Nach dem großen Polizeieinsatz wegen einer Droh-E-Mail am Dienstag in Schramberg gab es überwiegend Lob für das professionelle Vorgehen der Einsatzkräfte. Es gab aber auch Kritik an der Polizei. Polizeipräsident Gerhard Regele betont im Gespräch mit unserer Zeitung, solche Einsätze würden immer auch selbstkritisch aufgearbeitet.

Einige Punkte will er direkt klarstellen. Etwa die Frage, weshalb auf die Amokdrohung in Offenburg und in Schramberg die Polizeiführer unterschiedlich reagiert hatten. Während in Offenburg nach zweieinhalb Stunden der Einsatz beendet war, zog sich die Aktion in Schramberg bis in den Nachmittag.

Der Unterschied sei gewesen, dass in Offenburg "die Einsatzkräfte sofort rein in die Schule" sind. Das habe der Polizeiführer vor Ort der Lage angepasst so entschieden. "Das geht nicht nach Schema F. Jeder Einsatz wird vom jeweiligen Polizeiführer individuell eingeschätzt und bewertet." Dabei spielten etwa die Zahl der betroffenen Schüler, die Lage des Schulgebäudes oder die Architektur eine große Rolle, so Regele.

Es stimme auch, dass innerhalb von einer Stunde 30 Beamte vor Ort waren, die für einen solchen Einsatz ausgebildet waren. "Wenn es wirklich eine Amoklage gewesen wäre, also ein Täter dort geschossen hätte beispielsweise, dann wären diese Beamten sofort rein, um den Schützen auszuschalten."

Weil aber in der Schule alles ruhig war und es keinen erkennbaren Täter in der Schule gab, habe der Polizeiführer entschieden, das Spezialeinsatzkommando (SEK) zu holen. "Für die Sicherheit der Kinder und Lehrer nahmen wir die Verzögerung in Kauf."  

Auch dass die Einsatzzentrale im 60 Kilometer entfernten Tuttlingen war und der Leitende Polizeidirektor Ralf Thimm von dort die Maßnahmen leitete, sei völlig normal. "Wir haben hier die Logistik, die Technik und das bestens ausgestattete Führungs- und Lagezentrum, in dem wir solche Großereignisse bewältigen können."

Kritisiert wird auch die zeitraubende Übergabeprozedur der Schüler an die Eltern oben bei der Sulgener Kreissporthalle. Das rechtfertigt Regele mit der "Mammutaufgabe, über 1000 Menschen koordiniert zusammen zu bringen". Bei ähnlichen Einsätzen werde die Polizei schneller ein Elterntelefon einrichten. Auch die Kritik von Schulleiter Bernhard Dennig, die Schulleitung sei zu wenig eingebunden gewesen, werden die Polizei aufnehmen. (him)