vor allem Rumänen und Albaner fallen immer wieder unangenehm auf, vor allem bei Einbrüchen.

37 Jahre Überstunden gesammelt

Hoffnung gibt es für die angespannte Personalsituation: Ab 2020 kommen die ersten jungen Polizisten aus den Hochschulen, die die große Zahl an Pensionierungen zumindest teilweise auffangen sollen. "Wir sind personell auf Kante genäht", erklärt Regele dazu. "Wir können den Betrieb derzeit nur aufrechterhalten, weil ich regelmäßig Mehrarbeit anordne." Mittlerweile haben die Polizisten des Präsidiums 77 000 Überstunden oder 37 Arbeitsjahre Überstunden angesammelt. Die Hintergründe erklärt Pressesprecher Dieter Popp:

Video: Marcel Jud
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Angriffe auf Polizeibeamte mehren sich

Leicht angestiegen ist indes die Zahl der tätlichen Angriffe gegen Polizeibeamte. Regele schilderte einen drastischen Fall aus einer Schule, wo einer Polizistin von einer jungen Schülerin unvermittelt ins Gesicht geschlagen wurde. "Das nagt natürlich an den betroffenen Kollegen", erklärt der Polizeipräsident. Zudem fallen die Beamten für den Dienst aus. Für Regele steht fest: Gewalt gegen Polizisten ist ein gesellschaftliches Problem, das mittlerweile jedoch auch von den Staatsanwaltschaften und Gerichten mit entsprechender Härte verfolgt und geahndet werde. "Gewalt ist kein Mittel und das Bewusstsein hierfür fängt mit der Erziehung im Elternhaus, in Kindergarten und Schule an", so Regele.

Bodycams sollen für Sicherheit sorgen

Große Hoffnungen setzt die Polizei nun auf die sogenannten Bodycams. Ab Mai wird mindestens ein Polizeibeamter in jeder Streife mit einer Körperkamera ausgerüstet. Diese laufen während der Streifenfahrt mit und erfassen die letzten 60 Sekunden. Geschieht nichts, werden die Aufnahmen gelöscht. Kommt es zum Ernstfall, kann die Aufnahme per Knopfdruck gespeichert werden und die Kamera erfasst im Anschluss das weitere Geschehen. Die Aufnahmen dienen nicht nur der Polizei, sondern auch den beteiligten Bürgen als Beweismittel vor Gericht. Die Erfahrungen aus Pilotversuchen in Freiburg, Mannheim und Stuttgart sind äußerst positiv: Mit den Bodycams ist die Zahl der Angriffe um bis zu 30 Prozent gesunken. Traurig ist nur, dass es dieser Technik überhaupt bedarf.

Umzug zum Jahreswechsel: Künftig wird der Schwarzwald-Baar-Kreis vom Polizeipräsidium Konstanz aus gesteuert. Das Tuttlinger Präsidium existiert erst seit 2014.
Umzug zum Jahreswechsel: Künftig wird der Schwarzwald-Baar-Kreis vom Polizeipräsidium Konstanz aus gesteuert. Das Tuttlinger Präsidium existiert erst seit 2014. | Bild: Jutta Freudig

Umzug nach Konstanz

Bereits im Herbst 2017 wurde beschlossen, dass das Tuttlinger Polizeipräsidium wieder aufgelöst werden soll, obwohl es erst im Jahr 2014 im Zuge der Polizeireform eingerichtet wurde. Nun ist zum Jahreswechsel 2019/2020 Schluss: Die grün-schwarze Landesregierung in Stuttgart hat entschieden, die Struktur der Polizeipräsidien zu ändern. Künftig werden die Landkreise Rottweil, Tuttlingen und Schwarzwald-Baar vom Polizeipräsidium in Konstanz aus geleitet. Für die Mitarbeiter in Tuttlingen wird laut Polizeipräsident Gerhard Regele derzeit noch nach passenden und sozialverträglichen Lösungen gesucht.