Um es vorweg zu nehmen: Der Breitbandausbau hat in den drei Wirtschaftsregionen in den vergangenen acht Jahren einen regelrechten Quantensprung gemacht. Dieses Ergebnis hat die Studie der Hochschule Furtwangen (HFU) ergeben, die die Entwicklung seit 2012 beobachtet.

Jürgen Anders, Professor für Digitale Infrastruktur im Ländlichen Raum an der HFU, untersuchte hierzu rund 80 ausgewählte Gewerbegebiete und befragte regelmäßig insgesamt rund 400 Gewerbebetriebe mit bis zu 50 Beschäftigten aus den drei Landkreisen.

Schwarzwald-Baar an der Spitze

Basierend auf dem Stand von 2012, wo 40 Prozent der Gebiete als „gravierend unterversorgt“ galten, habe sich diese Zahl auf zehn Prozent reduziert. Entsprechend sei die Zahl der unzufriedenen Betriebe in den vergangenen vier Jahren von 44 auf 18 Prozent gesunken. Der Versorgungsgrad und die Kundenzufriedenheit hätten die Wirtschaftsregion Schwarzwald-Baar-Heuberg damit an die Spitze im Vergleich mit den Nachbarregionen wie Bodensee, Hochrhein und Alb katapultiert.

Um den Digital-Ausbau weiter voran zu treiben, appelliert IHK-Vizepräsident Hans-Rüdiger Schewe an die Unternehmen, sich intensiv mit der Breitbandanbindung zu beschäftigen: „35 Prozent der Unternehmen signalisierten im Zuge der Befragungen, dass noch kein Glasfaseranschluss gewünscht oder in Planung ist. Welchen Effekt die Pandemie auf das Entscheidungsverhalten hat, ist abzuwarten.“

Wenig Infos über Ausbauvorhaben

Schewe macht deutlich, dass der Ausbau der Breitbandversorgung positiv zur Unternehmensentwicklung beitrage: „Der Ausbau sichert die Anbindung von mehreren Standorten untereinander, gewährleistet die Schnittstelle zu Kunden und Lieferanten und ermöglicht standortunabhängige Projekte. Davon profitieren Produkte, Dienstleistungen und Lieferketten.“ Ein Manko sei, dass nur etwa die Hälfte der IHK-Unternehmen über aktuelle Ausbauvorhaben informiert seien und die lokalen Anbieter kennen. Hier müsse nachgebessert werden.

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Dennoch: Der Trend ist positiv. Einen wesentlichen Anteil an der gravierenden Verbesserung hat der Landkreis, der gemeinsam mit allen Kreiskommunen 2014 den Zweckverband Breitbandausbau gegründet und den Ausbau des schnellen Internets in eigener Regie übernommen hatte.

„Damals herrschten andere Rahmenbedingungen und es hat schon Mut gebraucht, um dieses Thema anzugehen“, sagt Landrat Sven Hinterseh rückblickend. Die IHK sei es gewesen, die den Finger damals in die Wunde gelegt hat. „Seither haben wir rund 100 Millionen Euro mit Landes-, Kreis- und Kommunalmitteln in den physischen Ausbau der Breitbandversorgung im Schwarzwald-Baar-Kreis investiert.“

150 Millionen Euro

Hinterseh geht davon aus, dass weitere 150 Millionen Euro notwendig sein werden, um bis in den kommenden fünf bis sieben Jahren den „nahezu flächendeckenden Ausbau im Landkreis bewerkstelligen zu können.“ Davon profitierten längst nicht nur die Unternehmen, sondern in großem Maße auch die Bürger des Landkreises.