Um 18 Uhr hat Thomas Herzog noch eine Sitzung der Bürgerstiftung zu leiten. Es ist eine seiner letzten Amtshandlungen als Schramberger Oberbürgermeister. Eigentlich ist er ja schon seit dem 12. September im Urlaub, aber bei ein paar Herzensdingen unterbricht er seinen Urlaub auf dem Tischneck: Beim Sinfoniekonzert der Musikschule, zur Eröffnung der Ausstellung von Rémy Trevisan oder jetzt für die Bürgerstiftung. Wir gehen ein paar Schritte hinauf in den Park der Zeiten. „Merkwürdig“, stellt er nach ein paar Metern fest, „ich war hier kaum einmal in den letzten acht Jahren“. Wir suchen ein ruhiges Plätzle und finden eine Bank. Es beginnt ein Rückblick auf acht Jahre als Oberbürgermeister der Stadt Schramberg.

Herr Herzog, als Sie damals kandidiert haben, war das eine große Überraschung. Im Rückblick: War das aus Ihrer Sicht eine richtige Entscheidung?

Ich habe die Entscheidung zu kandidieren in den ganzen acht Jahren nicht bereut. Ich habe das ja für meine Heimatstadt gemacht. Trotz aller Tiefen, die es in den acht Jahren auch gab und auch nach einigen hitzigen Diskussionen im Gemeinderat, habe ich immer gedacht: Die Entscheidung zu kandidieren war richtig.“

Nicht nur im Rat, auch per Mail oder über Facebook mussten Sie sich einiges anhören. Wann haben Sie sich ein dickes Fell angezogen?

Ich glaube, bis heute habe ich mir kein dickes Fell angezogen. Es nimmt einen schon mit, wenn man solche Kommentare, die teilweise unter der Gürtellinie liegen, lesen musste. Man hat es ja nicht böse gemeint und immer versucht, mit dem Team der Verwaltung zusammen sein Bestes zu geben. Dass man nicht alle Leute überzeugen kann, ist auch klar. Aber dass es teilweise so auf die persönliche Ebene geht, damit habe ich nicht gerechnet. Ich glaube, es hat sich in den letzten acht Jahren generell im Umgang miteinander etwas geändert. Leider zum Negativen. Das ist kein Phänomen, das nur den Schramberger Oberbürgermeister betrifft, sondern landauf, landab.

Renate Künast?

Mit dem Urteil habe ich so meine Probleme. Aber so extrem wie es die grüne Politikerin erlebt hat und Ausdrücke wie bei Künast sind mir Gottseidank erspart geblieben.

Nach Tiefschlägen in der Kommunalpolitik, wie bekommt man das mit Familie hin, wie wirkt sich das aus?

Eigentlich bekommt man das nur mit Familie hin. Meine Familie hat mich die ganze Zeit immer gestützt und auch „ertragen“. Dafür bin ich meiner Frau und meinem Kindern dankbar. Ohne das „Zuhause“ hätte ich oftmals nicht abschalten können.

Schlechte Zeiten, gute Zeiten?

Stimmt, es waren insgesamt tolle acht Jahre, ich habe viel gelernt und ich bin dankbar für die Zeit. Ich bin vielen netten Menschen begegnet, die ich ohne das Amt wohl nie kennengelernt hätte. So sind auch einige Freundschaften entstanden, die die Amtszeit überdauern werden, weil sie nicht mit dem Oberbürgermeister, sondern mit der Person Thomas Herzog geschlossen wurden.

Im Rathaus gab es in Ihrer Zeit eine starke Verjüngung.

Richtig, schon weil aus Altersgründen in den letzten Jahren etliche Führungskräfte ausgeschieden sind. Wir haben in den letzten Jahren einige Führungsstellen neu besetzen dürfen, und ich denke, das ist uns ganz gut gelungen.

Merkt man diese Verjüngung auch am Arbeitsstil?

Man merkt es insgesamt, wenn jüngere Leute ins Team kommen. Der Ton wird einfach anders. Das ist ganz normal. Themen wie Dienstleistung und Serviceorientierung. Unsere Fachangestellten werden ganz anders ausgebildet, als früher jemand vor 50, 60 Jahren in der Verwaltung. Damals gab es eher ein Über- und Unterordnungsverhältnis. Die jungen Leute heute machen das richtig gut.

Was haben Sie vermisst in den acht Jahren?

Mehr Zeit mit der Familie.

Sie hatten sich ja vorgenommen, ein Tag pro Woche bleibt für die Kinder. Hat das geklappt?

Ich habe nicht Buch geführt. Im Schnitt und übers Jahr gerechnet ist es wohl einigermaßen gelungen. Aber was wir immer gemacht haben, das waren die Ferien: Pfingsten, Sommer, Herbst. Darauf haben wir geachtet und die gemeinsamen Ferien haben uns als Familie immer gut getan.

Im Rückblick, was bleibt von diesen acht Jahren.

Puh, das hört sich so endgültig an.

Irgendwann gibt‘s einen Artikel in der Kräz.

Ok, was wir geschafft haben, ich sage bewusst wir, weil der Oberbürgermeister ist nur einer, er braucht den Gemeinderat und auch die Stadtverwaltung. Wir haben alle Landesstraßen in der Talstadt fertig saniert bekommen. Ich kann mich noch an die Schlaglochpisten zu Beginn meiner Amtszeit erinnern. Badschnass, Feuerwehrgerätehaus in Sulgen. Kurzum, wir haben die Infrastruktur nach vorne gebracht. Wir haben die Vereinsförderung gestärkt. Und, da kann der Oberbürgermeister weniger dafür: Die Wirtschaft hat zehn Jahre lang gebrummt, die Zahl der Arbeitsplätze in Schramberg ist gewachsen. Wir haben viele gute Unternehmen, dadurch konnten wir einiges erreichen.

Was wünschen Sie Ihrer Nachfolgerin?

Viel Erfolg und ein glückliches Händchen zum Wohle meiner Heimatstadt.

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