Dieser Plan klingt ehrgeizig: Bereits im kommenden Jahr soll in Bad Dürrheim ein neues Viersternehotel entstehen. Allerdings soll auf dem Gelände des ehemaligen und mittlerweile abgerissenen Kindersanatoriums der Chrischona-Schwestern in der Huberstraße keine Herberge wie jede andere entstehen. Auf dem 10 000 Quadratmeter großen Grundstück in bester Lage neben dem Solemar soll ab 2019 das erste von vornherein komplett barrierefrei geplante Hotel in der Region zu finden sein. Sein Name: Hotel Parasol.

Ein (fast) normales Hotel

Der Clou: Nicht nur die Zimmer sind barrierefrei und auf die Bedürfnisse von Behinderten zugeschnitten. Das Hotel mit 90 Zimmern hat sich die Inklusion zum Ziel gesetzt und soll deshalb auch der neue Arbeitsplatz für 18 Menschen mit Behinderung sein. Dabei ist das Hotel Parasol keine Sanatorium oder ein Hotel nur für Behinderte. Das soll sich auch an der Einrichtung bemerkbar machen. Sie soll zwar barrierefrei sein, jedoch keinen allzu klinischen Eindruck hinterlassen.

"Es war von Anfang an klar: Das Parasol-Hotel wird ein Treffpunkt für Menschen mit und ohne Behinderung", erklärt Cornelia Kunkis-Becker, die Geschäftsstellenleiterin des Vereins der Freunde und Förderer des Parasolhotels. Zielgruppe seien Reisende aller Art, von Geschäftsreisenden bis hin zu Familien, egal ob behindert oder nicht. Nicht zuletzt fehle der Kurstadt generell ein gehobenes Hotel, erklärt Kunkis-Becker.

Inklusionsprojekt und Begegnungsstätte

Der Verein plant das Hotel als Inklusionsprojekt, das sich zwar im laufenden Betrieb von Anfang an selbst tragen muss. Allerdings steht der Profit am Ende nicht im Vordergrund. Das Hotel soll laut Trägerverein primär eine Begegnungsstätte sein, die von Toleranz und gegenseitigem Verständnis geprägt ist. Ähnliche Projekte gibt es unter anderem bereits in Hamburg, Freiburg und in Gaienhofen am Bodensee.

Derzeit wird noch am Konzept für das knapp 15 Millionen Euro teure Projekt gefeilt. Barrierefreies Bauen kostet etwa 20 bis 25 Prozent mehr. Kunkis-Becker ist ab Herbst auch im Gespräch mit mehreren potenziellen Investoren. Obwohl immer noch für das Projekt gespendet werden kann, braucht der Verein einen Investor. "Für eine Finanzierung rein über Spenden ist der Betrag einfach viel zu groß", erklärt Cornelia Kunkis-Becker. Später soll das Hotel von einer gemeinnützigen Gesellschaft betrieben werden. Das Grundstück gehört dann weiterhin dem Verein.

Vorbehalte in der Bevölkerung

Gerade weil das Hotel eine familiäre und tolerante Atmosphäre bekommen soll, hat der Verein auch viele Angebote geplant, damit auch die Bad Dürrheimer Bevölkerung in einen Austausch mit den Hotelbewohnern treten kann. Unter anderem sollen Cafétreffs, Wanderungen, Konzerte und Veranstaltungen stattfinden. Kunkis-Becker setzt dabei auch auf ehrenamtliches Engagement, trifft jedoch auch auf einige Vorbehalte. "Einerseits wird gesagt: Ihr schafft das doch eh nicht, das ist viel zu teuer. Andererseits merken wir jedoch vor allem bei älteren Menschen auch unterschwellige Vorbehalte gegen einen Inklusionsbetrieb, wie wir ihn planen." Allerdings hat Kunkis-Becker noch drei Jahre Zeit, für das Projekt zu werben: Das Hotel Parasol soll nach zwei Jahren Bauzeit 2021 öffnen.