Seit mehreren Jahren lässt die Stadt Schramberg die Kläranlage im Schiltachtal erneuern. Im Vordergrund dabei die sogenannte Schlammschiene. Neue Schlammspeicherbehälter wurden gebaut, der Faulgasspeicher erneuert, die Faulturmbeheizung auf den Stand der Technik gebracht. Zuletzt hatte die Stadt ein neues Blockheizkraftwerk angeschafft, um das Faulgas zur Strom- und Wärmegewinnung nutzen zu können. Letzte und größte Investition wird der Bau eines neuen Faulturms.

Ob der inzwischen 40 Jahre alte Faulturm erneuert werden kann oder ob ein neuer Turm her muss, wo der günstigste Standort ist und wie der Turm aussehen soll, darüber hatte der Gemeinderat in den vergangenen anderthalb Jahren ausgiebig diskutiert. Vor knapp einem Jahr hatte der Rat festgelegt, wie der neue Faulturm gestaltet werden soll. Das Büro Eppler hat sich an die Ausführungsplanung gemacht und die Stadt die Arbeiten für den Faulturm ausgeschrieben.

Ende letzten Jahres lagen die Ergebnisse eines öffentlichen Teilnehmerwettbewerbs mit anschließender beschränkter Ausschreibung vor, wie Georg Schrempp von der Abteilung Tiefbau dem Ausschuss für Umwelt und Technik berichtet hat. Von ursprünglich acht Interessenten hatte die Verwaltung vier Unternehmen aufgefordert, Angebote einzureichen, nur zwei kamen schließlich vollständig an.

Die Firma Eliquo Stulz aus Grafenhausen hat schließlich das Rennen gemacht. Nach Bewertung aller Zusatz- und Nebenkosten lag die maßgebliche Vergabesumme bei 1,5 Millionen Euro. Beim zweitbilligsten Bieter würde der Faulturm 20 000 Euro mehr kosten.

Ursprünglich hatte das Büro Eppler für das Gesamtprojekt 1,8 Millionen Euro Kosten geschätzt, für die Lieferung und Montage des Faulturms waren in der Kostenberechnung des Ingenieurbüros von 2016 etwa 1,1 Millionen Euro veranschlagt. "Nimmt man die Kostensteigerungen der letzten zwei Jahre, käme man auf 1,35 Millionen Euro", so Schrempp. Das vorliegende Angebot liege also nochmal gut zehn Prozent darüber.

Laut Günter Seeger vom Ingenieurbüro Eppler sei die große Zahl von technischen Nebenangeboten bei solchen Vorhaben "durchaus normal". Bei der Ausschreibung lasse man bewusst manches offen, um die beste wirtschaftliche Lösung zu bekommen. Der Turm werde aber genauso aussehen, wie er geplant worden sei, versicherte Seeger.

Jürgen Kaupp, CDU, wollte wissen, ob davon auszugehen sei, dass der gesamte Turm am Ende 2,2 Millionen Euro und nicht die geplanten 1,8 Millionen Euro kosten werde. Das sei wohl leider so, meinte Schrempp. In diesem Jahr seien genügend Mittel im Haushalt bereitgestellt, nächstes Jahr aber würden wohl weitere 30 000 Euro benötigt.

Seeger bestätigte, der Markt sei "derzeit sehr gesättigt. Die Auftragsbücher sind gerade sehr voll. Es kommt vor, dass wir bei einem solchen Projekt nur ein oder gar kein Angebot bekommen." Trotz der Mehrkosten hat der Ausschuss dem Gemeinderat einstimmig empfohlen, den Auftrag wie vorgesehen zu vergeben.