Schramberg – "Sie sind alle unsre Ehrengäste", hieß Schrambergs Oberbürgermeister Thomas Herzog am Donnerstagabend die Besucher im Bärensaal willkommen. Unter den Gästen waren die beiden Ehrenbürger der Stadt, Abgeordnete aus dem Bundes- und Landtag, Kommunalpolitiker, eine Delegation aus der Partnergemeinde Glashütte, Präsidenten von Gerichten, Kammern und Polizei, Geschäftsführer der Schramberger Betriebe sowie Vertreter der Kirchen, Vereine und Hilfsorganisationen. Nur einer fehlte: Der Festredner Innenminister Thomas Strobl. Er stehe im Stau. "Das zeigt, wie sehr wir die Talumfahrung brauchen", scherzte Herzog. Später allerdings hieß es hinter vorgehaltener Hand, der Stau auf der A 81 sei's weniger gewesen als die Umleitung zwischen Rottweil und Dunningen. Da habe sich Strobls Fahrer hoffnungslos verfranst. Da war er nicht der erste. Schließlich eröffnete die Stadtmusik mit "Vita pro Musica" den Festakt und OB Herzog begann mit seiner Begrüßung. Kaum waren alle Würdenträgerinnen und Träger genannt, kam Minister Strobl in den Saal und hörte auch noch den Hauptteil von Herzogs Begrüßung.

Darin ging dieser auf die Zeit der Stadterhebung am 7. September 1867 ein: Die Industrieansiedlungen in Schramberg, die einen "Aufbruch in ein neues Zeitalter" bedeutete und "ein besseres Leben für die Bevölkerung versprach". Die frühen Industriebetriebe hätten dem Marktflecken Schramberg schließlich zum Stadtrecht verholfen. Herzog betonte: "Erfindergeist und Unternehmertum haben unsere Stadt geprägt." Diese seien aber keine abstrakten Begriffe, dahinter stünden Menschen. "Es waren und sind die Menschen, welche die Geschichte unserer Stadt prägten und prägen."

Die Stadt könne zwar mit Stolz auf ihre Erfolgsgeschichte zurückblicken, müsse sich aber den neuen Herausforderungen wie Digitalisierung, Industrie 4.0, neue Mobilität sowie Erhalt und Ausbau der Infrastruktur stellen. Dabei bedürfe es, wie vor 150 Jahren, der Unterstützung durch das Land. Herzog appellierte an Minister Strobl, "dass das Land nunmehr das Projekt Talumfahrung Schramberg schnellstmöglich angeht und das Regierungspräsidium Freiburg mit der Umsetzung des Projekts beauftragt". Ein leicht zerknirschter Minister Strobl versprach, beim nächsten Mal einen Tag früher anzureisen. Er werde demnächst mit seinem Ministerkollegen Winfried Hermann "ein ernstes Wort" in Sachen Talumfahrung reden.

Die heutige Lage, in der die Digitalisierung alle Lebensbereiche erfasse, sei ähnlich wie die Industrialisierung vor 150 Jahren. "Wir müssen uns Mühe geben, die Menschen dabei mitzunehmen." Strobl verwies darauf, dass die Landesregierung ihre Ausgaben für das schnelle Internet von 335 Millionen auf eine Milliarde Euro erhöhe, "ein richtiger Klopper". Aber das Land habe hier auch "noch einiges nachzuholen". Die wichtigste Stärke der Badener und Württemberger sei aber, "dass sie die Ärmel aufkrempeln und nicht verzagt, sondern mutig sind", so Strobl.

Schließlich trug sich Strobl als erster in das neue goldene Buch der Stadt ein. OB Herzog forderte alle auf, es ihm nachzutun: "Wenn Sie alle Ehrengäste sind, dann können Sie sich auch alle eintragen."

Stadtfest

Mit einem großen Stadtfest am 16. und 17. September feiert Schramberg die Erhebung zur Stadt vor 150 Jahren. Das Fest beginnt am Samstag, 16. September, mit dem Fassanstich um 14 Uhr. Mehr als 60 Stände werden in der gesamten Talstadt für das Wohl der Besucher und zur Unterhaltung bereit stehen. Auf zwei Bühnen beim Rathaus und der St.-Maria-Kirche unterhalten Musiker und Tanzgruppen die Besucher.