Seit 20 Jahren versorgt die Schramberger Tafel bedürftige Menschen aus der Umgebung mit preiswerten Lebensmitteln – und geht damit gleichzeitig gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln vor

Sie ist der „Wirbelwind Gottes“ – so formulierte es ein Kaplan, als sie mit 14 Jahren in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv war. Inzwischen ist Elisabeth Spöttle 76 Jahre alt und wirbelt wie eh und je. Und sie zieht alle um sich herum hinein in ihren Strudel aus Energie und Herzlichkeit ­– heute die vielen Ehrenamtlichen, die sich in der Schramberger Tafel versammelt haben, um gegen Cent-Beträge Lebensmittel an bedürftige Menschen auszugeben.

Es ist Dienstag, ab 10 Uhr ist die Tafel geöffnet, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter treffen gut gelaunt letzte Vorbereitungen. Es war auch ein Dienstag, als der Laden vor 20 Jahren zum ersten Mal seine Türen öffnete: am 22. Januar 1999. Elisabeth Spöttle gehört zu den Initiatorinnen des Projekts und ist noch heute Vorsitzende des Leitungskreises. Im vergangenen Monat feierte die Tafel ihr 20-jähriges Bestehen. „Und es war wieder ein Dienstag – so ein Zufall“, freut sich Spöttle.

Vor der Gründung war Elisabeth Spöttle Lehrerin und machte sich Gedanken über ihre anstehende Rentenzeit: „Ich brauche doch immer eine Beschäftigung. Und nur Reisen und Spazierengehen und genießen – das kann ich nicht. Dann dreht sich ja alles nur um mich. Man muss doch etwas für die Menschheit tun.“ Mit anderen engagierten Bürgerinnen und Bürgern und fünf Kooperationspartnern, die als Träger fungieren, rief sie die Schramberger Tafel vor 20 Jahren ins Leben. Vorbild war ein entsprechendes Projekt in Rottenburg.

Die Abläufe rund um die Schramberger Tafel sind vor allem ein riesiger logistischer Aufwand. Mehr als 80 Personen engagieren sich ehrenamtlich als Verkäufer, Vorsortierer und Fahrer. Letztere holen auf festen Routen an vier bis fünf Tagen pro Woche Lebensmittel bei Läden und Supermärkten in der Umgebung ab. Darunter sind Produkte, die kurz vor dem Verfallsdatum stehen oder Backwaren vom Vortag. Inzwischen gibt es auch regelmäßige Fahrten nach Singen, wo in einem Regionallager der Tafeln Nahrungsmittel von Produzenten auflaufen, die gar nicht erst in den Verkauf gelangt sind.

Zwar freut sich Elisabeth Spöttle über das Angebot, das die Tafel dadurch den bedürftigen Menschen in Schramberg und Umgebung bieten kann. Aber gleichzeitig macht es sie auch wütend, die vielen Lebensmittel im Lager zu sehen: „Da wird unsinnig eine Masse erzeugt, die kein Mensch braucht.“ Dass die Tafeln die Waren abnehmen sei besser, als alles wegzuwerfen. „Aber besser wäre es doch, wenn das alles gar nicht erst produziert würde. Das wollte ich beim nächsten Treffen im Landesverband auch nochmal ansprechen.“ Der Wirbelwind wirbelt weiter.